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Wirtschaft
02/07/2021

Handel: Verkaufen um einen "Nasenrammel"

"Sonst verkaufen wir am Saisonende an Großhändler aus Osteuropa, Australien oder China", sagt ein Händler. Heuer ist alles anders

von Simone Hoepke

Wenn am Montag der Handel wieder aufsperrt, ändert sich in den meisten Sportfachgeschäften von Christoph Bründl erst einmal gar nichts. "Von 30 Standorten bleiben 18 weiterhin zu", sagt der Firmenchef. Alles andere mache bei seinen Läden in Ischgl, Saalbach oder auch im Zillertal schlicht keinen Sinn. "Für uns ist entscheidend, wann die Grenzbalken wieder hochgehen und die Gäste wieder kommen", so Bründl, der allein in der Touristenhochburg Ischgl mit drei Standorten vertreten ist. Skiverleih inklusive.

Aber was passiert mit den Skiern, die heuer keiner ausleiht und keiner kauft?

"Normalerweise verkaufen wir sie am Saisonende an Großhändler aus Osteuropa, Australien oder China", sagt Bründl. Dort könne man auch mit drei oder vier Jahre alten Leihski noch ein Geschäft machen. Skifahrer in China scheren sich tendenziell wenig darum, ob sie auf einem neuen Modell stehen oder nicht. Und in Australien würden wiederum viele Chinesen auf den Pisten unterwegs sein. Doch heuer ist Skifahren so gut wie überall abgesagt.

14.500 Paar Ski im Keller

Und deswegen tut Bründl vorerst einmal gar nichts. "Wir lassen die Ware in den Geschäften, für die nächste Saison." Ein Teil wird in einer Industriehalle zwischengelagert. Zur Größenordnung: Es geht um 14.500 Paar Ski und 9.500 Paar Skischuhe. "Wir haben Ware im Wert von 17 Millionen Euro herumliegen." Angesichts dieser Mengen ist auch klar, warum Bründl diese nicht einfach ins Mc-Arthur-Glen-Outlet-Center in Salzburg bringt: So viel Platz ist nicht einmal in seinem 3-geschossigen Outlet-Center-Shop.

Apropos Ausverkauf. Daran führt im Modehandel kein Weg vorbei. Überall Prozente-Schilder und die Ankündigung der großen Rabattschlacht. Auch hier gehen sonst liegen gebliebene Mäntel, Hosen und Jacken an Großhändler, die die Ware dann in aller Welt verscherbeln. "Aber auch wenn man die Ware jetzt um einen Nasenrammel kauft, kann man sie nicht weiterverwerten, weil auf der ganzen Welt nichts verkauft wurde. Nicht nur in der letzten Saison, auch schon die beiden Saisonen davor", sagt Rainer Trefelik, Handelsobmann und Modehändler in Wien.

Zusätzliches Problem: Die Sommerware drängt beim Lieferanteneingang rein, während die Winterware wie Blei im Geschäft liegt. "Normalerweise liefern die Produzenten ja nicht alles auf einmal aus, jetzt aber schon. Weil sie ja auch ihre Lager leeren müssen", sagt Trefelik. Wie er selbst die Lage handelt, weiß er selbst noch nicht. Planen könne man ja de facto gar nichts, schließlich drohe nun auch schon der nächste Lockdown. Trefelik: "Wenn alle Stricke reißen, machen wir einen Charity-Flohmarkt."

Lager bis zur Decke voll

Volle Lager haben auch Möbel- und Elektronikhändler, die Rabattschlachten einläuten. "Wir stehen vor der Herausforderung, dass sich in unseren Läden die Produkte bis zur Decke stapeln", sagt MediaMarkt-Vertriebsleiter Richard Zweimüller. Im Onlineshop könne er schlicht nicht so viel verkaufen, wie für die ursprünglich 53 Märkte eingekauft wurde.

Vergleichsweise gelassen ist Georg Büchner, Geschäftsführer der Buchhandlung Morawa. Er ist nicht auf riesigen Stapeln liegen gebliebener Wälzer sitzen geblieben. "In unserer Branche sind just-in-time-Lieferungen üblich", sagt er. Also Bestellungen für den nächsten Tag. Und zuletzt habe er bereits vorsichtig eingekauft. Der Online-Versand von Büchern hat seine Filiale in der Wiener Wollzeile übrigens nicht geleert. Online-Bestellungen werden nämlich aus einem Lager und nicht aus den Geschäften bedient.

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