Wirtschaft
24.01.2018

"Gebühren bei Österreichs Banken sind niedrig"

Eine Analyse von Capgemini besagt, dass Institute in Nachbarländern viel teurer sind.

Wenn Österreicher an Banken denken, fallen ihnen derzeit meist zwei Schlagworte ein: Keine Zinsen und hohe Gebühren. "Stimmt nicht", lautet das Fazit einer Studie der Beratergesellschaft Capgemini im Auftrag der Bankensparte der Wirtschaftskammer. "Österreichs Banken sind im Vergleich von elf europäischen Staaten am zweit-billigsten."

74,8 Euro hätten die heimischen Bankkunden 2016 im Durchschnitt für ihr Girokonto bezahlt. Nur in den Niederlanden sei die Kontonutzung mit 56,5 Euro im Jahr noch billiger. Viel teurer sei ein Girokonto in Österreichs Nachbarländern: 168,9 Euro in der Slowakei, 145,7 Euro in Italien, 107,3 Euro in Tschechien, 105,5 Euro in Deutschland und 130,6 Euro in der Schweiz (Ungarn war nicht Teil der Erhebung).

Analysiert haben die Experten von Capgemini dafür 67 Prozent aller Konten in Österreich; und zwar die tatsächlichen Nutzungskosten, nicht nur jene der Kontopakete. "Durch geschickte Nutzung des Kontos und vor allem verstärkter Online-Transaktionen können die Kontogebühren tief gehalten werden", sagt Franz Rudorfer, Chef der Bankensparte in der WKO. Dass das Ergebnis der Studie ein Anlass sein könnte, dass die Banken die Spesen anheben, will Rudorfer nicht behaupten. "Das muss jedes Institut für sich entscheiden", betont er.

Scharfer Wettbewerb

Tatsache ist, dass es für Banken zunehmend schwierig wird, höhere Gebühren durchzusetzen. Mit der neuen Konkurrenz an Finanz-Start-Ups, die es seit Mitte Jänner dank einer EU-Richtlinie leichter hat, an Bankkunden zu kommen, bläst den Instituten ein schärferer Wettbewerbs-Wind entgegen.

Laut der Richtlinie dürfen Zahlungsverkehrs-Dienstleister, die keine Bankenkonzessionen haben, Geldtransfers abwickeln und dafür die Kontodaten des Kunden von den Banken verlangen. Rudorfer erwartet, dass dadurch viele neue Anbieter auf den heimischen Bankenmarkt kommen werden. Mit den vergleichsweise niedrigen Kontogebühren sieht er die heimischen Geldinstitute allerdings gut gerüstet für diesen härteren Wettbewerb. Zuversichtlich stimmt ihn auch, dass die Österreicher im Vergleich zu anderen Ländern häufig in die Bank gehen und Bargeld lieben.