E-Control: 2 bis 3 Monate lang ist Gasversorgung noch kein Problem
Flüssiggas (LNG) ist für die weltweite Gasversorgung wichtig. Durch den Iran-Krieg fallen viele Lieferungen aus.
Zusammenfassung
- Die Gasversorgung ist laut E-Control für die nächsten zwei bis drei Monate gesichert, aktuelle Krise weniger dramatisch als 2022.
- Der Wettbewerb am Energiemarkt ist nach russischer Invasion der Ukraine weiterhin eingeschränkt, Netzausbau bleibt für Versorgungssicherheit und Energiewende zentral.
- Privatkunden wird geraten, sich mit Fixpreistarifen gegen steigende Energiepreise abzusichern.
Das aktuelle Führungsduo des Strom- und Gasregulators E-Control hat am Dienstag seinen letzten gemeinsamen Medienauftritt hingelegt und ein Resümee über die vergangenen Jahre gezogen. "Vor fünf Jahren habe ich gedacht, ich weiß, was mich in diesem Job erwartet", sagt der nun scheidende Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. "Ich habe ihn davor ja schon fünf Jahre lang gemacht und war durch Covid krisenerprobt. Ich wurde eines Besseren belehrt."
2022 hat alles verändert
Eine Krise wie jene, die durch Russlands Invasion der Ukraine am 24. Februar 2022 ausgelöst worden ist, habe es zuvor noch nie gegeben. Großhandelspreise seien bei Strom auf bis zu 600 Euro pro Megawattstunde gestiegen, bei Gas auf bis zu 200 Euro. Die Gasflüsse in ganz Europa hätten sich massiv verändert. "2021 stammte 40 Prozent des Pipeline-Gases aus Russland. 2025 waren es nur noch 12 Prozent", schildert Co-Vorstand Alfons Haber. "Der Flüssiggasanteil hat sich von 14 auf 42 Prozent erhöht. 58 Prozent davon kommen nun aus den USA."
Anbietervielfalt ist immer noch nicht auf Vorkrisenniveau
Die Umwälzungen seien in manchen Bereichen bis heute nicht "überwunden". In der Vorkrisenzeit habe es laut Urbantschitsch 55 österreichweite Strom- und 25 Gaslieferanten gegeben. In der Krise hätten sich viele davon ganz aus dem Markt zurückgezogen, die Landesversorger hätten sich auf ihre eigenen lokalen Netzgebiete zurückgezogen. "Der Wettbewerb ist massiv eingeschränkt gewesen und eigentlich zum Erliegen gekommen." Die Menge an Lieferanten vor 2022 sei bis heute nicht wieder erreicht worden, es gebe aber eine ausreichende Angebotsvielfalt.
Tarife mit Fixpreis können Kunden schützen
Die aktuelle Öl- und Gaskrise durch den Iran-Krieg wird von der E-Control als signifikant, aber noch nicht so schlimm wie 2022 eingestuft. Man sehe aber, dass die gestiegenen Preise Kunden beunruhigen. "Die Zugriffszahlen auf unseren Spritpreisrechner haben sich versiebenfacht", sagt Urbantschitsch. Der hohe Gaspreis schlage derzeit noch nicht stark auf den Strompreis durch, sagt E-Control-Chefvolkswirt Johannes Mayer.
Bei der Entwicklung der Versorgungslage bei Gas komme es stark darauf an, wie lange der Krieg noch andauert. Zwei bis drei weitere Monate wären noch unproblematisch. Sollte der Krieg länger dauern und sollten Länder mit der Einspeicherung von Gas für den nächsten Winter zuwarten und dafür im Sommer geballt einkaufen, dann wird das Angebot knapp. Urbantschitsch rät dazu, sich als Privatkunde gegen steigende Preise zu wappnen und Tarife mit Fixpreis abzuschließen. "Es gibt nach wie vor attraktive Angebote."
Lage war für viele Kunden dramatisch
Durch die Krise 2022 haben sich die Aufgaben der Behörde stark verändert. "Unsere Rolle war es, die E-Control als Beratungsstelle für Kunden zu positionieren. Das hat uns an Leistungsgrenzen gebracht, ist uns aber gut gelungen", sagt Urbantschitsch. "Von 2022 bis 2023 hatten wir 40.000 Beratungskontakte. Es haben sich Dramen abgespielt, weil Menschen Tausende Euro Nachzahlungen hatten."
Für Versorgungssicherheit ist Netzausbau notwendig
Trotz großer Preisschwankungen konnte man sich auf die Strom- und Gasversorgung verlassen. "Wir zählen zu einem der sichersten Länder in Europa", sagt Haber. "Die Versorgungssicherheit ist hoch und bleibt hoch." Dennoch dürfe man bestehende Baustellen nicht aus den Augen verlieren, allen voran den Netzausbau.
"Ohne leistungsfähige Netze gibt es keine Versorgungssicherheit, keine Energiewende, keine günstigen Preise." In den vergangenen fünf Jahren seien Netzentgelte um 70 Prozent gestiegen. Das sei "nicht sehr angenehm", aber notwendig. Die Investitionen in Netze müssten auch weiter steigen. "Wir gehen von 29,5 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren aus." Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz soll Privatkunden dabei entlasten. Bei der Umsetzung des ElWG gebe es aber auch noch "große Aufgaben", so Haber.
Ein Vorstandssitz wechselt den Besitzer
Zum Abschied spricht Urbantschitsch den heimischen Medien großes Lob aus. "Es hat mir Spaß gemacht, mit Ihnen im Dialog zu sein." Unabhängigkeit empfinde er als große Gemeinsamkeit von Journalismus und Regulierung. Urbantschitsch wird sich in Zukunft seiner Lehrtätigkeit an der WU Wien widmen. Seinen Sitz im E-Control-Vorstand neben Alfons Haber wird ab nächster Woche Michael Strebl, der bisherige Geschäftsführer von Wien Energie, einnehmen.
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