ENERGIE BURGENLAND "PHOTOVOLTAIK-OFFENSIVE - RUNDGANG BEI DER ANLAGE AN DER A3": SHARMA

© APA/ROBERT JAEGER / ROBERT JAEGER

wirtschaft von innen
11/17/2021

Energie Burgenland: Schatten auf der Sonnen-Offensive

Zwei Milliarden Investitionen geplant – Management und Betriebsräte besorgt. Startschwierigkeiten mit Sonnen-Abos

von Andrea Hodoschek

Ehrgeizig kann man Stephan Sharma, seit Jahresbeginn neuer Chef der Energie Burgenland, nicht absprechen. Im Unternehmen fragen sich Manager und Belegschaftsvertreter mittlerweile allerdings, ob der ehemalige Verbund-Manager womöglich zu ambitionierte Ziele hat.

Sharma will aus dem mittelständischen, biederen Landesversorger einen Green-Tech-Konzern formen. Zwei Milliarden Euro sollen bis 2025 investiert werden, 76 Prozent davon in den Ausbau Erneuerbarer Energie und in das Netz. Ursprünglich wurden sogar wie berichtet 3,2 Milliarden Euro diskutiert. Aber zwei Milliarden sind immer noch ein gewaltiger Brocken für ein Unternehmen mit zuletzt knapp 336,7 Millionen Euro Umsatz und 21,5 Millionen Bilanzgewinn. Bei Windkraft sind die Burgenländer schon die Nummer eins, jetzt will Sharma auch bei Sonnenenergie Marktführer in Österreich werden.

PK ENERGIE BURGENLAND "VORSTELLUNG DER NEUEN STRATEGIE": SHARMA

„Das Investitionsprogramm ist aus den energiepolitischen Zielen der Bundesregierung über hundert Prozent Erneuerbare Energie abgeleitet“, sagt Sprecher Jürgen Schwarz. Für den EU-Recovery Fund wurden sieben Projektcluster eingereicht, die kolportierte Investitionssumme von 800 Millionen Euro will Schwarz nicht bestätigen.

Banken und Versicherungen, die im grünen Business mit guten Renditen kalkulieren, stellen sich angeblich in Eisenstadt an. Im Unternehmen jedoch ist die Skepsis groß, ob man ein solches Ausbauprogramm stemmen kann, „oder ob wir wieder gegen die Wand fahren wie schon in der Vergangenheit“, meint ein Manager gegenüber dem KURIER. Auch die roten Belegschaftsvertreter sollen Sharma, der ebenfalls als SPÖ-nahe gilt, bereits ihre Sorgen vorgetragen haben.

Der 100 Millionen teure Einstieg in ein Photovoltaik-Projekt in Italien, für das man angeboten hatte, wurde jedenfalls wieder abgesagt.

Mit einer großen Marketing-Aktion, den Sonnen-Abos, versucht die Energie Burgenland, Kunden für Flächen-Photovoltaik-Anlagen zu gewinnen. Bis jetzt erwies sich die Aktion jedoch als veritabler Flop. Schwarz nennt dafür zwei Gründe. Das Erneuerbaren- Ausbau-Gesetz (für die Förderungen) sei noch nicht von der EU notifiziert worden, und der Bau der Anlagen werde in ÖVP-Gemeinden verzögert.

Auf Landesebene fordert die ÖVP, dass die Energie Burgenland, statt Gewinne einzufahren, an die leidgeplagten Kunden Energiegutscheine verteilen und eine Energiepreisgarantie auf 24 Monate geben solle. Eine Preisgarantie ist eine interessante  Forderung angesichts der international völlig überhitzten Preissituation auf dem Energiemarkt.

Beratungskosten

Vorstellig wurde in der Energie Burgenland übrigens der nach einem teuren Auslandsdesaster gefeuerte Ex-Vorstand Hans Lukits, heute Berater und bei einem Photovoltaik-Projekt dabei. Lukits, der gegen die Energie Burgenland prozessierte, habe „zum Kennenlernen“ Kontakt aufgenommen, eine Zusammenarbeit sei nicht geplant, heißt es dazu.

Berichte aus dem Unternehmen, dass die Beratungskosten das Budget von rund einer Million Euro bereits weit überstiegen hätten und bereits bei rund 2,5 Millionen Euro liegen würden, werden dementiert. Im Unterschied zur Vergangenheit sei bei den Beratungskosten deutlich eingespart worden und gezielt Kompetenz durch zusätzliche Personalaufnahmen aufgebaut worden.

Obwohl sich intern zwei Mitarbeiter und der Finanzvorstand mit Finanzierungen beschäftigen, wurde allerdings zusätzlich ein internationaler Finanzexperte engagiert.

Kritisch kommentiert wird in der Belegschaft auch der rund 200.000 Euro teure Umbau der zwei Vorstandsbüros und die komplette Neugestaltung des Sitzungssaales. Dieser sei Corona-bedingt mit moderner Kommunikationstechnik adaptiert worden, im Büro von Sharma sei ein Kasten entfernt und eine Videokonferenzanlage installiert worden, kontert Unternehmenssprecher Schwarz.

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.