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Automarkt Österreich: Branchenbosse über die Zukunft der Mobilität

E-Mobilität, Förderungen, Laden und die Zukunft des Autos: Sechs Autochefs bewerten die Lage der Automobilbranche.
Viele Autos stehen in parallelen Reihen auf einem beleuchteten Parkplatz bei Nacht.

5 Fragen, 30 Antworten: Wie steht es um Österreichs Automarkt – und wohin entwickelt sich die Mobilität der Zukunft? Sechs führende Vertreter aus der Automobilbranche beantworten fünf zentrale Fragen zu E-Mobilität, Förderungen, Ladeinfrastruktur und den Herausforderungen der kommenden Jahre. 

Ein lächelnder Mann im Anzug steht vor einer Wand mit dem Schriftzug „SEAT“ und mehreren Autos im Hintergrund.

Wolfgang Wurm, Geschäftsführung Porsche Austria

KURIER: Die Ausrollung der E-Mobilität in Österreich – wie beurteilen Sie die Lage?  

Wolfgang Wurm: Die E-Mobilität konnte im heurigen Jahr ihren Wachstumskurs weiter fortsetzen - Tendenz steigend. Mittlerweile ist mindestens jedes fünfte Fahrzeug rein elektrisch, jedes dritte in Österreich - BEVs und PHEVs zusammengezählt - verfügt über einen Ladestecker. 2026 wird die E-Mobilität hierzulande durch die Angebotsverbreiterung vor allem in den kleinen, preissensibleren Segmenten weiter stark an Fahrt aufnehmen. Im Volkswagen Konzern bringen wir mit der Small Electric Urban Car Family bei den Marken CUPRA, VW und SKODA insgesamt fünf neue, innovative BEVs mit einem Einstiegspreis von rund 25.000 Euro in den Markt. 

Wie sehr soll E-Mobilität weiter gestützt werden? Ist die Abschaffung von Anreizen richtig? 

Langfristige und verlässliche Förderungen und Incentives sind notwendig, um neuen Technologien zum Durchbruch respektive zu einer relevanten Marktgröße zu verhelfen. Hier agiert der Staat leider mit einer kurzfristigen Ho-Ruck-Mentalität, um Budgetmittel zu lukrieren und erschüttert so das Investment und Vertrauen der Privatkunden und Flotten- sowie Unternehmerkunden in eine Technologie, die in großem Maße dazu beiträgt, die langfristigen CO2-Ziele des Staates zu erzielen. Aktuell gilt es neben der Abschaffung der staatlichen Förderung und der Einführung der motorbezogenen Versicherungssteuer für E-Autos für Unternehmer wie auch für Dienstwagenfahrer vorerst einmal auch den erhöhten Sachbezug zu verdauen. Interessanterweise treffen die staatlichen Belastungen die E-Mobilität, den größten und stärksten Hebel zur Reduktion von CO2, aktuell am stärksten.

Wie geht es der Automobilwirtschaft in Österreich, in Europa? Was ist jetzt  zu tun? 

Aus Sicht der Automobilwirtschaft brauchen wir grundsätzlich planbare und verlässliche Rahmenbedingungen sowie ein klares Komittment seitens des Staates zum Industriestandort sowie zur Mobilitätswende. Wir brauchen auch kein ewiges Hin- und Her, was die Transformation der Mobilität betrifft. Wir brauchen neben leistbaren Produktions- und Energiekosten auch weniger Bürokratie und weniger Komplexität in den Regeln. Die Autoindustrie ist die letzte Leitindustrie Europas, die Arbeitsplätze und Wohlstand sichert. Das gilt es auch durch einen Standort, der Aus- und Weiterbildung sowie Innovationen fördert abzusichern. Wir können uns keinen weiteren Rückschritt mehr leisten, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Wichtig für uns ist auch die Wertschöpfungskette z.B. bei der Batterieherstellung wieder stärker nach Europa zurückzuholen.

Zur Ladeinfrastruktur: Wie ist Österreich hier aufgestellt? Was braucht es noch?

