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wirtschaft von innen
04/20/2021

Hartes Match um das Online-Glücksspiel

Lobbying-Kampagne - ausländische Anbieter ohne Lizenzen fürchten Reform der Regierung

von Andrea Hodoschek

In der Glücksspielszene herrscht ziemliche Aufregung. Auslöser ist die Ankündigung von ÖVP-Finanzminister Gernot Blümel, im Rahmen einer Reform des Glücksspielgesetzes den heimischen Markt gegen Online-Anbieter ohne österreichische Lizenz abzuschotten. Voraussichtlich wird das DNS-Blocking (Domain Name System Blocking) zum Einsatz kommen, das Benutzern erschwert, bestimmte Domains oder Websites im Internet zu finden. Dieses „Filtering“ wird bereits in zwei Dritteln der EU-Staaten angewendet. In Österreich hat nur die Casinos-Lotto-Tochter win2day eine Lizenz zum Online-Zocken.

Dagegen läuft die Österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG) Sturm. Mitglieder sind die großen Wettanbieter, von denen einige allerdings auch Glücksspiel offerieren. Die Vereinigung startete vor kurzem eine Lobbying-Aktion bei politischen Entscheidungsträgern, Abgeordneten und Parlamentsklubs. Quer durch die Parteien werde, hört man, gegen den Gesetzesentwurf interveniert. Unterlegt wird die Aktion von breit gestreuten, großflächigen Inseraten.

Unter dem Titel „Kontrollierter Wettbewerb statt tschechisches Monopol“ wird kritisiert, die Reform schütze ein veraltetes Monopol, „das sich inzwischen zudem auch noch im Eigentum einer tschechischen Unternehmensgruppe befindet“. Gleichzeitig sollten in der EU lizensierte Wett- und Glücksspielanbieter, von denen viele in Österreich gegründet wurden, mittels Netzsperren ausgeschlossen werden, heißt es.

Die Online-Gesellschaften argumentieren mit den 1.000 Arbeitsplätzen und ihrer Steuerleistung an den österreichischen Fiskus von 170 Millionen Euro jährlich. Illegales Gaming befreit nämlich nicht von der Glücksspielsteuer.

Besonders wird darauf hingewiesen, dass man rund 100 Millionen Euro jährlich in die österreichische Sport- und Medienlandschaft investiere. Damit sichere man nicht nur den Spitzen-, sondern auch den Breitensport.

Der Casinos-Konzern (Casag) reagierte vor wenigen Tagen mit unfreundlicher Post und wirft der OVWG „irreführende oder gar falsche Behauptungen“ vor. Der Sportwettenmarkt falle nicht unter Glücksspiel, sondern sei vollständig liberalisiert.

„Xenophobe Untertöne“

Zu den EU-Lizenzen, auf die sich die meist in Malta oder Gibraltar registrierten Gesellschaften berufen, kontert die Casag in ihrem Schreiben: „Es gibt keine europaweite Gültigkeit von Glücksspiellizenzen, das Glücksspielwesen ist europarechtlich nicht harmonisiert.“ Also, so die Schlussfolgerung, „gibt es auch keine EU-Lizenzen“.

Der teilstaatliche Glücksspielkonzern wirft der Konkurrenz obendrein noch „xenophobische Untertöne“ vor. Diese würden ganz bewusst mit der Forderung nach einem „Wettbewerb statt tschechisches Monopol“ breitenwirksam transportiert. Die tschechische Sazka Group des Milliardärs Karel Komarek ist Mehrheitseigentümer der Casag.

Interwetten, eines der OVWG-Mitglieder, sponsert unter anderem auch den ÖSV als Veranstaltungspartner. Im Skiverband wird schon darüber spekuliert, ob man möglicherweise einen neuen Sponsor suchen müsse. Denn auch Interwetten bietet neben Sportwetten die wesentlich lukrativeren Casinos-Spiele an. Spieler in Österreich können, wie ein Test ergab, problemlos zocken.

Gerüchte, er lobbyiere bei Politikern für Interwetten, dementierte der bestens vernetzte Noch-ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel jedoch gegenüber dem KURIER nachdrücklich.

andrea.hodoschek

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