Wirtschaft
06.12.2017

Diesel-Affäre: Top-Experte nimmt BMW in Schutz

Kritik am Kraftfahrtbundesamt und auch am Autohersteller, weil sie Fakten in diesem Fall nicht offengelegt haben.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat sich große Verdienste bei der Aufdeckung des Dieselskandals erworben. Ohne deren Messungen wären die Autobauer mit ihrer groß angelegten Abgasschummelei wahrscheinlich durchgekommen. Jetzt hat die mit Spenden finanzierte Umweltorganisation auch den Autobauer BMW ins Visier genommen.

Die DUH behauptet, dass auch im neuen BMW-Modell 320d eine unzulässige Einrichtung zum Abschalten die Abgasreinigung in der Motorsteuerungs-Software integriert ist.

Neue Ergebnisse

So haben Tests des Emissions-Kontroll-Instituts (EKI) der DUH und des Auto-Softwareexperten Lothar Daub ergeben, dass oberhalb einer Drehzahl von 3500 Umdrehungen bei diesem BMW-Modell "die Abgasrückführung komplett abgeschaltet wird".

Während das Fahrzeug auf dem Rollenprüfstand den Stickoxid-Grenzwert (80 mg/km) einhielt, sollen TÜV-Messungen auf der Straße diesen Wert um das 7,2-Fache überschritten haben. Dabei wurde der Rollentest zu 100 Prozent auf der Straße nachgefahren. Ein solcher Vergleichstest ist laut Experten durchaus seriös durchzuführen.

Hingegen erklärte BMW, dass die Untersuchungswerte laut eigenen Tests "innerhalb der technisch erklärbaren Toleranz liegen". Die EU-Typzulassungsverordnung zählt in ihrer Begriffsdefinition laut DUH zu "Abschalteinrichtungen" ausdrücklich die Motordrehzahl als Parameter für die Verringerung der Wirksamkeit des Emissionskontrollsystems bei normalem Fahrzeugbetrieb auf.

Eine generelle Aktivierung von Abschalteinrichtungen ist laut DUH-Chef Jürgen Resch daher eindeutig unzulässig. Es dürfen aber Maßnahmen zum Schutz des Motors eingesetzt werden.

Alles legal

Für den Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen ist der "neue Skandal" bloß ein Sturm im Wasserglas.

"Es ist ein Skandal, der keiner ist. Man hätte diese Aufregung überhaupt vermeiden können", sagt Dudenhöffer zum KURIER. "BMW sagt, so hochtourig fährt kein Mensch sein Auto. Außerdem habe BMW diese Änderung der Abgasrückführung dem Kraftfahrtbundesamt gemeldet und das KBA habe das genehmigt." Nachsatz: "Es ist eine legale Absprache zwischen Hersteller und KBA." Der Professor kritisiert, dass weder BMW und noch KBA dieses Faktum veröffentlichten.

"Wenn das von Anfang an bekannt gewesen wäre, wären diese Tests der DUH wie das Hornbergerschießen ausgegangen", sagt Dudenhöffer. "Beide Seiten sind zu dusselig, mehr Transparenz an den Tag zu legen."