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Dubiose Diamanten-Händler locken mit bis zu 39,6 Prozent Rabatt

Österreichischer Vertriebsexperte wittert ein Milliarden-Geschäft.
Symbolbild

Mario Steinrigl, Vertriebschef von Stig International, hat große Pläne. „Wir sind gestartet am 8. Jänner 2026 in 16 Ländern mit über 5.800 aktiven Partnern und einem bezahlten Umsatz von 31 Millionen“, sagte Steinrigl vor wenigen Wochen in einem Instagram-Video. Der Umsatz soll massiv gesteigert werden. „Bis Ende 2026 definitiv auf mindestens 500 Millionen“, sagt Steinrigl. „In den nächsten zwölf Monaten ist mein persönliches Ziel eine Milliarde Umsatz.“ Bis Ende 2026 will er in 30 Ländern tätig sein.

Das Geschäftsmodell von Stig mit Sitz in Dubai und Wien: Kunden kaufen zertifizierte Diamanten über sogenannte „Diamond Solution Plans“. Das zentrale Versprechen: monatliche „Rabattgutschriften“ von 2,2 bis zu 3,3 Prozent auf den Kaufpreis der Diamanten. Aufs Jahr gerechnet wären das 26,4 bis 39,6 Prozent Rabatt.

Ab 100 Dollar ist man dabei. Um den höchsten Rabatt zu erzielen, muss man aber 100.000 Dollar in einen Vier-Karäter investieren. Stig behauptet, es handle sich um kein Finanzprodukt, sondern um den Kauf eines Sachwerts. Die Rabatte ließen sich erzielen, weil angeblich Zwischenhändler wegfielen und bei Minen gekauft werde. Die Steine werden von Stig über die gesamte Laufzeit von zwölf Monaten sicher gelagert. Danach können die Käufer die Steine physisch erhalten, oder sie können zurückverkauft werden.

System kopiert?

Was nach exklusivem Edelstein-Investment klingt, wirft bei genauer Betrachtung erhebliche Fragen auf. Denn das fragwürdige Geschäftsmodell ist nicht neu: Bis vor Kurzem wurde von der Vaduzer TGI AG um den Österreicher Helmut Kaltenegger Gold mit 72 Prozent Rabatt und 36 Monaten Laufzeit angeboten. Nachdem aber die Finanzmarktaufsicht in Liechtenstein und die deutsche Finanzaufsicht Bafin das TGI-Angebot als Einlagengeschäft eingestuft hat, muss Kaltenegger sein Rabatt-Modell rückabwickeln.

Mario Steinrigl war einst für ihn tätig, er war im Vertrieb der TGI-Vorläufergesellschaft GGMT beschäftigt. „Er hat unser System kopiert mit Diamanten. Wie die das machen, ist für mich ein Phänomen“, sagt Kaltenegger zum KURIER. „Bei Diamanten ist die Liquidität nicht gegeben. Beim Gold habe ich einen Preis, egal, wo ich kaufe, immer den gleichen, und Gold ist ganz anderes reguliert.“

Nicht geeignet

Diamanten werfen keine Rendite oder Zinsen ab und können nicht an einer öffentlichen Börse gehandelt werden. Das deutsche Verbraucherportal Finanztip urteilt: „Als Geldanlage sind Diamanten für die meisten Privatanleger nicht geeignet.“

Denn bei Diamanten braucht man viel Spezialwissen. „Diamanten eignen sich nur bedingt als Wertanlage. Der Wertzuwachs stellt sich erst nach vielen Jahren ein“, sagt die Wiener Sachverständige Gabriela Breisach zum KURIER. „Wer schnelle Renditen erzielen möchte, sollte nicht in Diamanten investieren. Die Größe des Wertzuwachses ist abhängig von Größe, Farbe, Schliffart und Qualität des Diamanten.“

Ein Strukturvertrieb

Um das Geschäft anzukurbeln, werden die Stig-Diamanten vor allem auf Instagram beworben. Aber auch in Wien werden Live-Events in Hotels abgehalten, um neue Kunden zu rekrutieren. Grundsätzlich handelt es sich um einen Strukturvertrieb, bei dem Käufer oder Teampartner weitere Käufer anwerben. Laut Vertragsbedingungen von Stig erhalten Teampartner nicht nur Provisionen aus eigenen Verkäufen, sondern auch „eine entsprechende Provision auf den Produktumsatz des geworbenen Teampartners“.

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