Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Deutsche Autohersteller im Minus, US-Konkurrenten auf Überholspur

Schrumpfende Margen steigern weltweit Druck auf den Automarkt. US-Firmen konnten im ersten Quartal vom Zoll-Chaos profitieren.
Schräg hängender VW ID.3 mit Monteuren in einer Autofabrik von Volkswagen.

Zusammenfassung

  • Deutsche Autohersteller verzeichnen Umsatz- und Gewinneinbrüche, während US-Konkurrenten im ersten Quartal 2026 deutlich zulegen.
  • US-Firmen profitieren vom Zoll-Chaos, während hohe Kosten und Strukturwandel die deutsche Autoindustrie belasten.
  • Die Krise führt zu Sparmaßnahmen und Arbeitsplatzverlusten, vor allem bei Zulieferern, während Standortbedingungen als Hauptproblem genannt werden.

Der internationale Automarkt steht unter Hochdruck. Das zeigt ein neuer Bericht von EY. Die Unternehmensberatung hat die Bilanzen der 19 weltweit größten Autohersteller analysiert. Deutsche Unternehmen verlieren der Auswertung zufolge den Anschluss, während US-Hersteller einen unerwarteten Erfolg verbuchen. Das bringt auch die österreichische Zulieferindustrie in Bedrängnis.

83 Prozent mehr Gewinn für US-Autohersteller

Beim Umsatz verzeichneten die drei deutschen Autobauer Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW im ersten Quartal 2026 einen Rückgang von vier Prozent. US-amerikanische Hersteller legten hingegen um fünf Prozent zu, japanische um vier Prozent, chinesische verloren hingegen um ein Prozent. Beim Gewinn schrieben die deutschen Unternehmen ein Minus von 23 Prozent, während die US-amerikanischen um 83 Prozent mehr verdienten. Chinesische Firmen schrieben beim Gewinn ein Minus von 43 Prozent, japanische gar um 104 Prozent. 

„Krise ist längst nicht überwunden“

Insgesamt sank der Gewinn der 19 großen Hersteller um 32 Prozent. Die durchschnittliche Marge sank von 5,3 auf 3,5 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit dem Corona-Jahr 2020. „Die Krise ist gerade für die deutschen Autokonzerne längst noch nicht überwunden“, sagte Constantin M. Gall, Branchenexperte bei EY. Die deutsche Autoindustrie befinde sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. „Wegfallende Auslandsmärkte, teure Überkapazitäten, hohe Software-Investitionen und ein langsamer Hochlauf der Elektromobilität belasten die Ergebnisse“, so Gall.

Von Zöllen gleich doppelt profitiert

Dass gerade US-Konzerne so eine positive Entwicklung zeigen, liegt vor allem am Zoll-Chaos. Der US-Markt ist durch die Einfuhrzölle einerseits gegen Produkte aus dem Ausland stärker abgeschirmt. Andererseits kippte der Oberste Gerichtshof der USA teilweise Einfuhrzölle, was zu hohen Rückzahlungen an die Hersteller führte. In Japan herrscht unterdessen die Situation, dass die großen Hersteller Toyota und Honda schwächeln, während kleinere Hersteller wie Suzuki, Mitsubishi und Mazda bei Umsatz und Gewinn zulegten.

Suzuki hat die höchste Marge

Im Ranking der profitabelsten Autokonzerne belegt der japanische Hersteller Suzuki der Studie zufolge mit einer Marge von 10,9 Prozent den Spitzenplatz, gefolgt vom US-Branchenprimus General Motors (9,4 Prozent) und Kia (7,5 Prozent) aus Südkorea. BMW kommt mit 6,5 Prozent auf Rang vier, Mercedes-Benz liegt mit 6,0 Prozent auf Platz sechs, Volkswagen mit 3,3 Prozent auf Rang 13.

Viele Arbeitsplätze gehen verloren

Wegen der schwachen Performance der deutschen Autoindustrie werden Sparmaßnahmen intensiviert. Der Verband der Automobilindustrie in Deutschland (VDA) rechnet mit einem Beschäftigungsverlust von 225.000 Arbeitsplätzen bis 2035. „Betroffen sind insbesondere die Zulieferbetriebe, weil auf dem Weg vom Verbrennermotor zur Elektromobilität gerade in der Zulieferindustrie viele Arbeitsplätze verloren gehen werden“, erklärte VDA-Präsidentin Hildegard Müller vor wenigen Tagen.

Bedingungen am Standort sind Hauptfaktor

Ein Grund für das schlechte Abschneiden der deutschen Autoindustrie sei eine „gravierende und anhaltende Standortkrise. “Und die Bedingungen verschlechtern sich zusehends. Hohe Steuern und Abgaben, teure Energie, hohe Lohnkosten, überbordende Bürokratie – die Liste der Herausforderungen ließe sich fortführen“, sagte sie.

Helmut Weinwurm, Österreich-Chef des größten Zulieferers Bosch, bezeichnet die Standortkrise als ein „Fußballspiel bergauf“. In den ersten drei Monaten 2026 sei man jedoch hervorragend gestartet. Für das Gesamtjahr wird ein Umsatzwachstum im einstelligen Bereich, bis fünf Prozent, anvisiert.

Kommentare