Entlang der Hauptverkehrsrouten verfügt Österreich bereits über ein breit ausgebautes und leistungsfähiges Ladenetz. Aufhol- bzw. Investitionsbedarf sehen wir vor allem in den großen Städten - allen voran Wien, wo viele, die entlang der Straße parken müssen oder in Mietwohnungen leben, nicht "einfach" laden können. Während die Neuzulassungen von E-Autos auf einen Anteil von 25 Prozent gestiegen sind, ist zum Beispiel die Ladeinfrastruktur nur um vier Prozent gewachsen. Wir brauchen bei der Ladeinfrastruktur mehr Geschwindigkeit vor allem im innerstädtischen Bereich sowie bei den Genehmigungsverfahren für Lademöglichkeiten bei Mietwohnungen.

Welche Zukunft sehen Sie für das Auto? Wer wird in Zukunft noch ein Auto haben? 

Die Mobilität ist ein Grundbedürfnis, das leistbar bleiben muss - sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb. Leistbare Einstiegsmodelle haben deshalb bei uns sowohl als ICE als auch als BEV oberste Priorität, wie das Beispiel unserer neuen vollelektrischen Modelle um rund 25.000 Euro zeigt. Wir demokratisieren die (E-)Mobilität und tragen so unseren Teil zur Sicherung der Mobilität über Generationen bei. Individuelle Mobilität ist ein Grundbedürfnis und darf auch kein Privileg von einzelnen sein - egal ob in der Stadt oder am Land. Hinzu kommt, dass durch die Schwäche des öffentlichen Verkehrs abseits des urbanen Raums das Auto nach wie vor die beste Lösung für viele bleiben wird, um von A nach B zu kommen. Wir werden das Auto noch lange als wichtigstes Fortbewegungsmittel sehen. 

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Ralf Benecke, Direktor, Dacia, Renault, Alpine Österreich

KURIER: Die Ausrollung der E-Mobilität in Österreich – wie beurteilen Sie die Lage?  

Ralf Benecke, Direktor: Die Elektromobilität entwickelt sich in Österreich insgesamt positiv, mit steigender Nachfrage sowohl bei Privat- als auch Firmenkunden. Entscheidend ist, dass wir bereits sehen, dass Elektrofahrzeuge zunehmend in der Breite der Gesellschaft ankommen. Für 2026 erwarte ich eine weitere Beschleunigung durch neue, erschwingliche Modelle. Renault und Dacia bieten bereits jetzt schon im A-Segment erschwingliche Elektroautos an, wie zum Beispiel der neue Renault Twingo. Und Dacia wird noch ein weiteres A-Segment-Modell im zweiten Halbjahr 2026 vorstellen – beide Modelle unter 20.000 Euro. Gerade diese Fahrzeuge im Einstiegssegment werden die Transformation weiter vorantreiben. Wir haben als Renault Group die Ambitionen die Vorreiter-Rolle in der E-Mobilität weiter auszubauen.

Wie sehr soll E-Mobilität weiter gestützt werden? Ist die Abschaffung von Anreizen richtig? 

Nein, das ist für mich ein Abbiegen in die falsche Richtung. Die Transformation zur Elektromobilität braucht weiterhin klare und verlässliche Rahmenbedingungen. Förderungen und steuerliche Anreize haben in der Vergangenheit wesentlich zur Marktentwicklung beigetragen und bleiben ein wichtiger Hebel. Gleichzeitig geht es nicht nur um finanzielle Unterstützung, sondern auch um Planungssicherheit für Kunden und Unternehmen. Ein abrupter Rückzug von Anreizen oder neue Steuern für E-Autos kann die Dynamik wieder bremsen. 

Wie geht es der Automobilwirtschaft in Österreich, in Europa? Was ist jetzt  zu tun? 

Die Automobilindustrie steht europaweit unter hohem Transformationsdruck, insbesondere durch regulatorische Anforderungen, Elektrifizierung, und steigenden Wettbewerbsdruck. Gleichzeitig ist sie eine Schlüsselindustrie mit enormer Innovationskraft. Entscheidend ist jetzt, die richtigen Investitionen in Technologie, Produktion und Lieferketten in und für Europa zu sichern. Die Renault Group hat mit ihrem neuen Strategieplan „futurREady“ klar unter Beweis gestellt, dass auch europäische Hersteller in der Lage sind, innerhalb kürzester Zeit – in rund zwei Jahren – neue Modelle zu entwickeln und zur Serienreife zu bringen - und zwar Made in Europe.  Wir beweisen: Elektromobilität kann „Made in Europe“ bleiben – und zugleich für breite Kundenschichten leistbar sein, dafür steht die Renault Group.

