Wirtschaft
01.01.2012

Die Exoten unter den Euroländern

Karibische Inseln, afrikanische Länder und ein Staat in Südamerika – nicht nur in Europa setzt man auf den Euro.

Allzu euphorisch werden die Feierlichkeiten anlässlich von zehn Jahren Euro-Bargeld in den nächsten Tagen wohl nicht ausfallen. Doch wer trotz Schuldenkrise an den Fortbestand der Gemeinschaftswährung glaubt, könnte dies auch in einem karibischen Euro-Land feiern.

Nicht nur in Europa, wo derzeit Winter herrscht, ist der Euro das offizielle Zahlungsmittel, sondern auch in einigen fernen Ländern. Mit dem Beitritt Frankreichs zum Euroraum erhielten beispielsweise auch die französischen Überseegebiete den Euro als offizielles Zahlungsmittel. La Reunion etwa, eine Insel im Indischen Ozean, auf der es aktuell um die 30 Grad hat.

Verzicht

Wen es eher in die Karibik zieht, der könnte nach Französisch-Guayana jetten. Das Land liegt im Norden von Südamerika und ist etwa so groß wie Österreich. Bei heißen 35 Grad kann man im Schatten Cocktails schlürfen und auch diese mit Euro bezahlen. Der Euro gilt weiters in einigen Kleinstaaten Europas, die keine EU-Mitglieder sind. So kann man in Monacos Casinos die Euros rollen lassen oder im Vatikanstaat in den Klingelbeutel fallen lassen. Neben Andorra und San Marino setzen auch noch zwei Balkanstaaten auf den Euro: Montenegro und der Kosovo ersetzten einst den jugoslawischen Dinar durch die Deutsche Mark – heute ist der Euro das gängige Zahlungsmittel. Mit Euro gezahlt wird auch in den britischen Militärbasen auf Zypern: Mit dem Euro-Beitritt des Landes wurde das Zypern-Pfund, mit dem in den zu Großbritannien zählenden Orten Akrotiri und Dekelia, gezahlt wurde, vom Euro abgelöst.

Doch nicht alle Länder reißen sich um die Verwendung der Gemeinschaftswährung: „Eigentlich müssten alle EU-Länder nach Erfüllung der Maastricht-Kriterien den Euro einführen“, erklärt Währungsexperte Martin Taborsky von der Nationalbank.


„Doch Dänemark und Großbritannien haben schon vor der Euro-Einführung auf eine Ausstiegsklausel bestanden.“ Dänemark ist aber wie übrigens auch Lettland über den Wechselkursmechanismus eng an den Euro gebunden. Schweden will bei seiner Krone bleiben. Das hat ein Referendum 2003 klar ergeben. Und auch heute wollen 88 Prozent der Schweden (und 71 Prozent der Dänen) die nationalen Währungen erhalten. Das zeigen am Dienstag veröffentlichte Umfragen.


Die Beitrittskriterien (Inflation, Staatsverschuldung, Defizit) verfehlen in den nächsten Jahren wohl viele osteuropäische Staaten (siehe unten) . Litauen und Bulgarien sowie die Nicht-EU-Länder Bosnien-Herzegowina, die Kap-Verde-Inseln und die Komoren haben den Wechselkurs ihrer Währungen an den Euro gebunden, um den Handel zu erleichtern.
Fix am Euro orientiert sich auch der afrikanische CFA-Franc (CFA=colonies françaises d`Afrique) : 110 Millionen Menschen in 14 Ländern, darunter Kamerun, Côte d’Ivoire, Mali, Niger, Kongo oder Senegal verwenden dieses Zahlungsmittel.
Nächster Teil: Fälschungen

Erweiterung: Die nächsten  Kandidaten wollen lieber abwarten Estland dürfte vorerst das letzte EU-Land gewesen sein, das seine Währung auf Euro umgestellt hat. 17 Länder traten damit in den vergangenen zehn Jahren offiziell der Eurozone bei, und die ersten Euro-Jahre verliefen weit reibungsloser als die letzten. Als am 1. Jänner 2002 die Bürger in zwölf EU-Ländern zum ersten Mal Euro-Münzen und -Scheine in Händen hielten, war bereits viel Arbeit erledigt: 1992 wurde der Maastricht-Vertrag unterschrieben, der die Kriterien für den Beitritt zur Währungsunion festlegt. 1995 wurde die  gemeinsame Währung auf Euro und Cent getauft, 1998  die Umrechnungskurse fixiert. Das Design wurde entwickelt, nationale Notenbanken produzierten Euro-Noten und Münzen. 2004 erfolgte die Osterweiterung der EU. Die Länder verpflichteten sich, die Gemeinschaftswährung zu übernehmen, sobald sie die Maastricht-Kriterien erfüllen. Slowenien schaffte es als Erstes und erhielt 2007 den Euro. Litauen wurde wegen überhöhter Inflation abgelehnt. 2008 erhielten Malta und Zypern den Euro, 2009 die Slowakei, 2011 Estland. Formal wären Lettland und Litauen die nächsten Kandidaten. Sie stimmen ihre Währungskurse bereits auf den Euro ab. Allerdings ist mit der Schuldenkrise das Euro-Interesse  gesunken. Frühestens 2014 wollen die Letten nun den Euro, Polen peilte früher 2012 an, jetzt spricht man lieber von 2015 oder 2016.

Mehr zum Thema

  • Hintergrund

  • Hintergrund