Die Rettung von Hanlo ist eine große Herausforderung. Die Grazer Firma ist von deutscher Schwesterfirma abhängig.

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Insolvenz
05/07/2015

Hanlo-Pleite: Erste Entscheidung dürfte am Freitag fallen

Insolvenzverwalter Axel Reckenzaun führt mit einem Investor bereits intensive Gespräche.

von Kid Möchel

Am Freitag sollen die ersten Weichen für die Zukunft des insolventen Grazer Fertighaus-Unternehmens Hanlo (75 Mitarbeiter, 23,34 Millionen Euro Schulden) gestellt werden. An diesem Tag hat Hanlo-Insolvenzverwalter Axel Reckenzaun eine Gläubigerausschusssitzung am Grazer Gericht anberaumt. „Ich bin derzeit bemüht, das Unternehmen zu stabilisieren, um mit potenziellen Investoren verhandeln zu können“, sagt Reckenzaun zum KURIER. „Ich habe bisher mit einem Interessenten konkret Kontakt gehabt, mit dem intensive Gespräche geführt werden." Bis zur Gläubigerausschusssitzung sei die Finanzierung des Fortbetriebs das Hauptthema. Es gibt verschiedene Zielrichtungen und Optionen, so Reckenzaun weiter. "Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden."

Geordnete Übergabe an Investor

Wie berichtet, will besagter Investor bei der Hanlo-Mutterfirma Green Building Group, die in mehrere Gesellschaften verzweigt ist, einsteigen. Dazu muss man wissen, dass eine Green-Building-Tochter in Deutschland die einzelnen Teile der Einfamilienhäuser produziert und Hanlo diese Teile zu Häuser in Österreich zusammenbaut bzw. montiert.

"Durch die Komplexität und die Produktion in Deutschland ist eine Abhängigkeit gegeben", sagt der Insolvenzverwalter. Nach der kurzfristigen Stabilisierung der Grazer Pleite-Firma geht es in einem zweiten Schritt um die Abwicklung der laufenden Bauprojekte, soweit das in dieser ersten Phase möglich ist. "Dann geht es um die geordnete Übergabe an den Investor, der ein Interesse hat, die Bauvorhaben fortzuführen", sagt Reckenzaun. "Wir sind grundsätzlich bemüht, Schäden von Kunden möglichst hintanzuhalten."

500 Eigenheime

Insgesamt erzeugt die Firmengruppe 500 Häuser im Jahr. Die Pleite dürfte bei zahlreichen Hanlo-Kunden Kopfschmerzen auslösen. Sie haben insgesamt 7,53 Millionen Euro für ihre neuen Eigenheime an- und vorausgezahlt. Doch es gibt sogleich eine Entwarnung. „Es handelt sich dabei aber großteils um Zahlungen für bereits geleistete Bautätigkeiten, diese Bauprojekte sind nur noch nicht endabgerechnet“, sagt Franz Blantz vom Gläubigerschutzverband AKV. „Es gibt nur an die 30 bis 40 offene Baustellen.“

Nach Angaben des Insolvenzverwalters leisten die Hanlo-Kunden ihre Zahlungen erst dann, wenn sie ihr Haus bekommen haben. "So stellt sich das für mich nach der ersten Analyse dar", sagt Reckenzaun.

Rund 4200 Häuser pro Jahr

In Österreich werden pro Jahr 4200 Einfamilienhäuser streng nach der Fertigbau-Norm errichtet. „Die Insolvenz kam für uns relativ überraschend. Hanlo hat einen guten Namen in der Branche“, sagt Christian Murhammer, Geschäftsführer des Österreichischen Fertighausverbandes, zum KURIER. 17 Hersteller gehören dem Branchenverband an. Sie haben im Vorjahr rund 545 Millionen Euro umgesetzt und einen Marktanteil von 59 Prozent. Zu den Big Players gehören die Firmen Elk, Wolf, Haas, Hartl, Genböck und Vario. „Diese Unternehmen entwickeln sich gut. Allein Vario erzielte 2014 ein Umsatzplus von 40 Prozent“, erklärt Murhammer.

Im Premium-Segment ist der Kärntner Holzhaus-Hersteller Griffner Haus um Georg Niedersüß tätig. Griffner wird heuer rund 80 Häuser errichten und 17 Millionen Euro erwirtschaften. Ein Griffner-Haus kostet im Schnitt 300.000 Euro. Hanlo liegt deutlich darunter. Die Grazer bieten das schlüsselfertige „Aktionshaus Energy“ laut Homepage um knapp 190.000 Euro an.

Den restlichen Marktanteil von 41 Prozent im Fertighausbau teilen sich die zahlreichen heimischen Zimmereibetriebe und Baufirmen, die nicht dem Fertighausverband angehören, sowie ausländische Fertigteilhaus-Erzeuger, die nach Österreich exportieren.