Wirtschaft
12.07.2017

FMA-Aktion scharf gegen riskante Bankpapiere

Aufseher prüfen, ob Privatkunden von den Banken korrekt informiert wurden. FMA-Chefs wollen künftig alle Finanzmarktprospekte absegnen.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) sieht Reformbedarf beim Crowdfunding-Gesetz: Eigentlich sollten damit kleinere Gewerbebetriebe leichter an Kapital kommen. Dass daraus hochriskante Anlageprodukte konstruiert werden – wie von der Kitzbüheler Firma KitzVenture, bei der kürzlich eine Razzia stattfand –, sei nicht der Plan gewesen. Weil es sich dabei um Nachrangdarlehen und keine Anlageprodukte handelt, sind der FMA bei solchen Fällen bisher die Hände gebunden. Sie ist nicht zuständig.

"Die Start-up-Szene ist sehr unglücklich, weil das dem Renommee schadet", sagte FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller am Dienstag vor Journalisten. Die FMA schlägt vor, dass sie künftig alle Anlageprospekte absegnet – bisher reichte in manchen Fällen das Okay eines Wirtschaftsprüfers. Ändern ließe sich das mit der nationalen Umsetzung der EU-Prospektverordnung, die nächstes Jahr ansteht.

Verbot gefährlicher Produkte möglich

Ab 2018 kann die FMA überdies durch die neue EU-Anlegerschutzrichtlinie gefährliche Finanzprodukte verbieten. Das sei aber nur die "ultima ratio". Eine Aktion scharf fährt die Aufsicht aktuell bei Produkten, die als Eigenkapitalersatz der Banken dienen. Davon seien Papiere um 20 Mrd. Euro in Österreich für Privatkunden aufgelegt worden. Die FMA prüft, ob alle Anleger korrekt informiert wurden, dass das Geld bei einer Abwicklung der Bank weg sein kann.

International gibt es darüber hinaus Bestrebungen, sogenannte Differenzkontrakte (CFD, Contracts for Difference) oder binäre Optionen für Kleinanleger zu verbieten.

Das sind hochspekulative Wettgeschäfte, wo der Investor darauf setzt, ob eine Aktie, eine Währung oder ein sonstiges Produkt im Preis steigt oder fällt. Liegt er richtig, streift er relativ hohe Gewinne ein. Liegt er falsch, ist der gesamte Einsatz weg - oder er muss bei gehebelten Produkten sogar noch Geld nachschießen. Eine mörderische Kombination. "In Österreich ist das kein Massenphänomen, aber in anderen Ländern verlieren Hunderttausende mit solchen Wetten Geld", sagte Kumpfmüller.