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Wirtschaft
08/13/2020

"Grüner" Luxus-SUV könnte bald in Graz produziert werden

Bei Magna Steyr könnte bald der "Fisker Ocean" vom Band laufen. Die Politik würde den Teppich ausrollen, denn der Autokonzern überlegt auch nach China oder in die USA zu gehen. Was kann die Politik also bieten?

von Bernhard Gaul

Vor wenigen Tagen hat der kanadische Autobauer Magna International einen kleinen Vorvertrag mit einem amerikanischen Start-up unterzeichnet, der in der Steiermark für großen Jubel sorgen könnte – sofern alles klappt.

Ab 2022 soll demnach bei Magna Steyr in Graz der "Fisker Ocean" produziert werden. Das ist ein batterieelektrischer Luxus-SUV mit dem Label eines "grünen" Autos: Es wird "vegan" sein – also ohne Tierleder, das Plastik stammt aus recycelten Kunststoffen aus den Ozeanen, daher auch der Name. PV-Zellen am Dach werden die Batterie zusätzlich laden, die Reichweite soll knapp unter 500 km liegen.

Designt und geplant hat das Auto der dänische, in Kalifornien lebende Autodesigner Henrik Fisker. Er war an der Produktion einer Reihe von erfolgreichen Fahrzeugen beteiligt, etwa dem BMW Z8, dem Aston Martin DB9 und dem V8 Vantage. Seit nunmehr 15 Jahren versucht der Kalifornier aber mit seiner eigenen Firma weg von Verbrennerautos und hin zu Elektroautos zu kommen. Bisher allerdings lief nicht ein einziges Fisker-Serienauto vom Band. Doch seine Prototypen begeistern ungebrochen die Fachwelt – und offenbar auch die Geldgeber. Seine Firma hat einen Marktwert von 2,9 Mrd. Dollar.

Magna bestätigt gegenüber dem KURIER, dass es diesen Vorvertrag, ein "Memorandum of understandig", gibt, der Vertrag bestätige das beiderseitige Interesse, nicht mehr und nicht weniger.

0 Serienfahrzeuge 
hat Fisker Inc. bisher produziert, dafür aber marktreife Prototypen wie den Orbit, EMotion, Alaska und eben den Ocean

3,7 Millionen Fahrzeuge 
von 29 unterschiedlichen Modellen wurden bisher bei Magna Steyr in Graz gefertigt. Aktuell vom Band laufen etwa der batterieelektrische Jaguar I-Pace, die G-Klasse von  Mercedes Benz und die 5er-Reihe von BMW

13.500 Mitarbeiter
sind derzeit in Graz bei Magna Steyr beschäftigt

Globale Konkurrenz

Graz ist auch nicht der einzige Produktionsort, an dem Fisker Inc. Interesse hat. Reuters berichtet, dass Fisker auch mögliche Produktionsstandorte in China und den USA evaluiere.

Die Steirer stecken also mitten in einem globalen Wettbewerb um Investitionen. Wie aber kann die steirische Hauptstadt mit Produktionsstätten in Texas oder Südchina mithalten, wenn dort Steuererleichterungen bis -befreiungen und Cash-Förderungen in Schubladen warten, in Österreich hingegen keinerlei Steuererleichterungen oder gar Spielraum bei Lohnnebenkosten angeboten werden dürfen?

Entgegenkommen

Einer, der frei darüber erzählen kann, ist Herbert Paierl. Der Manager war von 1996 bis 2004 Wirtschaftslandesrat in der Steiermark und damit einer der Väter des erfolgreichen Automobilclusters ACstyria (siehe unten). Auf der Förderebene, erzählt er dem KURIER, sei die Politik durch europäische Regeln limitiert. "Was aber sehr wohl geht, ist erstens einmal die Kundenorientierung. Schon vor zwanzig Jahren haben mir Amerikaner gesagt, dass die Genehmigungen und Administration bei uns einfacher war als in Nordamerika", berichtet Paierl. Das werde auch jetzt gemacht, heißt es aus dem Büro der nun zuständigen Landesrätin Barbara Eibinger-Miedel. "Üblich ist, dass es nur einen Ansprechpartner in der Verwaltung gibt, der sich um alles kümmert, also ein One-Stop-Shop", sagt ihr Sprecher Markus Poleschinski. Der Steirer betont auch, dass man zwar keine steuerlichen Erleichterungen anbieten könne, dafür aber mit fertig ausgebildeten Fachkräften sowie Kooperationen mit großen Forschungseinrichtungen aufwarten könne. Zudem werden nur in der Steiermark von Bund und Land rund 800 Millionen Euro jährlich für F&E zur Verfügung gestellt, also für "Forschung und Entwicklung", die Konzerne nehmen ihrerseits rund 1,7 Milliarden Euro dafür in die Hände.

Profitieren würden von einem Deal mit Fisker letztlich nicht nur die Arbeiter in Graz. Magna Int. hatte im vorigen Quartal einen Verlust von 647 Millionen Dollar zu beklagen, ein Vertragsabschluss käme also mehr als gelegen.

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