Die Preisfrage beim Heizöl-Poker

Einlagern: Ein Liter Heizöl kostet im Durchschnitt rund 90 Cent. Ob der Preis noch nachgibt, ist wegen der Ölmarktentwicklung fraglich.
Foto: AP/Eckehard Schulz

Wann Heizöl kaufen? Diese Frage ist immer schwieriger zu beantworten. Zuwarten bringt derzeit aber wenig.

Bei 35 Grad im Schatten über die kommende Heizsaison nachdenken? Klingt abwegig, sollte aber tatsächlich schön langsam ins Bewusstsein all jener Heizölkessel-Besitzer dringen, die bisher noch Abstand von einer Auffüllung ihres Öltanks genommen haben. "Derzeit ist sicher keine schlechte Zeit sich einzudecken", meint Martin Reichard, Geschäftsführer vom Interessensverband IWO (Institut für Wirtschaftliche Ölheizung).

Mit im österreichweiten Durchschnitt knapp unter 90 Cent (bei Abnahme von 2000 bis 5000 Liter) ist der Preis für ein Liter Heizöl Extra Leicht nicht gerade niedrig. Vor einem Jahr kostete der Brennstoff bis zu 20 Cent weniger.

Ölpreis stabil

Weiter zuzuwarten dürfte sich aber als falsch erweisen. Der Preis für Heizöl ist unmittelbar von der Entwicklung der internationalen Rohölnotierungen abhängig. Diese haben zuletzt, wegen der Unsicherheit, wie es mit der weltweiten Konjunktur in den kommenden Monaten weitergeht, nachgegeben. Auf dem Preisniveau von rund 105 Dollar haben sie sich in den vergangenen zwei Wochen aber gefestigt. Energieexperte Johannes Benigni glaubt auch nicht, dass sich Öl heuer noch signifikant verbilligen wird: "Der Preis wird nicht unter 100 Dollar fallen." Auch eine etwaige Normalisierung in Libyen werde kurzfristig keine Auswirkungen haben. Es werde noch mindestens ein Jahr dauern, bis ähnlich große Ölmengen aus dem nordafrikanischen Land fließen werden, wie vor Beginn des Konflikts.

Nachfrage

Ein weiterer Punkt, der gegen sinkende Heizölpreise spricht, ist die Nachfrage. Diese dürfte in den kommenden Wochen anziehen. Es scheint nämlich, dass verhältnismäßig viele Heizölkessel-Besitzer wegen der hohen Preise im ersten Halbjahr bei der Einlagerung zugewartet haben. Die Heizölverkäufe lagen in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres um 18 Prozent unter dem Niveau des ersten Halbjahrs 2010, erläutert IWO-Chef Reichard. Da sich die Ölmenge in jedem Tank aber unweigerlich dem Ende zuneigt, müsse irgendwann nachgekauft werden. Das spreche für eine höhere Nachfrage, was auch höhere Preise bedeutet.

Freilich, ganz abgebrühte Pokerspieler mit stahlharten Nerven können weiter spekulieren - und recht damit behalten. Denn die alte Faustformel "Heizöl einlagern im Sommer, denn da sind die Preise nachfragebedingt niedrig" gilt wegen der zum Teil eklatanten Schwankungen am Ölmarkt schon lange nicht mehr.

So geschehen Anfang des Monats, als die Ölpreise kurzfristig auf unter 100 Dollar fielen - und somit auch Heizöl plötzlich um rund neun Cent billiger angeboten wurde. "Da sind die Telefone heißgelaufen", heißt es aus der Branche. Solche sprunghaften Änderungen kann es jederzeit geben - allerdings auch in die entgegengesetzte Richtung.

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(kurier) Erstellt am
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