Einkaufen ohne Wagerl: Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie boomt Online-Shopping auch bei Lebensmitteln.

© Reinhard Vogel

Wirtschaft
05/18/2020

Einkaufsnetz wächst analog und digital

Der Supermarkt-Konzern Rewe investiert in heimische Standorte und baut das Internet-Angebot aus

von Martin Meyrath

Freitag, der 13. März, kurz bevor die Ausgangsbeschränkungen in Kraft traten, war der umsatzstärkste Tag in der Geschichte von Rewe Österreich. Um den Ansturm zu bewältigen, halfen vorübergehend sogar Soldaten und Heeresbedienstete in den Lagern der großen Lebensmittelhändler aus.

Im März verzeichnete das Unternehmen, zu dessen Reich Billa, Merkur, Penny, Adeg und die Bipa-Drogeriemärkte gehören, zweistellige Umsatzzuwächse, im April immerhin noch einstellige. Während die Kunden Lebensmittel hamsterten, brach der Drogeriemarkt ein. Insbesondere Beauty-Produkte waren vorübergehend weniger nachgefragt. Noch ist ein Teil der Belegschaft von Bipa in Kurzarbeit, es wird aber mit einer baldigen Normalisierung gerechnet.

Kaufverhalten

Laut Rewe-Österreich-Chef Marcel Haraszti hat sich das Kundenverhalten während der Pandemie stark verändert. Neben einem Trend zur Regionalität hat die Digitalisierung einen massiven Schub erfahren: Die Bestellungen im Billa-Onlineshop haben sich verachtfacht, bis Jahresende sollen deswegen die „Click- und Collect-Stationen“ von derzeit 130 auf 400 Standorte ausgebaut werden. Dafür sind 315 Millionen Euro budgetiert.

Gleichzeitig investiert Rewe weiter in das Filialnetz. Heuer sollen 31 Supermärkte und 17 Drogeriestandorte dazukommen. Die während der Corona-Krise 1.000 neu eingestellten Mitarbeiter sollen gehalten werden, auch Lehrlinge werden gesucht.

Kosten

Die Corona-Pandemie verursachte allerdings auch zusätzliche Kosten. Laut Haraszti hat Rewe „einen beträchtlichen zweistelligen Millionenbetrag“ in Schutzmaßnahmen und Prämien investiert. Die Angestellten, das sind bei Rewe zu zwei Drittel Frauen, erhielten im März einen Bonus von 200 Euro. Unabhängig davon fordert die Gewerkschaft höhere Grundgehälter. Derzeit liegt der kollektivvertragliche Mindestlohn bei etwa 1.700 Euro brutto. Da der Handel insgesamt allerdings heuer kein gutes Jahr hat, ist ein substanzielles Entgegenkommen der Arbeitgeber im Herbst fraglich. Auch Rewe erwartet aufgrund der gestiegenen Arbeitslosigkeit einen spürbaren Rückgang der Kaufkraft. Billa-Betriebsrat Werner Hackl fordert deswegen eine staatliche Prämie für die „Corona-Helden“.

Rewe (etwa 45.000 Mitarbeiter) ist mit 34 Prozent Anteil der Marktführer im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel. Der Rewe-Umsatz stieg im Vorjahr von 8,66 auf 8,74 Milliarden Euro. Rewe International ist Teil der Kölner Rewe Group. Vom Firmensitz in Wiener Neudorf aus wird nicht nur das Geschäft in Österreich, sondern auch das internationale Geschäft der Group betreut.