© Almdudler/Philipp Lipiarski

Wirtschaft
12/12/2021

Hausparty mit Kräuterkracherl: Ein Almdudler gegen den Lockdown-Blues

Als Lokale und Ferienhotellerie zu waren, holten sich die Leute das Kräuterkracherl als Urlaubserinnerung nach Hause

von Thomas Pressberger

Der Kräuterlimonadenhersteller Almdudler hat in seiner bald 65-jährigen Geschichte einiges erlebt, die Corona-Pandemie wird da nur als eine von vielen Herausforderungen in Erinnerung bleiben.

Zahlreiche Nachahmer in Deutschland, die dem österreichischen Unternehmen das lukrative Geschäft mit der Kräuterlimonade mit ähnlichen Namen, wie Walddudler, abgraben wollten – was immer wieder rechtlich verhindert werden konnte – oder der Soft-Drink-Gigant Coca-Cola, der 2019 in Österreich eine eigene Kräuterlimonade lancieren wollte und grandios scheiterte, sind nur zwei von vielen Anekdoten, die Almdudler-Geschäftsführer Gerhard Schilling erzählen kann.

Zweistelliges Wachstum in Deutschland

„Die Österreicher und die Gäste wollen nicht irgendein Kräuterkracherl, sondern Almdudler.“ Almdudler sei stark mit der österreichischen Identität verbunden, mit Natur, Skifahren und Emotionen. Das Trachtenpärchen vermittle ein unbeschwertes Lebensgefühl in den Alpen. „Vielen ist die Marke bekannt, vertraut und sympathisch“, erklärt Schilling die Einzigartigkeit der Kräuterlimonade. „Das haben wir im vergangenen Pandemie-Jahr gespürt, vor allem in Deutschland haben sich viele das Gefühl eines Österreich-Urlaubs nach Hause geholt“, sagt Schilling. Almdudler habe dort ein zweistelliges Wachstum verzeichnet, auch heuer sei es gut gelaufen. Bei den 0,35-Liter Almdudler-Flaschen habe es einen Boom gegeben.

Die Exportquote liegt bei 35 Prozent, der Großteil geht nach Deutschland, weitere Märkte sind Ungarn, Tschechien und die Beneluxstaaten. Die Quote soll steigen, in zehn Jahren will Schilling die 50-Prozent-Marke knacken.

Spitzenplatz

Schon jetzt kann er einen Meilenstein vorweisen: Ohne Coca-Cola – der US-Gigant spielt in einer anderen Liga – ist Almdudler in Österreich beim Absatz Nummer eins im Kracherlsegment, knapp vor Fanta. Red-Bull zählt zu einer anderen Kategorie, zu den Energydrinks, und hat natürlich auch einen viel höheren Absatz, erzählt Schilling.

Trotz der guten Marktposition hat er genug zu tun, um die Marke spannend zu halten. Seine Kernzielgruppe sind junge Konsumenten. Und die wollen begeistert werden. „Viele Menschen sind mit Almdudler aufgewachsen. Die Herausforderung ist aber, relevant zu bleiben, wenn sie erwachsen werden und selbst entscheiden können“, sagt Schilling. Er vertraut auf eine Kombination von Tradition und aktuellen Themen, wie Toleranz und Diversity. Almdudler wolle nicht verstaubt herüberkommen, sondern setze neben dem Trachtenpärchen auch stark auf Freiheit. „Wir probieren auch immer wieder neue Sachen, wie Almdudler Mate & Guarana, das ist unser natürlicher Energydrink“, so Schilling. Und betont wieder: Der Absatz sei abseits jeder Red-Bull-Dimension, doch handle es sich um keine Eintagsfliege – die Verkaufszahlen würden kontinuierlich steigen.

Almdudler hat sich aber auch schon früher immer wieder neu erfunden. „Ursprünglich war im Hintergrund des Trachtenpärchens Heiligenblut mit dem Großglockner“, erzählt Schilling. Über die Jahre hat sich das Motiv immer wieder verändert, heute steht das Pärchen – zumindest beim klassischen Almdudler – vor einer weißen Bergkette auf rotem Hintergrund. Durch die verschiedenen Motive erkennt man, aus welchem Jahr die leeren Mehrwegflaschen stammen, die in den Kreislauf zurückkehren. Manche sind zehn Jahre oder älter. Es kommt sogar vor, dass Raritäten aus den 60er-Jahren heute wieder bei Almdudler eintrudeln, oft sind das Kisten, die irgendwo vergessen in finsteren Kellern standen.

Kuriose Geschichten hat Schilling, der das Unternehmen seit 2004 leitet, noch mehr auf Lager. Etwa, als das neue Almdudler-Haus in der Grinzinger Allee gebaut wurde. Da habe es während der Bauphase unter den Anrainern wilde Spekulationen gegeben, was das wohl werden würde. Manche meinten, eine Kirche, anderen wollten gehört haben, dass es ein Logistikzentrum wird. Als sie dann erfuhren, dass Almdudler einzieht, befürchteten sie, dass es eine Partylocation werden würde. Doch zu Unrecht. „Wir sind sehr zivilisiert“, sagt Schilling. Zum Schluss habe sich alles in Wohlgefallen aufgelöst.

 

Ein Getränk für das Nachkriegs-Österreich

Die Marke Almdudler wurde 1957 von Erwin Klein angemeldet. Die Wurzeln des Unternehmens gehen aber bereits auf das Jahr 1886 zurück, ab da wurde es als Limonaden- und Sodawasserhersteller betrieben.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg machten sich in Österreich immer mehr US-amerikanische Markengetränke breit.  Klein wollte dem ein österreichisches Pendant entgegensetzen und entwickelte in den 50er-Jahren ein Getränk, das er auf das unabhängig gewordene Österreich maßschneiderte und das zur österreichischen Identität passen sollte – Alpen, Natur, Kräuter und Gemütlichkeit in Form des sympathischen Pärchens, waren die Ingredienzien.

Er wollte eine starke und eigenständige Marke entwickeln, was ihm nachhaltig gelungen ist, und was bis zum heutigen Tag gepflegt und weiterentwickelt wird.

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