Wirtschaft
21.09.2014

Erbfolge-Krieg im Hause Esterházy

Der Großneffe des Fürsten sorgt sich um die wirtschaftliche Lage des Imperiums und will Einsicht. Gegenspieler Ottrubay blockt ab. Hat er was zu verbergen?

Der junge Prinz ist empört. "Unsere Familie wird seit Jahren diskreditiert. Es geht hier nicht ums Erben, aus den Stiftungen kann ja gar nicht geerbt werden. Sondern schlicht und ergreifend um die Rechte auf Kontrolle, die uns seit Jahren unterschlagen werden."

Paul-Anton Esterházy, 28 Jahre alt, Oxford-Abschluss, Investment-Manager einer Beteiligungsgesellschaft in Deutschland, kennt sich mit Bilanzen und Finanzen berufsbedingt aus. Er ist der Großneffe des 1989 verstorbenen FürstenPaul Maria Aloys Esterházy de Galantha, ehemals einer der reichsten Männer Europas.

Auf der anderen Seite Stephan Ottrubay, 60-jähriger Neffe der Bürgerlichen Melinda Esterházy. Die kinderlose Witwe des Fürsten starb Ende August im 95. Lebensjahr. Sie brachte das gewaltige Erbe 1996 in vier Stiftungen ein. Aus den Stiftungserträgen sollten die Baudenkmäler wie das Schloss Esterházy in Eisenstadt und die Burg Forchtenstein sowie die Kunstsammlungen erhalten werden. Neben den Kulturschätzen ist in den Stiftungen eines der größten Privatvermögen Österreichs gebunkert. Riesiger Landbesitz, Immobilien, ein Weingut, zahlreiche Unternehmen und Beteiligungen. Zuletzt taxiert auf 800 Millionen Euro. Ohne die Kulturgüter, deren Wert ohnehin nicht abschätzbar ist.

Der erbitterte Streit zwischen Ottrubay und der hochadeligen Familie tobt seit Jahren. Ursprünglich waren die Esterházys in der zentralen "Fürst Esterházy’sche Privatstiftung Schloß Eisenstadt" als Begünstigte angeführt. Sie hatten neben regelmäßigen Zuwendungen, etwa für das Studium von Paul-Anton, das Recht auf Einsicht. Ein Familienbeirat sollte die Stiftungsvorstände kontrollieren.

Das änderte sich abrupt mit dem Auftreten von Ottrubay. In den Stiftungen wurde nachträglich immer wieder abgeändert, die Esterházys sind inzwischen draußen. Sie haben keine Kontrollrechte mehr und Ottrubay hat als Generaldirektor die Macht über das gesamte Imperium übernommen. "Eine Perversion des Stiftungsgedankens", moniert Paul-Anton Esterházy und matcht sich derzeit mit Ottrubay vor dem Landesgericht Eisenstadt. Ottrubay spart dabei nicht mit persönlichen Attacken gegen die Familie. In einem News-Interview ätzte er zuletzt über "Pfründe" und Unterhaltszahlungen an Personen, die "keine Leistungen erbringen". Die Familie habe großzügige Geldgeschenke erhalten.

In der Öffentlichkeit präsentiert sich der im Burgenland wegen seiner Streitbarkeit oft gefürchtete Generaldirektor gerne als erfolgreicher Manager. Esterházy sieht das anders. Er mache sich "erhebliche Sorgen um die wirtschaftliche Situation, in den vergangenen Jahren gab es in einzelnen Gesellschaften hohe Millionenverluste". Für Außenstehende ist ein Überblick über die intransparenten Konstruktionen schwer möglich. An den Stiftungen hängen mehr als 40 Gesellschaften. Soweit im Firmenbuch nachvollziehbar, dürften zwischen 2009 und 2012 mehr als 43,57 Millionen Euro aus den Stiftungen in die Unternehmen geflossen sein. Schätzt Esterházy. Und errechnet den kumulierten Verlust der Gesellschaften in diesem Zeitraum auf mehr als 11,18 Millionen.

Stimmt nicht, kontert Vorstand Michael Gröschl. Die 43 Millionen seien Investitionen in die Substanz, der Verlust "nicht nachvollziehbar". Die Esterházy Betriebe GmbH (EBG), eine Management- und Holdinggesellschaft der verschachtelten Firmengruppe, fuhr 2013 jedenfalls knapp vier Millionen Euro Verlust ein. Erst durch die Auflösung von Kapitalrücklagen über 8,85 Millionen (aus den Stiftungen) wurde ein Gewinn ausgewiesen. Auffallend: Die Finanzanlagen halbierten sich auf 48 Millionen. Die Erträge an beteiligten Unternehmen waren mit knapp 90 Millionen Euro niedriger als die Aufwendungen mit 94,7 Millionen. Wurden 2012 Immobilien aufgewertet – eine beliebte Methode zur Darstellung von Gewinnen – und 2013 wieder abgewertet?

Gröschl beteuert, dass die Esterházy Unternehmensgruppe 2013 ein Rekordjahr hatte. Der Umsatz stieg mit 285 Mitarbeitern um 10 Prozent auf 46,8 Millionen. Land- und Forstwirtschaft lieferten 6,6 Millionen und die Immobilien 3,4 Millionen Betriebsgewinn. Ein konsolidiertes Ergebnis für die Gruppe veröffentliche man aber nicht. Das Stiftungsvermögen habe sich seit 2002 um mehr als 150 Millionen Euro vermehrt, zehn Millionen seien in den vergangenen acht Jahren in die Erhaltung des Schlosses in Eisenstadt investiert worden. Der ausgebootete Prinz dazu: "Wenn Ottrubay so erfolgreich wirtschaftet, kann er doch erst recht Einsicht gewähren." Konter: "Da könnt’ ja jeder kommen ..."

Der junge Esterházy will nicht glauben, dass ihn seine Großtante Melinda ausschließen wollte. Durchaus verständlich. So schrieb die alte Dame 2004 in einem Brief an seine Mutter: "Es wäre schön, wenn Paul später einmal in eine nähere Beziehung mit den Esterhazyschen Stiftungen treten würde...Herzlich umarmt Dich Deine Tante Melinda."

Auch bemerkenswert: Der Kunsthistoriker Stefan Körner, bis 2012 Kustos der Sammlungen Esterházy, widmete kürzlich einen Preis des Landes Burgenland der Familie Esterházy. Insbesondere "dem Anliegen von Paul-Anton Esterházy, Transparenz und Ordnung in die Stiftungen zu bringen". Der familiäre Generationenvertrag von 1696, wonach der Familienbesitz ungeteilt weitergegeben werden sollte und auf den die Präambel der Stiftungen direkt Bezug nahm, "scheint heute gestrichen zu sein, die Familie ist nach Jahrhunderten von Kontrollrechten abgeschnitten".