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Wirtschaft
10/15/2020

Elektroaltgeräte: Wie der Akku im Müll brandgefährlich wird

Rund 15 Kilo Elektromüll sammeln Österreicher durchschnittlich pro Kopf und Jahr. Dennoch landet viel im Restmüll.

von Simone Hoepke

Blinkende Kinderschuhe, Akkuschrauber und Elektrozahnbürsten haben eines gemeinsam: Akkus, die nicht in den Hausmüll gehören. Nicht nur, weil das einer Verschwendung von Rohstoffen gleichkommt. Auch weil Akkus im Restmüll brandgefährlich werden können.

Jede Woche führen sie zu Bränden in Müllwägen und Sortieranlagen, klagen Branchensprecher über Unfälle und Schäden in Millionenhöhe. Obwohl die Österreicher im europäischen Vergleich in der Disziplin Mülltrennen vorbildlich unterwegs sind, fehle vielen bei der Entsorgung von Elektroaltgeräten und Batterien noch das Problembewusstsein.

Ost-West-Gefälle

„Die Österreicher sammeln pro Kopf und Jahr durchschnittlich 15 Kilo Elektroaltgeräte und 0,3 Kilo Batterien“, rechnet Elisabeth Giehser von der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK) vor. Klingt viel, doch nach wie vor wird jeder zweite Akku unsachgemäß entsorgt. Hier gibt es ein starkes Ost-West-Gefälle. Die Pro-Kopf-Sammelmengen der Elektroaltgeräte schwanken zwischen 17,27 kg (Vorarlberg) und 7,64 kg (Wien), die der Gerätealtbatterien zwischen 0,57 und 0,011 kg.

Mit der Ausrede, dass es in der Nähe keine Abgabestelle gibt, kommt man übrigens schwer durch. Österreich ist mit Altstoffsammelzentren, Recyclinghöfen und Mistplätzen so gut aufgestellt wie kaum ein anderes Land in Europa, predigt Christian Holzer, Sektionschef Abfallwirtschaft im Ministerium für Umweltschutz. Landesweit gibt es 2.000 kommunale Rückgabestellen, dazu kommen jene Händler, die Elektrogeräte verkaufen und somit auch zurücknehmen müssen.

Auch deswegen appelliert Anton Kasser von der ARGE Österreichischer Abfallwirtschaftsverbände, Elektroaltgeräte und Gerätebatterien nicht an illegale Sammler abzugeben. „Diese bringen die Geräte nämlich meist ins benachbarte Ausland, wo eine ordnungsgemäße Entsorgung keineswegs gesichert ist.“

Corona am Mistplatz

Im Vorjahr wurden in Österreich 133.000 Tonnen Elektroaltgeräte (+13 Prozent) gesammelt. Dass heuer eine weitere Steigerung drin ist, bezweifeln Experten. Da im Frühjahr coronabedingt viele Sammelstellen wochenlang geschlossen hatten, stehen die Zeichen bestenfalls auf Stagnation. Anders die Situation bei Batterien, von denen im Vorjahr 2.400 Tonnen (+5 Prozent) gesammelt wurden. Hier hat Corona zu mehr IT-Einsatz im Homeoffice geführt und auch dazu, dass auch im ersten Halbjahr mehr Batterien bei den Sammelboxen im Lebensmittelhandel abgegeben wurden.

Das Erreichen der EU-Sammelquoten wird dennoch immer schwieriger, schon jetzt liegt Österreich bei Altgeräten leicht unter den Zielwerten, klagen Branchensprecher. Die Lebensdauer vieler Elektroaltgeräte, zu denen etwa auch Photovoltaik-Module gehören, sei deutlich länger als die derzeit für die Quotenberechnung herangezogenen drei Jahre. Selbst Lithium-Ionen-Akkus halten mittlerweile fünf bis sieben Jahre. Hier hofft die Branche auf Änderungen der Berechnungsmethode in Brüssel, zumal wohl auch die anderen Länder die Vorgaben schwer erfüllen können.

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