Wirtschaft
27.07.2017

Euro überraschend stark: Was sind die Folgen?

Seit Monaten legt die Währung gegenüber dem Dollar zu: Warum? Und was heißt das für Firmen und Urlauber?

Die Wirtschaft im Euroraum brummt, das stärkt den Euro. Der Kurs der Gemeinschaftswährung steigt seit geraumer Zeit und erreichte zuletzt mit zeitweise 1,1777 Dollar den höchsten Stand gegenüber dem US-Dollar seit zweieinhalb Jahren.

Die Stärke der Gemeinschaftswährung hat allerdings auch Schattenseiten. Welche? Der KURIER liefert Fragen und Antworten.

Zunächst einmal: Ist der Euro wirklich so stark, wie jetzt behauptet wird?

Das ist immer eine Frage des Vergleichszeitraums. Seit der Einführung als Buchgeld 1999 bewegte sich der Kurs der Gemeinschaftswährung in einer Bandbreite zwischen 0,83 Dollar (November 2000) und 1,59 Dollar (Juli 2008). Der aktuelle Stand von 1,17 Dollar liegt also recht exakt in der Mitte und nahe dem, was Experten für eine faire Bewertung halten. Bemerkenswert ist allerdings die kurzfristige Entwicklung, die den Euro zum Dollar auf ein Zwei-Jahres-Hoch klettern ließ. Seit Weihnachten 2016 ging es - von 1,04 Dollar - fast nur noch bergauf.

Und das, obwohl die divergierende Geldpolitik in den USA und der Eurozone eigentlich anderes erwarten ließe. Steigende Zinsen in den USA sollten die Währung stärken, die lockere Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) den Euro tendenziell schwächen. Im Moment haben aber andere Effekte die Oberhand.

Warum hat der Euro so zugelegt?

Die politische Unsicherheit im Euroraum ist seit der Wahl des Pro-Europäers Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten deutlich gesunken. „Die Befürchtungen, dass der Brexit in anderen EU-Staaten Nachahmer finden könnte, haben sich nicht bestätigt. Ebenso wenig hat sich der Siegeszug populistischer Parteien fortgesetzt“, erläutert LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert.

Zudem zieht die Konjunktur im Euroraum an, die Arbeitslosigkeit sinkt, Verbraucher und Unternehmen sind in guter Stimmung. „Der starke Euro ist hauptsächlich das Resultat einer schnelleren wirtschaftlichen Erholung“, argumentiert Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Der Internationale Währungsfonds (IWF) traut den 19 Ländern des gemeinsamen Währungsraumes in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent zu und damit etwas mehr als zuletzt erwartet. Steigt das Vertrauen in den Euroraum, kehren Investoren zurück.

Was belastet den Dollar?

Die US-Währung - wegen der Farbe der Banknoten auch „Greenback“ genannt - schwächelt nicht nur im Vergleich zum Euro, sondern auch gegenüber anderen wichtigen Währungen, etwa dem japanischen Yen oder dem Schweizer Franken. „In den USA ist die Euphorie in einen Trump-Blues umgeschlagen“, urteilt die Landesbank Helaba. Bei Investoren macht sich Ernüchterung breit über US-Präsident Donald Trump, der mit der Ankündigung von Steuerreformen und milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur angetreten war.

Die „schwindende Hoffnung auf eine signifikante Steuerreform in den USA, Sorgen über den erratischen Politikstil der neuen US-Regierung und zu guter Letzt wachsende Zweifel an der Fed haben dem Greenback ordentlich zugesetzt“, erläutert die DZ Bank. Die Entwicklung von Staatsausgaben und Steuereinnahmen in den Vereinigten Staaten sei derzeit „unsicher“, analysiert der IWF.

Welche Rolle spielen die Notenbanken?

Steigen die Zinsen in einem Land, wird es für Investoren tendenziell attraktiver, dort Geld anzulegen. Das stärkt die Währung des Landes. Während die US-Notenbank Fed die geldpolitischen Zügel zuletzt Stück für Stück anzog, lässt sich die Europäische Zentralbank vorerst noch Zeit mit einem Einstieg in den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik. Erst im Herbst wollen Europas Währungshüter über mögliche Änderungen diskutieren. Die Fed sehen Ökonomen allerdings derzeit auch nicht in Eile mit weiteren Schritten.

Welche Folgen hat der stärkere Euro für die Wirtschaft?

Steigt der Euro gegenüber Dollar und Co., werden Produkte der Euro-Länder außerhalb des gemeinsamen Währungsraumes teurer. Das kann die Nachfrage dämpfen. Für die exportorientierte Wirtschaft dürfte der Gegenwind vom Devisenmarkt eher zunehmen.

Von seinem Höchststand von mehr als 1,60 Dollar im Sommer 2008 ist der Euro aktuell allerdings noch deutlich entfernt. Und das Münchener Ifo-Institut gibt (zumindest auf kurze Sicht) ebenfalls Entwarnung: "Die deutschen Exporteure sind in Hochstimmung geraten, die Aufwertung des Euros hat offenbar keine negativen Auswirkungen", analysierten die Wirtschaftsforscher am Donnerstag.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Rohstoffe wie beispielsweise Öl, die in der US-Währung gehandelt werden, werden im Einkauf tendenziell billiger. Das kann die Budgets der Verbraucher beim Tanken und Heizen entlasten.

Ein weiterer Vorteil aus Verbrauchersicht: Urlaub in manchen Ländern außerhalb des Euroraumes - insbesondere in den USA - wird tendenziell günstiger.

Wie bedeutend ist der Euro als Währung eigentlich?

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt - allerdings mit weitem Abstand hinter dem Dollar. Bei Finanzprofis büßte die Gemeinschaftswährung im vergangenen Jahr und Anfang 2017 etwas an Attraktivität ein. Die Wahlen in einigen Euroländern und das Brexit-Votum hatten für Unsicherheit gesorgt.

„Das schwierige Umfeld hat die internationale Nutzung des Euro beeinflusst“, erklärte die EZB jüngst. So spielte die Gemeinschaftswährung unter anderem bei der internationalen Verschuldung eine geringere Rolle als zuvor. Der Anteil des Euro an den Devisenreserven, die von Notenbanken gehalten werden, legte dagegen leicht zu.