Wirtschaft
23.06.2017

"Harakiri" des Airbag-Herstellers Takata soll verhindert werden

Japanischer Konzern beantragt Insolvenz und soll mithilfe von neuen Geldgebern flottgemacht werden.

Bei einem solchen Kurscrash nützt auch der beste Airbag nichts. Die Aktie des börsennotierten japanischen Autogurte- und Airbag-Herstellers Takata (49.000 Mitarbeiter) ist am Donnerstag um 55 Prozent auf 110 Yen (88 Cent) abgestürzt. Zwischenzeitlich musste der Handel sogar ausgesetzt werden.

Auslöser dafür war die Mitteilung, dass der marode Konzern voraussichtlich am Montag Gläubigerschutz bzw. ein Insolvenzverfahren beantragen wird.

Umgerechnet acht Milliarden Euro Schulden haben Takata an die Wand gedrückt, bei einem Umsatz von 5,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat bei Airbags und anderen Autoteilen einen Weltmarktanteil von 20 Prozent, größer sind u. a. der schwedische Hersteller Autoliv (64.000 Mitarbeiter) und der US-Konzern TRW Automotive (65.000 Mitarbeiter).

100 Millionen Autos

Die Japaner betreiben im deutschen Aschaffenburg und im rumänischen Arad jeweils Werke und beliefern nahezu alle Autohersteller: von Audi bis VW, von Honda bis Toyota, von BMW bis Mercedes, von General Motors bis Tesla.

Doch immer öfter waren darunter fehlerhafte Airbags. Seit April 2013 mussten die Autobauer in mehreren Wellen insgesamt 100 Millionen Fahrzeuge zurückrufen, weil die eingebauten Takata-Airbags defekt waren.

Mindestens 16 Autofahrer wurden getötet, weil die Airbags bei Unfällen nicht auslösten, während der Fahrt plötzlich losgingen oder beim Auslösen Metallteile im Auto verschossen und Insassen massiv verletzten.

Anfang 2017 verdonnerten die US-Behörden die Japaner zu einer Schadenersatzzahlung von umgerechnet 761 Millionen Euro an Autohersteller und 112 Millionen Euro an betroffene Autofahrer. Die verhängte Strafe (22,34 Millionen Euro) fiel dabei in die Kategorie "Peanuts". Trotz dieser Mega-Probleme war Takata bisher "too big to fail".

Pleite hinausgezögert

"So viel ich weiß, ist die Insolvenz hinausgezögert worden, und die Autobauer haben Takata gestützt, damit sie weiterproduzieren können", sagt Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen zum KURIER. "Die Autoindustrie war in einer echten Klemme und sie scheute das Risiko, mit massiven Versorgungsproblemen konfrontiert zu werden." Takata könne man aufgrund des großen Marktanteils nicht so schnell ersetzen. Die Produktion der Autohersteller wäre stillgestanden. Dudenhöffer geht aber davon aus, dass sich die Kfz-Industrie mittlerweile zumindest zum Teil auch bei anderen Erzeugern mit Sensoren und Airbags eindeckt.

Indes will der US-Autozulieferer Key Safety Systems (KSS), der zum chinesischen Konzern Joyson Electronics gehört, bei Takata einsteigen. KSS und der US-Finanzinvestor Bain Capital wollen den Japanern vorerst umgerechnet 895 Millionen Euro Kapital zur Verfügung stellen.