Gentechnisch verändertes Soja soll zurückgedrängt werden

Sojaanbau in OÖ…
Foto: /LK OÖ Soja soll künftig öfter aus Österreich kommen

Der Verein Donau-Soja will Anbau in Europa kräftig ausbauen.

Die EU-Staaten haben im Agrarbereich ein Problem mit der Glaubwürdigkeit. Das auf seine Gentechnikfreiheit stolze Europa importiert jährlich etwa 40 Millionen Tonnen Gentechnik-Soja aus Südamerika für die Tierfütterung. Zu den großen Importeuren gehören Deutschland, Frankreich, und Spanien sowie Italien und Großbritannien.

Auch die österreichische Landwirtschaft importiert wegen des hohen Eiweißgehalts der Sojabohne jährlich etwa 600.000 Tonnen des gentechnisch veränderten Futtermittels. Das ist kein Ruhmesblatt, zumal ja gentechnisch veränderte Lebensmittel hierzulande als Teufelswerk gelten.

Weniger Importe

Die Importabhängigkeit wird in den kommenden Jahren zwar nicht verschwinden, aber doch etwas zurückgehen. Der gemeinnützige Verein Donau Soja bemüht sich erfolgreich um eine Ausweitung der Anbauflächen. Im vergangenen Jahr wurden in Mittel- und Osteuropa etwa 84.000 Tonnen gentechnikfreies Donau-Soja angebaut. Heuer wird die Produktion auf rund 130.000 Tonnen steigen. Der Obmann des Vereins Donau-Soja, Matthias Krön, ist überzeugt, dass es gelingen wird, die Produktion in einem Zeitraum drei bis vier Jahren auf eine Million Tonnen zu steigern. Die dafür notwendigen Vorbereitungen seien abgeschlossen. Donau-Soja würde damit zu einem relevanten Anbieter aufsteigen. 2015 wurden in Europa etwa 6,5 Millionen Tonnen Soja angebaut.

Potenzial in Osteuropa

Krön sieht vor allem in den Ländern mit einer kommunistischen Vergangenheit ein beträchtliches Potenzial. Denn in diesen Staaten sind schon allein durch die Anpassung an die höheren westeuropäischen Produktionsstandards im Agrarbereich jährliche Ertragssteigerungen zu erwarten.

Allerdings gibt es die Umstellung nicht zum Nulltarif. Donau-Soja kostet pro Tonne zwischen 20 und 80 Euro mehr als die gentechnisch veränderte Importware aus Südamerika. Deren Eiweißgehalt ist derzeit noch um ein bis zwei Prozent höher. Es wird also etwas teurer. Über den Erfolg der Soja-Initiative entscheiden letztendlich die Konsumenten.

In Österreich werden bereits die Legehennen mit Donau-Soja gefüttert. Das erkennen die Konsumenten am Aufdruck "Danube Soja" auf den Eierkartons. Etwa 95 Prozent aller frischen Eier, die in Österreich im Lebensmittelhandel verkauft werden, kommen aus heimischer Produktion.

Gastronomie

In der heimischen Gastronomie und bei verarbeiteten Produkten schaut es allerdings anders aus. Ein Großteil der Eier wird importiert. Krön drängt daher auf eine umfassende Kennzeichnungspflicht. Die Gäste hätten ein Recht darauf zu erfahren, wo ihr Frühstücksei herkommt.

Die Ausweitung der Sojaproduktion in Mitteleuropa hat außerdem noch einen weiteren positiven Aspekt. Österreichische Saatgutproduzenten sind laut Krön "bei Soja Marktführer in Europa". Zu den führenden heimischen Herstellern gehören die Saatbau Linz, die Probstdorfer Saatzucht und die Raiffeisen Ware Austria(RWA).

Keine Zölle und Importbeschränkungen

Bei den Sojabohnen ist das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der Europäischen Union und den USA bereits Wirklichkeit. Es gibt keinerlei Zölle, Einfuhrbeschränkungen oder sonstige Handelshemmnisse. Darauf haben die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden. Es ist zudem verboten, durch diverse Förderungen den Sojaanbau in Europa zu unterstützen.

Die UNO hat die Bedeutung von Soja erkannt und 2016 zum Jahr der Leguminosen erklärt. Dazu gehören die Sojabohne, andere Bohnen sowie Erbsen und Linsen. Diese Pflanzengruppe ist für die Ernährung wichtig, da sie für den Stickstoffaufbau im Boden sorgt. Bei der Anwendung des umstrittenen Unkrautvernichtungs- mittel Glyphosat hat Donau- Soja neue Regeln erlassen. Das Abspritzen der Felder mit Glypho- sat ist vor der Ernte verboten.

(kurier) Erstellt am
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