Getrennt und doch verbunden. Die virtuelle Weihnachtsfeier soll den Zusammenhalt stärken

© Teamazing

11/27/2020

Grazer Firma startet mit virtuellen Weihnachtsfeiern durch

Start-up Teamazing hat sich auf Teambuilding-Events spezialisiert und die Weihnachtsfeier digital neu erfunden.

von Anita Staudacher

Das Land im Lockdown, die Restaurants geschlossen, die Mitarbeiter im Homeoffice: Die Weihnachtsfeier fällt heuer dem Virus zum Opfer. Nicht überall. Viele Unternehmen suchen nach Alternativen, um das außergewöhnliche Jahr doch noch gemeinsam mit der Belegschaft ausklingen zu lassen. Etwa mit der „lustigsten virtuellen Weihnachtsfeier der Welt“.

Mit diesem Slogan wirbt das Grazer Jungunternehmen Teamazing. Die auf Teambuilding spezialisierte Eventmanagement-Agentur erkannte blitzschnell die „Corona-Nische“ und bietet seit Oktober im deutschsprachigen Raum professionelle Online-Weihnachtsfeiern an. Das sprach sich rasch herum, selbst deutsche TV-Sender berichteten schon über die innovativen Steirer.

„Seit wir begonnen haben, mit den Feiern zu werben, laufen die Telefone heiß. Wir bekommen täglich zehn bis 15 Anfragen aus dem gesamten DACH-Raum herein“, berichtet Teamazing-Gründer und Geschäftsführer Paul Stanzenberger dem KURIER. Insgesamt sei man bei rund 500 Firmenanfragen, 103 virtuelle Weihnachtsfeiern sind schon fix gebucht. Kunden sind vor allem IT- und Pharmafirmen, wie etwa Pfizer oder Roche.

So läuft’s ab

Aber wie läuft die Alternativ-Feier überhaupt ab? Die Weihnachtsfeier findet in einem virtuellem Meetingraum statt. Die Teilnehmer sitzen dabei zu Hause vor dem PC oder Laptop und müssen technisch zumindest so ausgestattet sein, dass sie an Videokonferenzen teilnehmen können. Nach einer Begrüßung und Ansprache wird die Gruppe – je nach Größe – in Vierer- oder Sechser-Teams aufgeteilt und erhält eine Aufgabe. Es kann aus drei verschiedenen Programmen gewählt werden, die eigene Schwerpunkte setzen und unterschiedlich lange dauern. Absolviert werden die Aufgaben dann in sogenannten „Breakout-Rooms“, wo das Team unter sich ist und fleißig Punkte sammeln kann. Das gesamte Programm wird von einem Eventmanager moderiert.

Bestseller ist derzeit die „Stay@Home“-Challenge, ein 90-Minuten-Programm für fünf bis 500 Teilnehmer, bei dem zu Hause drei lustige Aufgaben zu lösen sind und „auch die Katze teilnehmen kann“. Die Preise für die Feier beginnen ab 15,90 Euro pro Teilnehmer. „Die Online-Weihnachtsfeier kostet viel viel weniger als ein Offline-Event“, versichert Stanzenberger. Wer es ruhiger mag, kann einen Wettbewerb im Lebkuchenhaus-Bauen veranstalten, der Bausatz wird vorab nach Hause geschickt. Am anspruchsvollsten ist die an den „Domino Day“ angelehnte Online-Kettenreaktion, die eine individuelle Event-Planung erfordert.

Gemütlicher Ausklang

Jedes Programm kann mit einem gemeinsamen Essen verlängert werden. Die Zustellung ins Homeoffice des von der Firma bezahlten Menüs erfolgt durch Partner Mjam. Danach klingt die Feier im virtuellen „Winter Wonderland“ aus. Hier treffen sich die Kollegen, die über ihre beweglichen Profilbilder aufzuspüren sind, zum Waldspaziergang oder in einer romantischen Berghütte zum Glühwein. Geplaudert wird über die Chat-Funktion per Video, Audio oder nur Text.

Gibt es da nicht eine große Zurückhaltung vor allem bei älteren Kollegen? „Die Weihnachtsfeier eignet sich hervorragend dazu, spielerisch die Scheu vor Videokonferenzen oder Online-Chats abzubauen“, meint Stanzenberger. Und sie diene vor allem dazu, das Wir-Gefühl im Team zu stärken.

Wer Ideen für alternative Weihnachtsfeiern sucht, wird im Web rasch fündig. Neben der virtuellen Weihnachtsfeier von Teamazing buhlen zahlreiche Anbieter buhlen um die Gunst der feierfreudigen Firmen.

Die Palette reicht von diversen Online-Kochkursen, die mit mehreren Teilnehmern gemeinsam absolviert werden können, über digitale Weinproben bei diversen Winzern bis zu „Escape Rooms“, bei denen Teilnehmer innerhalb einer bestimmten Zeit  ein bestimmtes Rätsel lösen müssen. Viele Anbieter von Escape-Spielen, wie etwa exittheroom.at  sind wegen der Corona-Beschränkungen auf  digitale Versionen umgestiegen und bieten diese jetzt Unternehmen  als vorweihnachtliches Teambuilding-Event an.  

"Tasting"-Angebote

Angebote für gesellige  Weinverkostungen sind  unter anderen auf vinogether.at zu finden. Die Plattform kooperiert mit 22 österreichischen Winzern. Live-Degustationen via Zoom-Konferenz bietet auch das Wiener Stadt-Weingut Cobenzl weingutcobenzl.at an. Die Weine werden vorab zugestellt. Gemeinsame  Online-Kochkurse mit Kollegen sind wegen der unterschiedlichen Küchenausstattungen eher schwierig. Doch auch hier gibt es Angebote etwa von Haya Molcho (Neni) bei 7hauben.com   

Für Teamazing selbst bedeuten die Aufträge einen unverhofften Aufschwung. Ursprünglich rechneten die Jungunternehmer wegen Corona mit herben Umsatzeinbrüchen im Event-Bereich. Jetzt könne allein mit den Weihnachtsfeiern der Vorjahresumsatz von 700.000 Euro locker übertroffen werden, frohlockt Stanzenberger.

„Wir haben die Kurzarbeit beenden, zusätzliches Personal engagiert und ehemalige Mitarbeiter wieder reaktiviert“, erzählt er stolz. Insgesamt sind derzeit 35 zum Großteil freiberufliche Mitarbeiter mit der Abwicklung der Feiern beschäftigt. Bei Teamazing in Graz, Wien und München fix angestellt sind zwölf.

Läuft das Teambuilding-Geschäft so gut weiter, ist für 2021 eine Personalaufstockung und eine internationale Expansion geplant. Weitere Investoren – eine deutsche Holding ist bereits an Bord – sowie strategische Partnerschaften sind willkommen.

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