© Kurier/Jeff Mangione

Wirtschaft
04/16/2021

Felbermayr: "Höchste Rendite bei Bildungsinvestitionen"

Topökonom und designierter WIFO-Chef zum Comebackplan der Regierung und was jetzt vorrangig zu tun wäre

von Michael Bachner

Die Bundesregierung feilt weiter an ihrem jüngst vorgestellten Comebackplan für Österreich – und berät sich dazu auch mit den führenden Wirtschaftsforschern des Landes. Mit dabei ist Top-Ökonom Gabriel Felbermayr (44). Er ist momentan noch Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft und wird im Oktober Chef des Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO) in Wien.

Der gebürtige Oberösterreicher erläutert für den KURIER seine „Beobachtungen“ zum rot-weiß-roten Comebackplan.

Testen, Impfen etc.Wie die meisten seiner Kollegen sagt auch Felbermayr, dass zunächst die Corona-Pandemie überwunden werden muss. „Damit die Wirtschaft schnell und stark zurückkommt, muss weiterhin vor allem die Eindämmung des Infektionsgeschehens im Vordergrund stehen. Das ist das beste Konjunkturprogramm.“ Bei den Unternehmenshilfen regt er an, stärker auf das Eigenkapital abzustellen, damit die Betriebe nach der Krise investieren können. „Dafür ist es noch nicht zu spät.“

Energiewende Zu der in Aussicht gestellten Öko-Steuerreform erinnert er daran, dass eine -Bepreisung im Verkehrs- und Wohnsektor „überfällig“ sei. Diese müsse aber für Unternehmen und Haushalte belastungsneutral ausgestaltet werden.

Für das Gelingen der Energiewende insgesamt müsse der Staat freilich noch kräftig investieren, um die Voraussetzungen für die E-Mobilität und die klimafreundliche Wärmeversorgung der Haushalte zu schaffen. Also: Schnell Ladesäulen bauen, die Leistungsfähigkeit der Leitungsinfrastruktur verbessern etc.

Felbermayr: „Es geht auch um die Abschaffung von Engstellen im überregionalen Netz, z. B. für grenzüberschreitende Stromlieferungen. Hier muss sofort und energisch begonnen werden.“

Einkommenstärkung Die Masseneinkommen seien in der Krise recht stabil geblieben (Stichwort: Kurzarbeit). Hier brauche es wohl keine zusätzlichen Steuersenkungen oder Familienboni. „Punktuell wären aber Sonderzahlungen an die besonders betroffenen Gruppen sinnvoll, z. B. an Solo-Selbstständige oder Alleinerziehende“, meint der zukünftige WIFO-Chef.

Priorität Bildung Schon das zweite Schul- und Studienjahr findet unter massiv erschwerten Bedingungen statt. Der Wirtschaftswissenschaftler erinnert an die erwartbaren „negativen Einkommenseffekte“ über das ganze künftige Berufsleben der heutigen Schüler und Studenten hinweg. Und meint daher: „Die Corona-Bekämpfungsmaßnahmen schaden vor allem der jungen Generation nachhaltig.“ Felbermayr rät deshalb zu kräftigen Investitionen in die Schulen: „Hier geht es aber nicht nur um die Ausstattung mit Laptops, sondern generell um eine massive, sicht- und spürbare Modernisierung: von Warmwasser in den Schultoiletten, über Klima- und Lüftungsanlagen, bis hin zu Arbeitszimmern für Lehrer. Nichts hat aktuell eine höhere Rendite als Bildungsinvestitionen.“

Arbeit verbilligen Um die viel zu hohe Corona-Arbeitslosigkeit auch wieder abzubauen, regt Felbermayr zu guter Letzt „finanzielle Anreize für schnelle Neueinstellungen“ in allen Wirtschaftsbereichen an. Und kann sich vorstellen, „über eine temporäre Absenkung von Lohnnebenkosten oder Direktsubventionen“ nachzudenken.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.