Wirtschaft
18.04.2018

Gastronomen: Ein Menü um 7 Euro geht sich nicht aus

Gastronom Schellhorn, Moderator und KURIER-Chef Brandstätter, Vizechefredakteurin Salomon und Falstaff-Herausgeber Rosam. © Bild: Kurier/Gilbert Novy

KURIER-Gespräch: Gastronomen leiden unter Personalmangel und Preisdruck durch die Konsumenten.

Heinz Reitbauer hält es nicht mehr auf seinem Sitz. Beim KURIER-Gespräch über Essen und Politik muss er sich den Frust von seiner Gastronomen-Seele reden: „Ein Leben lang habe ich dafür gekämpft, dass die Gäste zu mir kommen. Und jetzt habe ich keine Köche und Kellner für sie.“ Reitbauer thematisiert den eklatanten Fachkräftemangel in der Gastronomie. Sogar das „Steirereck“ mit Weltruf hat Probleme, Personal zu finden. „Weil alle studieren, niemand einen Beruf lernen will“, so Reitbauer. In Österreich gebe es die beste Ausbildung, „in der ganzen Welt sind unsere Köche erfolgreich. Aber wir haben es verabsäumt, ein positives Bild von der Gastronomie als Arbeitgeber zu zeichnen“, so der Spitzengastronom.

Diskutant Sepp Schellhorn, ebenfalls Gastronom (und Politiker), lässt die oft argumentierte schlechte Bezahlung in der Gastronomie nicht gelten: „Meine Küchenchefs verdienen 6000 Euro brutto im Monat, mein afgha-

nischer Abwäscher 1900 Euro brutto. Und da kommt jeweils noch der Trinkgeldanteil dazu“, erklärt Schellhorn. „Aber wir haben auch in

der Gastronomie das Lohnnebenkostenthema: Die Mitarbeiter bekommen zu wenig und kosten das Unternehmen zu viel.“

Regulierung statt Freude

Dass Österreich zu wenig aus seiner Idee, der Spezialitätenladen Europas zu sein, macht, darüber waren sich die Diskutanten Martina Salomon (KURIER-Journalistin und Buchautorin), Wolfgang Rosam (Falstaff-Herausgeber und Lobbyist) und Sepp Schellhorn einig. „Wir leben in der besten aller Welten“, sagt Salomon, „aber es gibt einen unfassbaren Kontrollwahn.“ Mit der Überregulierung gehe der Genuss verloren. Rosam: „Die Speisekarten gleichen heute mathematischen Formeln. Es macht keine Freude, sich das anzusehen. Mein Appell an die Politik: Lasst den Menschen ihren Genuss.“

Was die Erwartungshaltung der Gäste angeht, habe sich in den vergangenen Jahren viel verändert. „Die Ansprüche sind viel größer geworden – und gleichzeitig jammern immer alle über die Preise. Dabei ist Essen viel zu billig“, sagt Sepp Schellhorn, und argumentiert: „Solange die Hälfte

der gesamten weltweiten Fleischproduktion für Katzenfutter verwendet wird, haben wir ein Problem.“

Auch Heinz Reitbauer schaltet sich beim Thema Preis wieder ein: „Die Wirte sperren zu, weil mit einem Menü für sechs, sieben Euro die Rechnung nie aufgehen kann.“ Es brauche mehr Sensibilisierung der Konsumenten in puncto Regionalität, Saisonalität und Preisbewusstsein, so die Diskutanten unisono.