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Wirtschaft
08/20/2020

Handelsobmann zu Corona-Krise: "Leute schauen nur, sie kaufen nichts"

Es fehlt an validen Zahlen für die Corona-Zeit, sagt Handelsobmann Rainer Trefelik. Schwierige KV-Runde steht im Herbst bevor.

von Simone Hoepke

Reges Treiben vor dem Pop-up-Lokal des KURIER in der Wiener Mariahilfer Straße. Auf den ersten Blick scheint alles wie immer, doch Rainer Trefelik sieht das ganz anders: „Hier ist kaum jemand mit einem Einkaufssackerl unterwegs. Die Leute schauen nur, sie kaufen nichts“, sagt der neue Handelsobmann in der Wirtschaftskammer Österreich. Er ist selbst Modehändler im 1. Bezirk.

In der Innenstadt ist die Lage besonders dramatisch, da mangels internationaler Touristen auch ein großer Teil der kaufkräftigen Klientel ausbleibt. Dazu kommt, dass auch Einheimische weniger konsumieren. Trefelik, dessen Familienbetrieb auf hochpreisige Abendroben spezialisiert ist weiß: „Wenn es keine Events gibt, kauft niemand Abendkleidung.“

Und fürs Homeoffice legen sich die wenigsten eine neue Garderobe zu. Bei den Textilhändlern ist Sommerware seit dem Lockdown wie Blei in den Regalen gelegen. Vieles wurde letztlich zu Rabatten jenseits der 50-Prozent-Grenze verschleudert.

Hohe Rabatte nach Lockdown

So hohe Rabatte sind kein Zufall, sie hängen auch mit dem Fixkostenzuschuss zusammen, den Modehändler seit dieser Woche für liegen gebliebene Saisonware beantragen können. Vorausgesetzt, die Teile wurden vor Mitte März, also vor dem Lockdown, bestellt und konnten trotz Rabatten von 50 Prozent und mehr nicht verkauft werden. „Im besten Fall bekommt ein Modehändler so 65 Prozent vom Einkaufswert zurück“, erläutert Trefelik.

Herausfordernd wird auch die Lohnrunde im Herbst, bei der es um den Kollektivvertrag für mehr als 500.000 Handelsbeschäftigte geht. Als neuer Handelsobmann wird Trefelik heuer erstmals Chefverhandler der Arbeitgeberseite sein – keine leichte Aufgabe.

Richtschnur gesucht

Schließlich hatten viele Geschäfte im Lockdown gar keine Umsätze, während die großen Lebensmittelhändler zeitweise regelrecht überrannt wurden. Mit Durchschnittswerten zu arbeiten, ist da wenig sinnvoll. Und überhaupt ist es gar nicht einfach, brauchbare Zahlen auf den Tisch zu legen.

„Die Jahresabschlüsse sind im Herbst ja noch nicht da, und die Zahlen aus dem Vorjahr können nicht mehr als Richtschnur herhalten“, sagt Trefelik. „Wir sammeln gerade bei den Unternehmen Daten und Fakten ein. Wenn ein Unternehmen mehr umgesetzt hat, heißt das ja noch lange nicht, dass auch mehr verdient wurde“, argumentiert er mit gestiegenen Logistik- und Personalkosten.

Aus seiner Sicht geht es in diesem Jahr vor allem darum, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Denn während die Mitarbeiter der Supermärkte als Helden der Arbeit gefeiert wurden, waren viele ihre Kollegen in anderen Sparten in Kurzarbeit (aktuell sind es noch immer rund 12 Prozent der Handelsmitarbeiter).

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