Zur Ladeinfrastruktur: Wie ist Österreich hier aufgestellt? Was braucht es noch?

Die Ladeinfrastruktur in Österreich ist viel besser als die meisten Österreicher glauben – auch im Europavergleich. Dennoch müssen wir den Ausbau weiter beschleunigen, insbesondere im urbanen Raum und entlang der Hauptverkehrsachsen. Ziel muss zum einen ein flächendeckendes Ladeerlebnis sein und zum anderen ein einfacher Zugang zur E‑Mobilität für die Kundinnen und Kunden. Nur so schaffen wir es, die Akzeptanz zu steigern. Und im Zuge von futuREady werden wir auch in naher Zukunft weitere konkrete Maßnahmen dazu präsentieren. 

Welche Zukunft sehen Sie für das Auto? Wer wird in Zukunft noch ein Auto haben? 

Ich bin überzeugt, dass individuelle Mobilität auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen wird. Sie wird sich jedoch deutlich verändern: elektrischer, vernetzter und ergänzt durch neue Mobilitätslösungen. Gleichzeitig bleibt das Bedürfnis, flexibel und selbstbestimmt von A nach B zu kommen, bestehen. Das Auto wird zudem stärker Teil eines integrierten Energie- und Mobilitätssystems sein. Gerade innovative Technologien wie bidirektionales Laden zeigen, welches Potenzial hier noch entsteht.

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Alexander Bamberger, Geschäftsführung BMW Austria

KURIER: Die Ausrollung der E-Mobilität in Österreich – wie beurteilen Sie die Lage?  

Alexander Bamberger: Die Entwicklung der Elektromobilität in Österreich ist grundsätzlich positiv – wir sehen steigende Zulassungszahlen und ein wachsendes Interesse der Kunden. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sagen: Der Hochlauf braucht weiterhin gezielte Impulse. 2026 wird für uns ein wichtiges Jahr, weil mit der Neuen Klasse und Modellen wie dem BMW iX3 die nächste Generation auf die Straße kommt – technologisch ein echter Sprung. Entscheidend ist jedoch, dass die Transformation nicht von selbst passiert. Wenn wir wollen, dass sich Elektromobilität nachhaltig durchsetzt, brauchen wir vor allem Planungssicherheit und die richtigen Rahmenbedingungen – insbesondere Infrastruktur.

Wie sehr soll E-Mobilität weiter gestützt werden? Ist die Abschaffung von Anreizen richtig? 

Grundsätzlich sehen wir Markteingriffe kritisch. Aber: Die bisherigen Entwicklungen zeigen sehr klar, dass die Elektromobilität stark auf politische Rahmenbedingungen reagiert. Kaufanreize und steuerliche Vorteile haben einen entscheidenden Beitrag geleistet. Ob der jetzige Zeitpunkt für einen vollständigen Rückzug dieser Anreize richtig ist, sehe ich kritisch. Wir dürfen nicht vergessen: Die Transformation ist noch nicht abgeschlossen. Wenn wir jetzt zu früh bremsen, riskieren wir, dass sich die Dynamik deutlich verlangsamt. E‑Mobilität muss zunehmend aus eigener Stärke kommen – aber der Übergang braucht weiterhin gezielte Unterstützung und Anreize.

Wie geht es der Automobilwirtschaft in Österreich, in Europa? Was ist jetzt  zu tun? 

Die BMW Group steht in Österreich wirtschaftlich sehr stabil da – wir haben 2025 ein Rekordjahr erzielt und investieren weiterhin massiv in den Standort. Gleichzeitig müssen wir den Blick auf das große Ganze richten: Das automotive Ökosystem in Europa steht unter massivem Druck – insbesondere in der Zulieferindustrie. Was jetzt dringend notwendig ist: 

  • Industriepolitik, die den Standort Österreich und Europa nachhaltig stärkt
  • Technologieoffenheit statt einseitiger Vorgaben
  • Orientierung an realen Kundenbedürfnissen

Denn eines ist klar: Wenn sich Regulierung zu weit von der Marktrealität entfernt, riskieren wir Beschäftigung, Wertschöpfung aber vor allem Wohlstand in Europa.

Zur Ladeinfrastruktur: Wie ist Österreich hier aufgestellt? Was braucht es noch?

