Kahlschlag bei KiK: Diskonter schließt etwa 300 Filialen

Das Unternehmen fährt seine Expansion zurück. Auch in Österreich sollen zehn Filialen geschlossen werden.
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Zusammenfassung

  • KiK schließt bis Ende 2026 europaweit rund 300 Filialen, darunter 135 in Deutschland, und plant 75 Neueröffnungen.
  • Grund für die Schließungen sind zu dichte Expansion, verändertes Konsumverhalten und wachsender Wettbewerbsdruck.
  • Kündigungen sind laut Unternehmen nicht geplant; das Filialnetz soll weiter auf profitable Standorte ausgerichtet werden.

Der deutsche Textil- und Haushaltswaren-Diskonter KiK setzt seinen Sparkurs fort und schließt bis Ende 2026 europaweit 300 Standorte. Zugleich sollen aber 75 neue eröffnet werden. Besonders betroffen ist Deutschland, wo die Zahl der Filialen um 135 auf rund 2.200 Standorte sinkt. Unterm Strich umfasst das europäische Filialnetz dann rund 4.000 Standorte und etwa 2,4 Milliarden Euro Umsatz. 

Auch Österreich wird von der Bereinigung nicht verschont. KiK hat bereits im Jahr 2024 18 Filialen in Österreich geschlossen. Im Vorjahr wurden hierzulande laut dem Marktforschungsinstitut Regiodata 23 Filialen zugesperrt. Heuer sollen zehn weitere Standorte aufgelassen werden. „Hier gibt es laufende Verhandlungen mit den Vermietern, um für Wirtschaftlichkeit zu sorgen“, teilt KiK dem KURIER mit. Aktuell unterhält der Diskonter in Österreich 216 Filialen, davon 35 in Wien. 
Indes soll Anfang Mai in Eisenstadt eine neue Filiale eröffnet werden.

„Zu dicht expandiert“

Als Grund für die Straffung des Filialnetzes nennt KiK eine zu starke Expansion in der Vergangenheit. „Wir trimmen unser Portfolio auf Profitabilität“, sagte KiK-Geschäftsführer Christian Kümmel der Deutschen Presseagentur. „Wir haben zu dicht expandiert. Das bauen wir zurück.“ In manchen Regionen lägen Filialen weniger als einen Kilometer auseinander. 

„Keine Kündigungen“ 

Schon im Herbst 2025 hatte KiK angekündigt, unrentable Filialen schließen zu wollen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Alle verbleibenden Standorte seien profitabel. Kündigungen seien nicht geplant. Die Beschäftigten der geschlossenen Filialen sollen in anderen Geschäften weiterbeschäftigt oder anderweitig aufgefangen werden. Insgesamt beschäftigt KiK europaweit 32.000 Personen, davon rund 1.500 in Österreich.  

Stark umkämpft

Der Fokus bleibt weiterhin auf günstiger Mode, die rund 60 Prozent des Sortiments ausmacht, ergänzt um Haushaltswaren und Dekorationsartikel. 

„Der Punkt ist, dass der Bereich der Non-Food-Diskonter sehr stark umkämpft ist. Eine Zeit lang war KiK sehr stark, in der Zwischenzeit haben andere aufgeholt oder sind dazugekommen“, sagt Regiodata-Geschäftsführer Wolfgang Richter zum KURIER. „Action hat ganz stark expandiert, ebenso NKD und Woolworth. Insgesamt hat diese Branche Zuwächse.“ 
Diese Diskonter übernehmen dort Standorte, wo sich der mittelpreisige Einzelhandel zurückzieht. „Diese Flächen werden frei, die sind dann günstiger zu haben“, sagt Richter. „Dieser Markt steigt sehr stark, aber irgendwann ist eine Grenze erreicht, und es ist in den vergangenen zwei, drei Jahren zu einer Verdrängung gekommen.“

Großer Mitbewerber

Der niederländische Diskonter Action geht mittlerweile auch auf große Flächen. So hat der Diskonter im Kaufhaus Gerngross in der Wiener Mariahilfer Straße ein ganzes Geschoß übernommen. Zurück zu KiK: „Wenn ein Unternehmen merkt, dass es an einzelnen Standorten nicht gut aufgestellt ist, dann schließt es diese“, sagt Richter. 
Dazu muss man wissen, dass ein Non-Food-Diskonter teilweise weniger als 1.500 Euro Umsatz pro Quadratmeter erzielt, ein durchschnittlicher Einzelhändler zwischen 4.000 Euro und 6.000 Euro Umsatz pro Quadratmeter.  

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