Stephan Sharma, neuer, ehrgeiziger Chef der Energie Burgenland

© APA/ROBERT JAEGER

wirtschaft von innen
03/02/2021

Energie Burgenland: Hang zum Großen

Kleiner Landesversorger will mehrere Milliarden Euro investieren und wagt sich wieder ins Ausland.

von Andrea Hodoschek

Der neue Chef der Energie Burgenland, Stephan Sharma, ist ein sehr ehrgeiziger Manager. Im Burgenland hat der vorherige Verbund-Manager einen kongenialen Verbündeten gefunden. SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil befand, dass Sharmas Vorgänger an der Spitze des Landesversorgers zu wenig ambitioniert waren.

Die Energie Burgenland soll in Österreich zum führenden grünen Technologieunternehmen werden. Um zur grünen Nummer eins aufzusteigen, muss allerdings noch viel investiert werden. Bei einer Führungskräfte-Klausur am vergangenen Mittwoch im Kulturzentrum Eisenstadt wurden die Größenordnungen klar. Die 20 bis 30 anwesenden Manager staunten nicht schlecht über die Zahlen, die ihnen präsentiert wurden.

Von rund 3,2 Milliarden Euro war die Rede, zu investieren bis zum Jahr 2025 in Windkraft und Sonnenenergie. Ein Drittel davon im Ausland. Geplant ist der Ausbau von 1500 MW im Burgenland und über den Grenzen.

Angesichts der eher bescheidenen Größe und Finanzkraft der Energie Burgenland ein gelinde gesagt sehr ambitionierter Expansionskurs. Die "alten" Vorstände hatten noch im September 2020 erklärt, die geplante grüne Investitionssumme von 419 Millionen Euro (bis 2025) gehe an die Grenze der Investitionsfähigkeit des Unternehmens.

Zum Vergleich: In den vergangenen 20 Jahren errichtete das 900 Mitarbeiter große Unternehmen insgesamt 520 MW Windkraft. Der Umsatz liegt bei 337 Mio. Euro, der letzte bereinigte Jahresüberschuss bei 23,5 Millionen.

Damit diese Mega-Investitionen überhaupt irgendwie dargestellt werden können, sollen sie auf 40 Jahre gerechnet werden, wurde den verdutzten Führungskräften erklärt. Bis dahin sind die heutigen Vorstände längst pensioniert. Wie die Finanzierungen aufgestellt werden sollen, ob über Leasing, Kredite, Anleihen etc., ist noch offen. Ebenso, ob es Garantien des Landes gibt. 51 Prozent am Energieversorger hält das Land, über die börsenotierte Burgenland Holding ist die EVN der zweitgrößte Aktionär.

Bei dieser Eigentümerstruktur wird eine Finanzierung zwar kein Problem sein, aber sollte es irgendwann Probleme mit den Rückzahlungen geben, dürfen die Steuerzahler einspringen.

Ein Unternehmenssprecher erklärte dazu, diese Investitionssummen seien "für uns nicht nachvollziehbar und können in keiner Form bestätigt werden". Dementiert wird aber auch nicht. Die Finanzierung hänge „ganz wesentlich von externen Faktoren ab“. Gemeint sind das Erneuerbare Ausbaugesetz und die EU-Förderprogramme.

Vom Aufsichtsrat sind die Milliarden-Investitionen noch nicht abgesegnet. Das Gremium genehmigte am 14. Jänner erst die Eckpunkte der Strategie. Die Ziele, Nummer 1 in Windkraft zu bleiben und führend in der Fotovoltaik zu werden, würden auch einen Netzausbau inkludieren, argumentiert man im Unternehmen. Derzeit würde daran gearbeitet, die Strategie zu konkretisieren.

Bei internationalen Engagements wolle man sehr vorsichtig sein. Man gehe nicht in die Produktion, sondern schließe allenfalls strategische Partnerschaften.

"Weg in den Abgrund"

Mit waghalsigen Auslandsinvestments versenkte die Vorgängergesellschaft der Energie Burgenland zig Millionen Euro, Stichwort Bewag-Skandal. Die Vorstände wurden fristlos entlassen, die Justiz ermittelte wegen Schmiergeldzahlungen. Land und Unternehmen schworen damals, von Auslandsabenteuern zu Finger zu lassen.

Im Aufsichtsrat sind die Meinungen über die Expansionspläne geteilt. "Wenn ich höre, wir müssen groß denken, läuten schon die Alarmglocken. Das war noch jedes Mal der Weg in den Abgrund", ätzt ein Aufsichtsrat.

CEO Sharma selbst bleibt gegenüber dem KURIER allgemein: "Der Strategieveränderungsprozess, wie zwischen Aufsichtsrat und Vorstand akkordiert, läuft. Wir wollen ein führendes Green-Tech-Unternehmen werden.

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