Seit 2024 gingen fast 5.000 Jobs in der Autoindustrie verloren

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Österreich als Zulieferland für deutsche Autohersteller stärker betroffen als andere EU-Länder, zeigt eine Auswertung. Kritik an EU-Autopaket.

Zusammenfassung

  • Seit 2024 gingen in Österreich fast 5.000 Jobs in der Autoindustrie verloren, europaweit waren es 166.000 Stellen.
  • Die eFuel Alliance übt Kritik an der EU-Industriepolitik und dem neuen Autopaket: Fokus auf Elektromobilität gefährde Arbeitsplätze und begünstige außereuropäische Hersteller.
  • Die Branchenlobby fordert mehr Anerkennung für alternative Kraftstoffe wie eFuels und warnt vor einer "Zwangsjacke" für Kunden durch E-Auto-Quoten.

In der heimischen Automotive-Industrie sind in den vergangenen zwei Jahren fast 5.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, in der gesamten EU (inklusive Großbritannien und Norwegen) waren es sogar 166.000. Zugleich sind kaum neue Arbeitsplätze entstanden. Über einen Zeitraum von sieben Jahren gibt es damit insgesamt 378.000 von in Summe rund 2,4 Millionen Arbeitsplätze weniger.  Diese Zahlen erhob der Wirtschaftsanalyst Günther Oswald im Auftrag der eFuel Alliance Österreich. Als Datenquelle nutzte er den Restrukturierungsmonitor der EU-Agentur Eurofound.

Österreich zählt beim Jobverlust in der Autoindustrie zu den Ländern mit dem größten Rückgängen und kommt mit einem Nettorückgang seit 2024 von 4.900 Stellen im Ländervergleich auf Rang 5. Mit Abstand am stärksten betroffen ist das Autoland Deutschland mit einem Minus von 108.000 Stellen. Als Hauptgründe für die Jobverluste werden vor allem "Interne Umstrukturierungen" genannt, darunter fällt auch Automatisierung. Dahinter folgen Werksschließungen, Verlagerungen ins Ausland sowie Insolvenzen. 

Prominente Beispiele für Stellenabbau in Österreich waren im Vorjahr Magna Steyr, AVL List, Hella Fahrzeugteile, Engel, Wollsdorf Leder oder ZKW. "In Österreich ist nicht nur die Produktion selbst, sondern auch Zulieferer betroffen", so Oswald. 

Während in Europa die Autoindustrie schrumpft, haben China, Indien und auch die USA mit einer gezielten Standortpolitik zugelegt. Oswald hält daher auch die EU-Industriepolitik für mitverantwortlich am  "Niedergang" des Industriezweiges und warnt: „Der alleinige Fokus auf Elektromobilität wird weiter zigtausende Arbeitsplätze kosten." 

Stephan Schwarzer, Generalsekretär der eFuel Alliance Österreich, kritisiert in diesem Zusammenhang das jüngste, von der EU-Kommission vorgestellte Autopaket als Mogelpackung, weil defacto das E-Auto-Monopol weiter einzementiert werde. Vom versprochenen Pragmatismus für das Erreichen der Klimaziele sei wenig zu sehen, die Räume, die anderen Technologien wie Biokraftstoffen oder eFuels zugestanden werden - nur 3 bzw. 7 Prozent der Neuwagen wären betroffen - seien viel zu klein. Um eine Öffnung zu gewährleisten, müssten nachhaltige Kraftstoffe allein und in Kombination mit Elektroantrieb, "ohne Wenn und Aber sofort Anerkennung finden, nicht erst 2035.“

Auch die Beschaffungspflichten für Elektroautos in Betrieben - ab 2035 müssen 95 Prozent der Neuwagen Elektroantriebe haben - "spiele den Chinesen und Amerikanern in die Hände". Besonders kritisch sieht die eFuel Alliance Österreich die sogenannten Klimastrafen, die laut Branchenkennern mittlerweile auf 16 Milliarden Euro pro Jahr angestiegen sind, aber nicht in europäische Investitionen zurückfließen würden, sondern "außereuropäischen Herstellern helfen, Marktanteile in der EU zu gewinnen". 

Gegen "Zwangsjacke" für Kunden

Grundsätzlich wehrt sich die Branchenlobby der Mineralöl- und Automobilbranche gegen eine Zwangsverpflichtung zum E-Auto. Schwarzer verweist auf die Neuwagenkäufe in der EU, wo der E-Auto-Anteil derzeit bei rund 17 Prozent liegt. Viele Kunden könnten oder wollten aus diversen Gründen kein E-Auto nutzen, sollten sich aber trotzdem klimaverträglich fortbewegen können. Die EU darf Kunden nicht in eine Zwangsjacke stecken". 

Schwarzer hofft nun auf das EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten, das das neue Autopaket noch abgeändert wird. Ansonsten drohe ein weiterer Niedergang der europäischen Autoindustrie mit dem Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen. 

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