Die Ladeinfrastruktur ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Elektromobilität. Wir sind in Österreich auf einem guten Weg. Der Ausbau – insbesondere von Schnellladeinfrastruktur – muss dennoch deutlich schneller vorangehen. Denn am Ende entscheidet der Kunde sehr pragmatisch: Kann ich mein Fahrzeug im Alltag zuverlässig laden – oder nicht? Nur wenn diese Alltagstauglichkeit gewährleistet ist, wird sich Elektromobilität flächendeckend durchsetzen. Was bisher fehlt, ist die Preistransparenz an der Ladesäule. Zum Teil weiß der Kunde nicht einmal nach erfolgter Ladung, was diese gekostet hat.

Welche Zukunft sehen Sie für das Auto? Wer wird in Zukunft noch ein Auto haben? 

Das Auto wird natürlich auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen – insbesondere im Individualverkehr. Was sich verändert, ist nicht die Bedeutung des Autos, sondern die Art des Antriebs und die Vielfalt der Lösungen. Unser Zugang ist klar: Technologieoffenheit. Wir setzen bewusst auf ein breites Portfolio – vom vollelektrischen Fahrzeug über Plug-in-Hybride bis hin zu Verbrennern mit erneuerbaren Kraftstoffen und künftig auch Wasserstoff. Warum? Weil die Anforderungen unterschiedlich sind – regional, infrastrukturell und vor allem im Nutzungsverhalten. Das Auto bleibt wichtig – aber es wird vielfältiger, nachhaltiger und stärker an den individuellen Bedarf angepasst.

Agnieszka Kühn, CEO   Mercedes-Benz Österreich steht vor einem Mercedes Logo.

Agnieszka Kühn, CEO Mercedes-Benz Österreich

KURIER: Die Ausrollung der E-Mobilität in Österreich – wie beurteilen Sie die Lage?  

Agnieszka Kühn: Die Transformation hin zur Elektromobilität ist längst keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität. Wir sehen, dass sich das Angebot an attraktiven Fahrzeugen massiv erweitert und gleichzeitig die Technologie enorme Fortschritte macht – bei Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Alltagstauglichkeit. 2026 wird dabei ein besonders wichtiges Jahr: Die nächste Generation elektrischer Fahrzeuge bringt Elektromobilität endgültig in die Breite.

Mercedes-Benz unterstreicht diesen Wandel mit dem größten vollelektrischen Produktfeuerwerk der Unternehmensgeschichte: In den Jahren 2026 und 2027 bringen wir zahlreiche neue bzw. weiterentwickelte vollelektrische Modelle auf den Markt. Mit dem neuen CLA auf Basis unserer Mercedes-Benz Electric Architecture haben wir eine neue Ära bei Mercedes-Benz eingeläutet. Diese Technologieplattform bildet die Grundlage für alle weiteren vollelektrischen Modelle – von zentralen Segmenten wie GLC und C-Klasse bis hin zu Mercedes-AMG. Damit zeigen wir, dass Elektromobilität längst nicht mehr Verzicht bedeutet, sondern Begehrlichkeit, Innovation und Alltagstauglichkeit auf höchstem Niveau vereint.

Für uns ist klar: Die Zukunft des Automobils ist elektrisch – und sie wird immer sichtbarer auf Österreichs Straßen.

Wie sehr soll E-Mobilität weiter gestützt werden? Ist die Abschaffung von Anreizen richtig? 

Transformation braucht Verlässlichkeit. Elektromobilität ist eine Schlüsseltechnologie für die Dekarbonisierung des Verkehrs und damit ein zentraler Hebel für den Wirtschafts- und Industriestandort Europa. Gerade in einer Phase, in der sich der Markt noch im Hochlauf befindet, sind stabile Rahmenbedingungen essenziell. Förderungen und steuerliche Anreize haben wesentlich dazu beigetragen, Elektromobilität schneller in den Alltag der Menschen und Unternehmen zu bringen. Aus unserer Sicht braucht es daher weiterhin Maßnahmen, die Planungssicherheit schaffen und Investitionen erleichtern – insbesondere im gewerblichen Bereich und bei Flotten. Denn gerade dort kann Transformation besonders schnell Wirkung entfalten.

Wie geht es der Automobilwirtschaft in Österreich, in Europa? Was ist jetzt  zu tun? 

