Simplon: Ein Jahr nach der Insolvenz „wieder fest im Sattel“
Simplon hat als Fahrradmarke, benannt nach dem 1.995 Meter hohen Schweizer Gebirgspass im Kanton Wallis, einen durchaus klingenden Namen in der heimischen Radszene. Doch die Fahrradkrise 2024 – scharfer Wettbewerb, hoher Preisdruck, einbrechende Verkaufszahlen – hat auch die Vorarlberger aus Hard, wo seit 1961 Premium-Räder produziert werden, nicht verschont. Eine Insolvenz im Herbst 2024 mit Schulden in Höhe von rund 40 Millionen Euro war die Folge.
Mit dem Einstieg des Wiener Finanzinvestors SOL Capital Management und einem harten Kostensenkungsprogramm wurde jedoch nicht nur das Sanierungsverfahren bereits im Februar 2025 beendet, sondern ist insgesamt ein Neustart gelungen, wie Geschäftsführer Christoph Mannel dem KURIER schildert. „Am Ende des Tages geht es um die Markenpositionierung und Effizienz. Bei beiden Themen haben wir Maßnahmen gesetzt, die unsere wirtschaftliche Lage deutlich verbessert haben. Mit diesem Booster sitzen wir für die heurige Rad-Saison wieder fest im Sattel.“
Gravelbike von Simplon
Produktionsverlagerung
Eine der Maßnahmen war die teilweise Verlagerung der Produktion nach Timisoara, auf Deutsch Temeswar, in Rumänien. Zusätzlich wurden Stellen abgebaut, um Kosten zu senken und die Auslastung in Hard zu gewährleisten.
Waren es bei der Insolvenz im Herbst 2024 nach Firmenangaben noch rund 140 Beschäftigte, sind es mittlerweile um die 100. Weitere 30 bis 35 Beschäftigte arbeiten im rumänischen Werk für Simplon.
„Wir bauen die Hälfte unserer Räder bei uns in Hard. Das ist vor allem der Bereich der Premium-Räder, alles aus Carbon und vom Kunden konfigurierbar. Die andere Hälfte stammt jetzt von unserem Partner und Auftragsfertiger IKO aus Rumänien“, schildert Mannel.
Über genaue Stückzahlen und wann die Gewinnschwelle wieder erreicht sein wird, dazu hält sich der Simplon-Chef bedeckt. Für die Reputation wichtig ist: „Wir sind der einzige relevante Hersteller, der noch in Österreich produziert“, sagt Mannel.
Schnell bis gemütlich
Die Produktpalette der Vorarlberger beginnt bei klassischen Rennrädern, wo man mit dem Modell „Pride“ aktuell eines der laut Windkanal-Messungen schnellsten Räder weltweit im Programm hat – und reicht über Mountainbikes, Gravelbikes bis zu Stadt- sowie Trekking-Fahrrädern, für alle, die es gemütlicher angehen wollen.
Der Trend zum E-Bike hat auch vor Simplon nicht Halt gemacht. Lediglich bei Rennrädern wird noch auf die Hilfe eines Motors verzichtet. In allen anderen Segmenten gibt es längst beide Varianten, die großteils auch besser angenommen werden als ihre nicht elektrifizierten Pendants.
Den stärksten Trend ortet Mannel derzeit im Bereich der Gravelbikes. Teilweise gäbe es da schon wieder Lieferengpässe, weil die Nachfrage so hoch ist.
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