Wirtschaft
19.04.2017

Dubiose Cyberwährung OneCoin könnte Anleger ihr Geld kosten

Deutsche Finanzmarktbehörde hat Cybergeschäfte gestoppt. Auch in Österreich sind Investoren betroffen.

Geldentwertung, Vermögensenteignung, Sperrung von Bankkonten oder Bargeldverbot – mit diesen Risiken unseres Geldsystems, die jedem Sparer kalte Schauer über den Rücken jagen, werben die Erfinder der Cyberwährung " OneCoin". Sie wurde vor zwei Jahren von der bulgarischen Cyberqueen Ruja Ignatova erschaffen. Offenbar in bewusster Anlehnung an die 2008 etablierte Kryptowährung Bitcoins.

OneCoin sei aber eine vom gesamten westlichen Geldsystem unabhängige Geld-Alternative. "Wer diese Chance erkennt, sollte nicht zu lange zögern, der Kurs steigt stetig", heißt es weiter. Fakt ist: Investoren müssen sich bei OneCoin einkaufen. Das Starter-Paket kosten 130 Euro, der Executive Trader zahlt 5030 Euro und für das "Festival-Paket" müssen "Anleger" sogar 18.800 Euro hinblättern. Sie kaufen de facto nichts anderes als Schulungs- und Seminarpakete und erhalten am Ende einer Sperrfrist die Wunderwährung "OneCoin" auf ihrem Cyberkonto gutgeschrieben.

Mehr als drei Millionen mitglieder, sprich Investoren, will das Unternehmen mit Sitz in Bulgarien, Hongkong, Gibraltar und Dubai haben, darunter sind viele Deutsche, Österreicher und Schweizer. Lag "der Kurs" anfangs noch bei 50 Cent, so soll er heute fantastische 9,75 Euro je OneCoin betragen. Völlig unklar ist, wie dieser Kurs bisher berechnet wird.

Geschäft verboten

Doch mit den OneCoins könnte bald Schluss sein. Und die Investoren könnten auf einem Berg "ShitCoins" sitzenbleiben. Nachdem mehrere europäische Behörden im Vorjahr vor OneCoin gewarnt hatten, darunter auch die Wiener Finanzmarktaufsicht (FMA), hat jetzt die deutsche Schwesterorganisation BaFin die Reißleine gezogen. Sie hat dem deutschen Strukturvertrieb IMS die Geschäfte mit OneCoin-Anlegern untersagt.

IMS soll 360 Millionen Euro von Investoren eingesammelt, auf wechselnden Bankkonten gebunkert und im Auftrag der OneCoin Ltd. in Dubai "an Adressanten außerhalb Deutschlands" weitergeleitet haben – ohne eine entsprechende Zahlungsdienste-Lizenz dafür zu haben. Nur 29 Millionen Euro konnte die BaFin auf IMS-Konten einfrieren.

Aktuelle Maßnahme

"Die Onecoin Ltd ist in das unerlaubte Geschäft der IMS einbezogen, indem sie Zahlungen auf deren Konten veranlasst und Zahlungsanweisungen gegenüber der IMS ausspricht", stellte die deutsche BaFin am Dienstag klar. Die Barfin hat diese Befugnisse auch gegenüber einem Unternehmen wie OneCoin, "das in die Anbahnung, den Abschluss oder die Abwicklung dieser Geschäfte einbezogen ist, sowie gegenüber seinen Gesellschaftern und den Mitgliedern seiner Organe". Das heißt: Auch für die OneCoin-Macher könnte es eng werden

Aktivitäten in Österreich

"Auch in Österreich sind sie herumgefahren, aber bevor man investieren konnte, musste man Schulungsunterlagen kaufen, das hat bis zu 20.000 Euro gekostet", sagt FMA-Sprecher Klaus Grubelnik zum KURIER. Bei OneCoin besteht der Verdacht, dass es sich um ein Schneeballsystem bzw. ein Pyramidenspiel handelt. So wird die Werbung neuer Investoren mit zusätzlichen Münzen belohnt.

Doch für die Anleger ist guter Rat teuer. Die Kryptowährung konnte, wenn auch nur in einer geringen Stückzahl, bisher auf der internen Plattform xcoinx.com gehandelt werden. Doch diese Plattform ist seit Wochen offline. Offizieller Grund: Die Seite wird überarbeitet. Neu dagegen ist, dass die Münzen nun in OneCoin-Aktien umgetauscht werden können. OneCoin plant 2018 in Asien einen Börsengang. Dafür wird bei den gutgläubigen Investoren schon heftig geworben.