Die europäische Automobilindustrie befindet sich mitten in der größten Transformation ihrer Geschichte. Gleichzeitig stehen wir unter enormem Wettbewerbsdruck – technologisch, wirtschaftlich und geopolitisch. Europa muss jetzt konsequent seine industrielle Stärke absichern: durch schnellere Genehmigungsverfahren, wettbewerbsfähige Energiepreise, gezielte Innovationsförderung und einen klaren Fokus auf Digitalisierung und Softwarekompetenz.

Gerade Österreich zeigt, welche enorme Bedeutung die Automobilindustrie für Beschäftigung, Innovation und Wertschöpfung hat. Ein starkes Beispiel dafür ist der Produktionsstandort Graz, an dem die Mercedes-Benz G-Klasse gefertigt wird – ein ikonisches Fahrzeug mit weltweiter Strahlkraft. Solche Standorte sichern tausende Arbeitsplätze direkt und indirekt und stehen sinnbildlich für die hohe industrielle Kompetenz Europas.

Die Automobilindustrie ist und bleibt eine Schlüsselbranche für unseren Wirtschaftsstandort. Deshalb braucht es jetzt vor allem eines: Mut zu langfristigen industriepolitischen Entscheidungen und ein klares Bekenntnis zum Standort Europa – damit Wertschöpfung, Innovation und Arbeitsplätze auch künftig in Europa bleiben.

Zur Ladeinfrastruktur: Wie ist Österreich hier aufgestellt? Was braucht es noch?

Österreich hat in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte beim Ausbau der Ladeinfrastruktur gemacht. Gleichzeitig entscheidet sich genau hier, wie schnell Elektromobilität tatsächlich in der Breite ankommt. Laden muss so selbstverständlich werden wie Tanken – einfach, flächendeckend und niederschwellig. Besonders im urbanen Raum sowie entlang wichtiger Transit- und Pendelachsen sehen wir weiterhin Ausbaubedarf. Entscheidend wird zudem sein, Genehmigungsprozesse zu vereinfachen und den Ausbau von Schnellladeinfrastruktur weiter zu beschleunigen.

Gleichzeitig investieren wir als Hersteller auch selbst massiv in das Ladeerlebnis unserer Kundinnen und Kunden. Mit unseren eigenen Mercedes-Benz Ladeparks – MB.CHARGE Public – schaffen wir ein Premium-Ladeumfeld mit besonders leistungsstarker Schnellladeinfrastruktur, einfacher digitaler Integration und hoher Zuverlässigkeit. Denn Elektromobilität funktioniert dann erfolgreich, wenn Fahrzeug, Energieversorgung und Infrastruktur gemeinsam gedacht werden.

Welche Zukunft sehen Sie für das Auto? Wer wird in Zukunft noch ein Auto haben? 

Das Auto wird auch in Zukunft ein zentraler Bestandteil individueller Mobilität bleiben – allerdings intelligenter, vernetzter und nachhaltiger als je zuvor. Gerade in einem Land wie Österreich, mit starken ländlichen Regionen, bleibt individuelle Mobilität für viele Menschen unverzichtbar. Gleichzeitig verändert sich die Rolle des Fahrzeugs: Es wird zunehmend zum digitalen Begleiter und persönlichen Lebensraum. Menschen erwarten heute nicht nur Mobilität von A nach B, sondern Komfort, Sicherheit, Flexibilität und ein nahtloses digitales Erlebnis.

Gerade im Premiumsegment sehen wir weiterhin eine starke emotionale Bindung zum Automobil. Für viele Menschen ist das Auto Ausdruck von Freiheit, Individualität und persönlichem Lebensstil. Mit unserem Markenversprechen „Willkommen zu Hause verfolgen wir genau diesen Ansatz: Das Fahrzeug soll sich wie ein vertrauter Ort anfühlen – ein Raum, der Komfort, Sicherheit und Geborgenheit vermittelt.

Nach 140 Jahren Automobilgeschichte glauben wir daher mehr denn je an die Zukunft individueller Mobilität – nur eben in einer neuen, nachhaltigen und noch stärker kundenzentrierten Form.

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Roland Punzengruber, Direktor Hyundai Österreich

KURIER: Die Ausrollung der E-Mobilität in Österreich – wie beurteilen Sie die Lage?  

