Wirtschaft
26.01.2017

Frostige Zeit am Strommarkt

In Österreich laufen Gas- und Kohlekraftwerke auf Hochtouren, um die Versorgung zu sichern.

Vereiste Flüsse, kaum Sonne: Der kälteste Jänner seit 30 Jahren und kaum Sonne bringen Österreichs Stromversorgung an die Belastungsgrenze. "Alle verfügbaren Kohle- und Gaskraftwerke sind im Einsatz", heißt es beim Höchstspannungsleitungsbetreiber APG.

Aber nicht einmal das reicht, um die Versorgung sicher zu stellen. Um die Spitzen-Stromverbräuche an einzelnen Jänner-Tagen zu decken, sind Importe in beachtlichem Ausmaß nötig.

Rund 2700 Megawatt an Leistung stellten die Wärmekraftwerke in Theiss, Korneuburg, Dürnrohr, Simmering, Timelkam und Mellach zur Verfügung. Die Wasserkraftwerke erzeugten wegen Niedrigwasser und Vereisungen und einiger Ausfälle wegen Reparaturen ein Viertel weniger als im Jänner des Vorjahres. Und viele Kleinwasserkraftwerke stehen überhaupt still.

Diese frostige Situation am Strommarkt macht eines deutlich: Werden weitere Wärmekraftwerke vom Netz genommen – der Verbund will ja Mellach einmotten oder verkaufen – wäre die Versorgungssicherheit gefährdet. Kein Wunder, dass sich die APG, die ja für die überregionale Netzsicherheit zuständig ist, mehrfach gegen das Einmotten der thermischen Kraftwerke ausgesprochen hat. Die wahre Bedrohung für die Versorgungssicherheit braut sich auf europäischer Ebene zusammen. Frankreichs Atomkraftwerke sind alt und unsicher. Neun der 63 Gigawatt Atomkraft-Kapazität sind derzeit nicht verfügbar.

Aufrufe zum Sparen

Frankreichs Regierung hat die Bevölkerung zum Strom sparen aufgefordert. Denn die Franzosen heizen ihre Wohnungen mehrheitlich mit elektrischer Energie. Fällt die Temperatur um ein Grad, braucht das Land 2,4 Gigawatt zusätzlich Kraftwerkskapazität. Diese Menge aber hat Frankreich nicht, massive Importe aus Deutschland sind daher notwendig.

Diese Stromflüsse aber bringen die Leitungen fast ins Glühen. Und Deutschland wiederum sucht Hilfe bei Österreichs Wärmekraftwerken, die in solchen Zeiten auch nicht viel zu exportieren haben.