Neue Recyclinganlage: Für alte Batterien endet der Weg in Gi-Gu
Unterschiedliche Gerätebatterien in einem Sammelbehälter.
3.750 Tonnen Gerätebatterien werden pro Jahr in Österreich gesammelt. Ein großer Teil davon wird allerdings nicht im Inland recycelt, sondern nach Deutschland gebracht. Dort hat das Grazer Unternehmen Saubermacher gemeinsam mit einem Partnerunternehmen eine der modernsten Batterierecyclinganlagen Europas eröffnet. Darin werden künftig 100 Tonnen Batterien pro Tag zerlegt, um möglichst viele Rohstoffe rückgewinnen und wiederverwerten zu können.
Altbatterien aus mehreren Ländern angeliefert
Errichtet wurde die Anlage in Ginsheim-Gustavsburg, einer kleinen Stadt zwischen Mainz und Frankfurt, die gerne mit „Gi-Gu“ abgekürzt wird. Auf dem Areal wurden früher Fahrzeugteile gepresst. Quasi ums Eck befindet sich die Opel-Heimat Rüsselsheim. Nun steht auf dem Grund eine riesige Halle, in der in Zukunft gebrauchte Batterien aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Slowenien und Kroatien angeliefert werden. U. a. kommen sie in Sammelboxen an, wie man sie aus Supermärkten kennt.
Dass die Batterien aus mehreren Ländern kommen, ist notwendig, um die Anlage auszulasten, erklärt Marco Hastenteufel, Geschäftsführer der Saubermacher Recycling GmbH, bei der Eröffnung. Der Standort in Deutschland ergebe sich daraus, dass dort die größten Sammelmengen zustande kommen, rund 30.000 Tonnen im Jahr.
Saubermacher-Gründer Hans Roth mit Hessens Ministerpräsident Boris Rhein bei der Eröffnung der Batterierecyclinganlage.
Mit Röntgen durchleuchtet, mit KI zugeordnet
Bei 75 Prozent der angelieferten Batterien handelt es sich um Alkali-Mangan-Batterien, die typischen AA- oder AAA-Batterien. Sie können in der Anlage genauso verwertet werden wie Nickel-Metallhydrid-Akkus, günstige wiederaufladbare Batterien. Lithium-Ionen-Akkus, die rund 4 Prozent des Stoffstroms ausmachen, werden aussortiert und extern verwertet.
Um herauszufinden, um welche Batterie es sich handelt, kommt ein von Saubermacher selbst entwickeltes System zum Einsatz, das Zellen am Förderband mit Röntgen durchleuchtet und mit Künstlicher Intelligenz kategorisiert. Das funktioniert rasch und mit einer Sortiergenauigkeit von über 99 Prozent. Die Batterien werden im Anschluss zerkleinert und wertvolle Materialien wie Nickel, Eisen, Messing und Kunststoffe werden herausgefiltert. Rückgewonnenes Nickel geht etwa an die Stahlindustrie.
Brände gibt es jede Woche
Weil beschädigte Batterien manchmal in Flammen aufgehen, wurde auf den Brandschutz besonderer Wert gelegt. An der Hallendecke schwenken Infrarotkameras umher, um sämtliche Batteriebehälter zu überwachen. Stellen sie eine erhöhte Temperatur fest, lösen sie Alarm aus. Löschkanonen an der Decke können auch automatisch aktiviert werden. „Es war nie die Frage, ob es brennt, sondern wie viel“, sagt Hastenteufel. „Wir haben jede Woche Brandereignisse.“
Die Batterierecyclinganlage von Saubermacher in Ginsheim-Gustavsburg.
Prestigeprojekt für Hessen
„Die Anlage ist einzigartig in Europa“, zeigt sich Saubermacher-Gründer Hans Roth begeistert. Als Joint-Venture gemeinsam mit der deutschen Meinhardt-Gruppe wurde sie in relativ kurzer Zeit errichtet. Eineinhalb Jahre Planungsphase und ein Jahr Errichtung gingen der Eröffnung voraus. Auch für das deutsche Bundesland Hessen ist es ein Prestigeprojekt. „Die Anlage ist ein sichtbares Zeichen, wie wir große Fragen unserer Zeit beantworten: Rohstoffversorgung, Beschäftigung, Klimaschutz und die Zukunft unserer Industrie“, sagt der hessische Ministerpräsident Boris Rhein.
Mitarbeiter von anderem Standort mitgenommen
„Mit dieser Anlage haben wir unsere Kapazitäten beim Batterierecycling ungefähr verdoppelt“, sagt Saubermacher-CEO Andreas Opelt. In Offenbach nahe Frankfurt hat das österreichische Unternehmen bereits zuvor einen Batterierecyclingstandort betrieben. Dieser wird nun nur noch als Lager genutzt. Bestehende Mitarbeiter, die etwa beim händischen Aussortieren von Lithium-Ionen-Akkus helfen, wurden an den neuen Standort mitgenommen.
Kommentare