Eine "Steuerkarotte" für die Altersvorsorge

…
Foto: pic-unique - Fotolia/Fotolia/pic-unique  

Bei Firmenpensionen ist Österreich ein Nachzügler. Experten machen Vorschläge, wie sich das ändern könnte.

Wer soll das Ansparen für die Altersvorsorge übernehmen: der Staat, die Firmen über Betriebspensionen? Oder doch jeder Einzelne für sich selbst?

Weniger Ideologie, dafür mehr Sachlichkeit in der Debatte über diese "drei Säulen" der Pensionsvorsorge (staatlich, betrieblich, privat) – das wünscht sich Pensionskassen-Obmann Andreas Zakostelsky. "Den Begriff Altersarmut sollten wir ganz streichen, weil er ein Reizwort ist", sagte er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Und rückte Katastrophenszenarien zurecht: Die staatliche Pension werde immer eine Existenzsicherung leisten. "Aber für die Erhaltung eines gewissen Lebensstandards braucht es die Zusatzpension aus der zweiten und dritten Säule."

"Lächerliche Summe"

In Österreich führt die betriebliche Vorsorge ein stiefmütterliches Dasein. Nur 23 Prozent haben Anspruch auf eine betriebliche Zusatzpension. Insgesamt sind 20 Milliarden Euro bei den Pensionskassen veranlagt.

Das sei im internationalen Vergleich eine "lächerliche Anlagesumme", sagte Adam Lessing, Österreich- und Osteuropa-Chef der Fondsgesellschaft Fidelity, vor der Institutionellen Altersvorsorge-Tagung: "Österreichs Unternehmen haben sich aus der Mitverantwortung für die Pensionen ihrer Mitarbeiter davongestohlen."

Für Heribert Karch, den Chef des deutschen Betriebsvorsorge-Verbandes aba, ist das keine Überraschung: "Die Arbeitgeber haben keine Motivation. Die Arbeitnehmer haben kein Geld. Und alle zusammen haben zu wenig Ahnung."

Auch in Nullzinszeiten

Am liebsten wäre Zakostelsky die Verankerung der Betriebsvorsorge in den Kollektivverträgen. In Deutschland wird nachgedacht, dass das Ansparen einer Firmenpension automatisch erfolgen soll – es sei denn, der Arbeitnehmer ist dezidiert dagegen.

- Hanspeter Konrad, Zürich, Direktor ASIP-Schweize… Foto: /Sabine Klimpt A. Zakostelsky, A. Lessing, H. Kalch, Karin Keglevich (Special Public Affairs), v.l. Anreize durch eine aufgeschobene Besteuerung könnten höhere Ansparbeträge ermöglichen – das sei "kein Geschenk, sondern eine Steuerkarotte". Zakostelsky könnte sich eine soziale Staffelung vorstellen, sodass Geringverdiener weniger Eigenleistung erbringen müssen und höhere Förderungen erhalten.

Dass sich in Zeiten von Nullzinsen ohnehin keine Erträge erwirtschaften lassen, wies der Anlageprofi zurück: In den ersten neun Monaten 2016 hätten Österreichs Pensionskassen im Schnitt 3,3 Prozent Rendite erzielt.

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?