Roland Punzengruber: Die E-Mobilität hat in Österreich in den letzten Jahren bereits deutlich Fahrt aufgenommen und wird 2026 noch mehr an Dynamik bekommen. Neben Flotten und urbanen Regionen wird der Wandel mittlerweile stark von Privatkunden auch in ländlicheren Gebieten vorangetrieben. Wir sehen, dass die Modellvielfalt steigt, die Reichweiten der Fahrzeuge zunehmen und die Infrastruktur mittlerweile flächendeckend vorhanden ist. Die Restwerte haben sich stabilisiert und somit sind die TCO´s der E-Fahrzeuge den fossilen Fahrzeugen überlegen. Entscheidend für die weitere Entwicklung bleibt aber die Planbarkeit. Unternehmen und Konsumenten brauchen klare, verlässliche Rahmenbedingungen.  Hier ist die Regierung gefordert entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. 

Wie sehr soll E-Mobilität weiter gestützt werden? Ist die Abschaffung von Anreizen richtig? 

Neue Technologie sollte klug, zielgerichtet und befristet unterstützt werden. Eine abrupte Abschaffung aller Anreize (Kaufprämie, Versicherungssteuer, Sachbezug) halte ich nicht für den richtigen Weg. Besser ist ein transparenter Pfad mit definierten Meilensteinen. Praktisch heißt das.

  • Kaufprämien schrittweise reduzieren und stärker auf einkommensschwächere Haushalte sowie Nutzanwendungen mit hoher Wirkung (z. B. gewerbliche Flotten) fokussieren.
  • Steuerliche Vorteile für emissionsfreie Dienstwagen planbar fortführen. Beim Thema Sachbezug braucht es Klarheit und Kontinuität, damit Unternehmen und Mitarbeiter langfristig entscheiden können.
  • Mehr Unterstützung in Betrieb und Infrastruktur statt ausschließlich beim Kauf, intelligente Ladepunkte, Lastmanagement, Netzanschlüsse, sowie Förderungen für das Laden zu Hause und am Arbeitsplatz. 

Wie geht es der Automobilwirtschaft in Österreich, in Europa? Was ist jetzt  zu tun? 

Die Branche hat sich nach Lieferkettenstörungen stabilisiert, steht aber trotz steigender Absatzzahlen unter Druck: hohe Kosten, hohe Kapitalbindung, intensiver Wettbewerb (Großteils durch neue Anbieter) und dadurch massiver Margendruck und zunehmende Regulierung widerspiegeln sowohl in Europa wie auch in Österreich die herausfordernde Lage der Autobranche. Dringend notwendig sind Planungssicherheit bei Regulierung und Steuern, weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungen. Darüber hinaus ist ein fairer Wettbewerb und eine finanziell vernünftige Incentive-Landschaften notwendig, damit die Branche Innovationskraft und Wertschöpfung halten können. 

Zur Ladeinfrastruktur: Wie ist Österreich hier aufgestellt? Was braucht es noch?

In den letzten Jahren ist hier sehr viel geschehen.  Mit knapp 40.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten, davon rund 10% Schnellader, ist Österreich bereits sehr gut entwickelt, und erlaubt die batterieelektrische Fortbewegung ohne Einschränkungen. Für eine breitere Akzeptanz fehlt nur noch Verlässlichkeit und Transparenz beim Laden: hohe Verfügbarkeit, einheitliche Bezahlstandards und klare, vergleichbare Preise. Aber auch hier ist bereits vieles im Entstehen. 

Welche Zukunft sehen Sie für das Auto? Wer wird in Zukunft noch ein Auto haben?

Das Auto bleibt wichtig, aber seine Rolle wird sich weiter verschieben. Der Trend hin  zu emissionsfreien (EV) und emissionsarmen (HEV / PHEV) Fahrzeugen ist bereits gestartet und wird sich in den nächsten Jahren exponentiell entwickeln.  In Städten wird sich die geteilte und kombinierte Mobilität kontinuierlich weiterentwickeln, während auf dem Land der eigene Fahrzeugbesitz für viele unverzichtbar bleiben wird. Gleichzeitig wird „Nutzen statt Besitzen“ wichtiger: Abo-Modelle, Carsharing und flexible Leasinglösungen werden weiter zunehmen. Für uns als Branche heißt das, kundenzentrierte Angebote über den gesamten Lebenszyklus, vom Neuwagen über Gebrauchtfahrzeuge bis zu Mobilitätsdiensten und konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und digitale Services. 

