Warum wieder mehr Fahrräder verkauft werden
Die frühlingshaften Temperaturen sorgen für einen frühen Saisonstart unter Rad-Enthusiasten und gute Laune im Fahrradhandel. „Das Geschäft läuft an“, sagt der Sprecher des Sportartikelhandels in der Wirtschaftskammer, Michael Nendwich. „Die Leute wollen raus in die Sonne und das mit dem Fahrrad.“
Nendwich rechnet damit, dass der Markt heuer erstmals seit Jahren wieder deutlich wachsen werde, aktuelle Trends würden dafür sprechen.
Boom bei Gravelbikes
Einer davon sind Gravelbikes. Die Fahrräder, die wie Rennräder daherkommen, aber bequemer sind und wegen der dickeren Reifen auch auf Schotterwegen und Forststraßen eine gute Figur machen, erleben einen regelrechten Boom – gerade auch bei Frauen. Bereits in den vergangenen beiden Jahren haben sie in einem schrumpfenden Gesamtmarkt zweistellige Zuwachsraten erzielt. Das werde sich auch heuer fortsetzen, sagen Auskenner.
Kleinere Zuwächse gibt es – wegen des bereits hohen Niveaus – auch bei E-Bikes. Die hatten zuletzt einen Marktanteil von 50 bis 60 Prozent. Nach Umsätzen waren es sogar rund 80 Prozent. „Da sind wir in Europa einsamer Spitzenreiter“, sagt Christoph Mannel, Geschäftsführer der Premiummarke Simplon aus Vorarlberg.
Ebenfalls stark nachgefragt werden Räder mit Vollfederung. Die werden nicht mehr nur in Wäldern oder auf Trails genutzt, sondern sind neuerdings auch in der Stadt zu sehen. „Zwecks Komfort“, weiß Nendwich. Wegen der Förderungen legen aber auch Lastenfahrräder und Falträder weiter zu. Letztere kommen in Kombination mit dem Klimaticket zunehmend beim Pendeln zum Einsatz.
Der heimische Fahrradhandel hatte in den vergangenen Jahren nicht viel zu lachen. Nach dem Boom in der Corona-Zeit, der 2022 seinen Höhepunkt erreichte und für übervolle Lager sorgte, war die Branche ins Schlittern geraten. In den darauffolgenden beiden Jahren gab es deutliche Rückgänge. Wurden 2022 in Österreich noch mehr als 500.000 Fahrräder und E-Bikes verkauft, waren es 2024 nur noch 395.000.
Abwärtstrend gestoppt
„2025 war ein Konsolidierungsjahr für die Branche. Die Talsohle aus 2024 ist durchschritten. In diesem Jahr erwarte ich für den Fahrradmarkt ein Wachstum zwischen fünf und sieben Prozent“, sagt Mannel. Und bringt einen Vergleich: „Im Sportartikelhandel werden in Österreich 2,4 Milliarden Euro umgesetzt, rund 1,1 Milliarden stammen davon aus dem Fahrradbereich. Er macht also doppelt so viel wie der gesamte Skibereich mit rund 500 Millionen Euro aus, obwohl wir doch als Skination gelten. Daran sieht man die große Bedeutung von Fahrrädern.“
Klarer Marktführer unter den heimischen Anbietern ist KTM, stark bei Mountain- und Gravelbikes und nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Motorradfirma. Dahinter folgt Simplon – wenn auch mit weitem Abstand. Sehr stark sind hierzulande auch deutsche Marken wie Cube und Canyon vertreten. Weltweit führen die großen Drei: Trek, Specialized und Giant.
Woom-Geschäftsführer Bernd Hake.
Erfolg mit Kinderfahrrädern
Viel Beachtung findet hierzulande auch der vor zwei Jahren von Klosterneuburg nach Wien übersiedelte Kinderfahrradhersteller woom, der sich auch international einen Namen gemacht hat. 2025 stieg der Umsatz um mehr als ein Viertel auf 149 Mio. Euro. 392.000 Fahrräder wurden verkauft, sagt Geschäftsführer Bernd Hake.
Aber auch Kinderfahrräder sind von den Trends nicht abgekoppelt. Neben Mountainbikes sind auch die Gravelbikes bei den Jungen im Kommen. Mit dem Modell „Explore“ dockt woom durchaus erfolgreich an den Allround-Trend an. Heuer soll die zweite Generation der Explore-Modelle mit Elektroantrieb für Kinder ab 10 Jahren auf den Markt kommen.
Anders als bei Erwachsenen sind E-Bikes bei Kindern ein Nischenthema. 2.000 Stück wurden bei woom im vergangenen Jahr davon verkauft. Im Sortiment hat man u. a. auch das E-Mountainbike Up. Eltern stehen E-Bikes bei Kindern zunehmend aufgeschlossen gegenüber, erzählt Hake. Auch weil sich damit die Radfahrstrecken des Nachwuchses an die eigenen, zurückgelegten Distanzen leichter anpassen lassen.
Smartphone-Alternative
„Wir sehen uns an, welche Märkte besonders dynamisch wachsen“, sagt der woom-Chef. Der Wunsch der Eltern, dass sich ihre Kinder auf den Straßen bewegen, sei zuletzt auch deswegen stark gewachsen, weil sie den Nachwuchs vom Smartphone wegbekommen wollen.
Derzeit sind bei Kinderrädern auch Bonanzafahrräder oder Chopper stark angesagt: Retro-Gefährte im Siebziger-Jahre-Stil mit Bananensattel und hochgezogenem Lenker.
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