© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
06/25/2020

Deutscher Finanzminister will wegen Wirecard wirksamere Aufsicht

Scholz: "Ein Skandal, der in der Finanzwelt schon seinesgleichen sucht".

Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hat das Gebaren des Zahlungsdienstleisters Wirecard heftig kritisiert und härtere Regulierung in Aussicht gestellt. "Der Fall Wirecard AG ist ein Skandal, der in der Finanzwelt schon seinesgleichen sucht", sagte Scholz am Donnerstag in Berlin. "Wir müssen unsere Aufsichtsstrukturen auch überdenken."

Was sich in dem Unternehmen zugetragen habe, müsse nun "schnell und gründlich" aufgeklärt werden, sagte Scholz. "Ein solcher Skandal wie bei Wirecard muss ein Weckruf sein, dass wir mehr Aufsicht über und Kontrolle für die Finanzmärkte brauchen als wir sie heute haben."

Der Staat müsse in der Lage sein, "komplizierte internationale Firmenkonstrukte wie Wirecard" effizienter und wirksamer zu kontrollieren. Er habe sein Ministerium beauftragt, ihm in den nächsten Tagen ein Konzept dafür vorzulegen. Sollten rechtliche, gesetzgeberische oder regulatorische Maßnahmen nötig werden, werde man sie ergreifen.

Der in einen Milliardenskandal verstrickte Zahlungsdienstleister Wirecard, der bis vor kurzem eine aus Österreich stammende Firmenspitze hatte, hatte am Donnerstag wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet.

Es stellten sich kritische Fragen an Vorstand und Management und auch die beteiligten Wirtschaftsprüfer, sagte Scholz, der aber auch auf die Rolle der Aufsichtsbehörden zu sprechen kam. "Auch hier müssen die Strukturen durchleucht, mögliche Fehler rasch identifiziert und dann natürlich sofort abgestellt werden."

Er sei dem Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, für seine klaren Worte dankbar und erwarte nun ebenso klare Taten. Hufeld hatte von einem "kompletten Desaster" gesprochen und eingeräumt: "Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert."

Die Wirecard-Insolvenz könnte auch die Austro-Tochter Wirecard Central Eastern Europe mit Sitz in Graz mitreißen. Dort arbeiteten laut Wirtschafts-Compass zuletzt (2019) 130 Menschen. Die Pleite kann auch Töchter treffen, ausgenommen der Wirecard Bank, hieß es von am Donnerstag vom deutschen Konzern.

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