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Wirtschaft
03/02/2021

Immobilien: "Die einzige berechenbare Anlageform"

Die Zahl der Baubewilligungen ist deutlich zurückgegangen. Erwin Soravia drängt auf digitale Verfahren.

von Andreas Anzenberger

Erwin Soravia ist ein bekannter Projektentwickler aus Wien. Seit rund einem Jahr ist er der Präsident der VÖPE (Vereinigung Österreichischer Projektentwickler). Zu allfälligen Geschäftsbeziehungen mit dem früheren Grünpolitiker Christoph Chorherr gibt es kein Statement, weil Soravia nur als VÖPE-Präsident spricht.

KURIER: Die Zahl der Baubewilligungen ist deutlich zurückgegangen. Was bedeutet das für eine Branche die Projektentwicklungen vorantreibt?

Erwin Soravia: 2020 war noch nicht so schlimm. Das wirkt sich erst 18 bis 24 Monate später aus. Die Projektvorbereitungen sowie die Erteilung von Baubewilligungen und die Umsetzung des Projektes sind nicht von heute auf morgen möglich. Die Reduktion wird uns erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 sowie Angang 2022 treffen.

Ist die Zahl der Baubewilligungen wegen der Corona-Krise gleichmäßig zurückgegangen?

Es gibt große Unterschiede in den Bezirken und Gemeinden. In Wien ist die Umstellung auf die neuen Verhältnisse relativ gut gelungen, in Kärnten dauert es länger bis Bewilligungen erteilt werden. Wenn die Infrastruktur fürs Homeoffice nicht vorhanden ist, dann kann man nicht die Beamten für die Verzögerungen verantwortlich machen.

Wie steht es um die Digitalisierung bei der Erteilung von Baubewilligungen?

Wien ist sehr weit. Es wurde ein Taskforce eingerichtet. Es soll bereits im März oder April mit der Umsetzung begonnen werden. Die einzelnen Schritte eines Bewilligungsverfahrens sollen transparent im Internet nachzulesen sein. Es gibt aber auch Gemeinden, die sie sagen, das geht gar nicht. Wir wollen uns nicht in Karten schauen lassen. Man will keinen Druck von außen.

Werden die Bauverhandlungen künftig per Videoverhandlungen durchgeführt?

Wenn es möglich ist. Der Ablauf soll transparenter werden. Immer wenn Entscheidungen nicht offen kommuniziert werden, entsteht Unmut. Wir wollen das wegbringen.

Welches Thema ist Ihnen besonders wichtig?

Pensionen sind ein wichtiges Thema. Ich glaube nicht, dass sich die Regierung oder künftige Regierungen trauen werden, das Pensionsantrittsalter anzuheben, um die Finanzierung sicherzustellen. Was ich allerdings nicht verstehe ist, warum die private Pensionsvorsorge nicht stärker gefördert wird. Wenn man das Privatvermögen des Mittelstandes mit anderen Ländern vergleicht, dann sind wir schwach. Der private Haushalt in Italien hat mehr Vermögen als der private Haushalt in Österreich.

Was soll die Regierung machen?

Immobilien sind die einzige langfristige und berechenbare Anlageform. Man soll die Immobile fördern. Zur Pensionsvorsorge sollten Veranlagungen in Immobilien bis zu einem Betrag von 2.000 Euro monatlich steuerlich begünstigt werden. Dafür gibt es weltweit genug Beispiele. Das sorgt für Sicherheit im Alter. Wenn ich laufend über eine Änderung der Besteuerung von Immobilien diskutiere, schaffe ich damit kein Vertrauen bei den Anlegern.

Wie hoch ist derzeit die Rendite bei Immobilien?

Nach Steuern beträgt die Immobilienrendite zwischen zwei und drei Prozent. Dazu kommt das Wertwachstum von rund einem Prozent. Man müsste dafür sorgen, dass die Investitionen in Immobilien in Österreich stattfinden. Über die Umwegrentabilität profitiert der Finanzminister. Dem Staat kosten solche Modelle nichts.

Sie sind Präsident der Vereinigung österreichischer Projektentwickler. Warum wurde diese Vereinigung gegründet?

In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Image der Projektentwickler mehr als schlecht. Wir sind mit dem Thema teure Mieten und teure Wohnungskäufe in die Schusslinie geraten. Faktum ist, dass die Wohnungspreise gestiegen sind. Die Ursache dafür sind nicht wir. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis und nicht der Projektentwickler. Das Angebot ist zu gering, weil zu wenig gewidmet wird.

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