Wursttheke

© APA/dpa-Zentralbild/Patrick Pleul / Patrick Pleul

Interview
06/28/2020

Fleischwirtschaft: "Mit voller Hose ist leicht stinken"

Sagt man, dass Fleisch teurer werden muss, heulen alle auf und sagen, das Schnitzel muss leistbar bleiben, sagt Anka Lorencz.

von Simone Hoepke

Die Geschäftsführerin des Koordinationsbüros Fleischwirtschaft in der Wirtschaftskammer über Marktmacht und zehn Millionen Schweinsohren.

KURIER: Verfolgen Sie die aktuelle Debatte in Deutschland mit einer gewissen Genugtuung?

Anka Lorencz: Ich bin froh, dass sich endlich etwas tut. Seit zehn Jahren kämpfen wir gemeinsam mit Belgien auf EU-Ebene gegen diese Zustände mitten in Europa. Vor knapp zehn Jahren haben wir zumindest durchgesetzt, dass in Deutschland ein Mindestlohn bezahlt wird.

In Deutschland gilt ein Mindestlohn von 9,35 Euro die Stunde, in Österreich liegt der KV-Lohn für Facharbeitern bei 12,70 Euro ...

... dazu kommt das 13. und 14. Gehalt, das in Deutschland nicht gezahlt wird. Unterm Strich haben deutsche Mitbewerber halb so hohe Personalkosten wie wir. Obendrein haben sie vergünstigte Energietarife. Das ist aus meiner Sicht unlauterer Wettbewerb. Mit voller Hose ist leicht stinken.

Entscheidend ist auch die Betriebsgröße und die Verwertung aller Teile – sagen Experten ...

Natürlich. Neulich hat ein Großhändler aus Schanghai über die Außenwirtschaftsstelle bei uns angefragt, wie viele Schweineohren wir liefern können.

Wie viele hatten Sie im Angebot?

In Österreich werden jährlich fünf Millionen Schweine geschlachtet, also habe ich im Scherz gesagt: „Wir haben 10 Millionen Ohren.“ Der Großhändler hat gesagt, das sei zu wenig und er wird sich woanders umsehen. Zum Größenvergleich: Tönnies schlachtet im Jahr 15 Millionen Schweine an nur einem seiner drei Standorte in Deutschland, also drei Mal mehr als alle Betriebe in Österreich zusammengenommen – Hausschlachtungen schon mitgerechnet.

Ist das Importfleisch eigentlich qualitativ schlechter?

Nein, da gibt es keinen Unterschied. Es gibt ja da und dort die gleichen Rassen, das gleiche Futter.

Und im Prinzip die gleiche Massentierhaltung?

Ich kenne viele große Betriebe in Österreich, die ihren Tieren gern mehr Platz geben würden. Wenn sie Kunden hätten, die dafür bezahlen. Man kann ihnen ja nicht einmal einen Vorwurf machen, speziell jetzt, in Corona-Zeiten, wo die Kaufkraft vieler Haushalte sinkt. Wenn man jetzt sagt, dass Fleisch teurer werden muss, heulen sofort alle auf und sagen, das Schnitzel muss für alle leistbar bleiben.

Es gibt immer weniger kleine Fleischereien. Ist der Trend noch aufzuhalten?

Nein, fünf Handelsketten teilen sich 90 Prozent des Marktes untereinander auf, der Rest bleibt den Handwerksbetrieben. Der größte Teil von ihnen hat weniger als zehn Mitarbeiter und ein Nachfolgeproblem. Wir haben jetzt noch 909 reine Fleischerbetriebe, ein Jahr zuvor waren es gut 30 mehr.

Wie viele lernen noch den Beruf des Fleischhauers?

In Wien fünf über alle drei Jahrgänge hinweg. Dabei kann man auch in diesem Beruf kreativ sein, es gibt mehr als Steaks und Extrawurst. In Nischen kann man sich gut positionieren.

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