Wirtschaft 06.01.2012

Ein Körberlgeld für die Winzer

Agrarpolitik: Die aktuelle Reform der EU-Landwirtschaft könnte Wein- und Obstbauern eine neue Förderung für ihre Flächen bringen.

Ein unerwartetes Körberlgeld dürfte die geplante EU-Agrarreform den heimischen Winzern bringen. Geht es nach den Plänen von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos, soll nämlich auch der Weinbau Teil der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) werden. Bisher hatten die Winzer in der EU-Agrarpolitik eine Sonderstellung.

An der Reform für die GAP-Periode 2014 bis 2020 wird aktuell gearbeitet. Für die Winzer bedeutet das, dass sie durch die Einbeziehung in die GAP wie die anderen Bauern auch Flächenprämien für die bewirtschafteten Gärten erhalten. „Diese Möglichkeit besteht“, heißt es aus dem Büro des Agrarministers Niki Berlakovich.

Bis zu 180 Euro

Neues Geld auch für Obstbauern
© Bild: dapd

Die neue „Betriebsprämie für Sonderkulturen“ könnte auch den heimischen Obstbauern winken, erzählt Johann Greimel, in der Landwirtschaftskammer für Marktpolitik zuständig. „Mit der neuen GAP wird es wohl auch für den Obstbau Direktzahlungen geben.“ Rund 12.000 Hektar groß sei das Obstanbaugebiet in Österreich. Die Prämienhöhe sei noch offen, ebenso, welche Gegenleistungen für das Geld zu erbringen sind.

Während die Obstbauern noch rätseln, existieren bei den Weinbauern zumindest Schätzungen über die Förderhöhe: „Es wird wohl Flächenprämien geben in der Dimension von 150 bis 180 Euro pro Hektar“, hofft Josef Pleil, Präsident des Weinbauverbandes. Über die Höhe der Flächenprämien wird aktuell auf EU-Ebene verhandelt, Österreichs Bauern erhielten im Durchschnitt bisher 224 Euro.

Die übliche Größe der 10.000 heimischen Vollerwerbs-Winzer beträgt zwischen fünf und zehn Hektar. In Summe könnten für die 45.500 Hektar Weingärten dadurch rund acht Millionen Euro aus Brüssel fließen.

Schon bisher unterstützte die EU die Winzer. „12.000 Betriebe haben bisher bei den Umweltprogrammen mitgemacht“, erklärt Pleil. Für Erosionsschutz oder reduzierte Düngung gab es jährlich 20 Millionen Euro jährlich. Weitere 13 Mio. Euro flossen aus der Marktordnung für Wein, wo etwa die Umstellung von alten auf neue Strukturen gefördert wird wie eine Erhöhung der Pflanzdichte.

Neue Förderprogramme

Gute Weinernte, Rekord-Exportwert
© Bild: cb, Quelle: APA/ÖWM, Statistik Austria

Bis 2014, wenn die neuen EU-Förderrichtlinien in Kraft treten, will auch der Weinbauverband neue Programme aufgestellt haben, um Gelder aus Brüssel abzurufen. Pleil: „Wir werden sicher ein Nachhaltigkeitsprogramm auf die Beine stellen.“ Neben Investitionen will er vor allem Marketingaktivitäten fördern: „Wir wollen Mittel für die Markterschließung abrufen, zum Beispiel für neue Ost-Märkte.“

Auf einen Teil des Geldes hofft aber bereits die Österreichische Weinmarketing-Organisation (ÖWM): Weil der Bund seinen Budgetbeitrag aus Spargründen kürzt, soll der Werbebeitrag der Winzer von 55 Euro pro Hektar nun entsprechend steigen, erklärt ÖWM-Geschäftsführer Willi Klinger: „Wenn die Branche ordentliches Marketing haben will, muss sie mehr einzahlen.“

Weinexport: Jeder zweite Euro kommt aus Deutschland

Mit einem neuen Exportrekord überraschte vor Kurzem die Österreichische Weinmarketing (ÖWM): Trotz sehr schwacher Ernte 2010 konnte die Weinbranche 2011 ihre Ausfuhren um 2,6 Prozent auf 126 Millionen Euro steigern. Wichtigster Markt für heimische Winzer bleibt Deutschland: 55,6 Prozent der Exporterlöse stammen aus dem Nachbarland, das umgerechnet 49,2 Millionen Flaschen heimischen Rebensafts importierte. „Deutschland ist gegenwärtig der größte Weinimporteur Europas“, erklärt Gerhard Elze, bei der ÖWM für den deutschen Markt zuständig. Das Land produziere rund eine Milliarde Liter Wein, importiere nochmals 1,5 Milliarden – vor allem aus Italien, Frankreich und Spanien. „ Österreich hat da nur einen Marktanteil von vier Prozent“, meint Elze. Klingt wenig, für Österreichs kleinstrukturierte Weinwirtschaft fällt trotzdem genug ab. Gefragt sind Grüner Veltliner und Sauvignons, bei den Rotweinen der Zweigelt und zunehmend auch Blaufränkisch. Der Markt ist allerdings sehr preissensibel: „Rund 60 Prozent aller Weine werden dort um 1,99 Euro verkauft.“ Schließlich gilt Bier noch immer als Nationalgetränk, der Wein-Konsum liegt mit 24 Litern/Kopf klar hinter Österreich (30 Liter). Doch Österreichs Winzer sind auch in anderen Ländern zunehmend gefragt: 12 Prozent der Exporte gehen in die Schweiz, 6,4 in die USA. Stark gestiegen sind 2011 die Weinexporte nach Finnland (+ 48 Prozent) und Schweden (+ 27 Prozent).

( Kurier ) Erstellt am 06.01.2012