Viele Ökonomen rechnen damit, dass EZB bald in breit angelegten Kauf von Anleihen einsteigen wird.

© APA/dpa

Europäische Zentralbank
12/04/2014

EZB uneinig über Anleihenkäufe

Leitzins verharrt bei 0,05%: Furcht vor Mini-Inflation. Börsen auf Talfahrt.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Stürzende Fensterfronten, schiefe Fassaden: Der Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt erweckt den Eindruck, als könnte alles jeden Moment zusammenbrechen. Das kann kein Zufall sein, sagen Spötter.

Er sei „sehr beeindruckt“ von der spektakulären Architektur der Wiener Coop Himmelb(l)au, betonte hingegen EZB-Chef Mario Draghi nach der ersten EZB-Ratssitzung im neuen Turm.

Vor den Trümmern der Geldpolitik steht Draghi zwar noch nicht. Dafür brachte der Italiener am Donnerstag die Aktienkurse zum Abstürzen: Der deutsche Börseindex DAX rasselte vom Allzeithoch von 10.084 unter 9850 Punkte. Auch der Wiener Börseindex ATX verlor binnen 20 Minuten ein ganzes Prozent an Wert. Der Grund: Draghi hatte in seiner Pressekonferenz eine Reihe von Hiobsbotschaften gebracht. So grundelt die Inflationsrate noch länger gefährlich nahe der Nulllinie. Dauerhaft und auf breiter Front fallende Preise (Deflation) sind für Notenbanker ein Horrorszenario, weil es daraus kaum ein Entrinnen gibt und die Unternehmen dann noch weniger investieren würden.

Dabei musste die EZB ihren Wirtschaftsausblick ohnehin schon gehörig zurückstutzen: Nach dem Miniplus von 0,8 Prozent heuer wird das Wachstum in der Währungsunion auch 2015 und 2016 mit 1,0 und 1,5 Prozent sehr bescheiden ausfallen.

1000 Milliarden Euro

Der Druck auf die EZB, gegen die Flaute mehr zu tun, steigt. Viele hätten erwartet, dass Draghi (Bild) ankündigt, Staatsanleihen zu kaufen. Das gilt als schärfste Waffe im Kampf gegen Deflation, ist aber heftig umstritten – auch EZB-intern. Damit wäre die Grenze zur Staatenfinanzierung überschritten, sagen Kritiker. Auch an der Wirksamkeit gibt es Zweifel: Kauft die EZB die Papiere nämlich nach einem fairen Schlüssel auf, würde jenes Land am meisten profitieren, das es am wenigsten braucht: Deutschland.

Draghi betonte, es gebe genügend Belege dafür, dass die Inflation durch eine vergrößerte Zentralbankbilanz angefacht wird. Die EZB plant, diese auf das Niveau von Anfang 2012 aufzublähen, wozu sie noch 1000 Milliarden Euro ins Finanzsystem pumpen muss. Das wird wohl nur mit Staatsanleihen funktionieren. Anfang 2015 bewerten die Notenbanker neu, ob weitere Maßnahmen nötig sind. Dieses Abwarten habe viele Investoren enttäuscht, sagten Analysten.

Bilder: Der neue EZB-Turm in Frankfurt

EZB-Neubau in Frankfurt

EZB-Neubau in Frankfurt

Journalists stand in the council meeting room in t…

GERMANY NEW HEADQUARTERS OF ECB

GERMANY BANK ECB

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Letzte Baustellen-Führung vor EZB-Umzug

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