Danijel Dzihic, Managing Director BYD Austria, sieht Kundendienst als Basis für den Erfolg.

Danijel Dzihic, Managing Director BYD Austria, sieht Kundendienst als Basis für den Erfolg.

Danijel Dzihic, Managing Director  BYD Österreich

KURIER: Die Ausrollung der E-Mobilität in Österreich – wie beurteilen Sie die Lage?  

Danijel Dzihic: Aus unserer Perspektive ist die E-Mobilität klar in der breiten Bevölkerung angekommen, aber die Transformation braucht weiter Tempo bei Ladeinfrastruktur, Leistbarkeit und Planungssicherheit, damit wir die Basis schaffen um den E-Autoanteil von derzeit 25 auf 50 % steigern zu können. Produkttechnisch sind wir sicher dass 2026 ein Jahr der Skalierung wird: mehr Modelle, mehr Wettbewerb und stärkerer Fokus auf Leistbarkeit und alltagstaugliche Reichweiten. BYD wird hier weiter einiges dazu beitragen, Elektromobilität nicht als Nische, sondern als verlässliche, leistbare und technologisch führende Mobilitätslösung auf Österreichs Straßen zu etablieren. 

Wie sehr soll E-Mobilität weiter gestützt werden? Ist die Abschaffung von Anreizen richtig? 

Neue Technologie brauchen keine Dauersubventionen, viel wichtiger sind stabile und planbare Rahmenbedingungen bis der Markt sie wirklich aus eigener Kraft trägt. Dennoch kommt die Abschaffung zentraler Anreize zu früh, wenn gleichzeitig Ladeinfrastruktur, Anschaffungskosten und Konsumentenvertrauen noch im Aufbau sind. Gerade steuerliche Vorteile wie der 0-Euro-Sachbezug für E-Dienstwagen wären hier weiterhin ein wichtiger Hebel für den Flottenmarkt. Den jetzt abzudrehen ist sicherlich kein intelligenter Schritt - vor allem weil es ja nur 180 Millionen Euro in die Staatskassen spülen soll - Peanuts im Vergleich zu den drohenden Milliardenstrafen wenn wir die Klimaziele nicht erreichen. Sinnvoll wäre daher kein abruptes Ende, sondern ein schrittweiser, berechenbarer Übergang, der Investitionssicherheit schafft und die Transformation beschleunigt, nicht am Beginn des echten Hochlaufs ausbremst. 

Wie geht es der Automobilwirtschaft in Österreich, in Europa? Was ist jetzt  zu tun? 

Die Automobilwirtschaft in Europa steht mitten in der größten Transformation ihrer Geschichte – zwischen Elektromobilität, Digitalisierung und massivem globalem Verschiebungen. Asien - insbesondere China - ist zum Taktgeber der Branche geworden, gleichzeitig erschweren Zölle, Protektionismus und kriegerische Konflikte den Handel für alle. Auch die Bürokratie in Europa wird für hiesige Unternehmen zunehmend zur Belastung und bremst damit die Wettbewerbsfähigkeit. Wichtig ist auch, dass wir die Wertschöpfung in Europa halten - hier macht BYD mit dem Werk in Ungarn und dem europäischen Supplier-Netzwerk inkl. Stahl aus Österreich sicherlich schon vieles richtig um sich als Europa-Brand aufzustellen. 

Zur Ladeinfrastruktur: Wie ist Österreich hier aufgestellt? Was braucht es noch?

Österreich ist im Europa-Vergleich schon sehr gut aufgestellt - aber um wirklich zukunftsfit zu werden, braucht es einen weiteren Ausbau. Vor allem Schnellladestationen fehlen in den Ballungsgebieten, dazu werden wir auch noch weitere AC-Ladepunkte für das öffentliche Laden über Nacht brauchen. 2027 wird BYD sein pufferspeicherbasiertes "Flash Charging"-Netzwerk in Österreich beginnen aufzubauen, das nur rund 100 kW Anschlussleistung benötigt, aber bis zu 1.000 kW DC-Ladeleistung bietet. Derzeit sind wir intensiv auf Standortsuche und in Gesprächen mit Kooperationspartnern. 

Welche Zukunft sehen Sie für das Auto? Wer wird in Zukunft noch ein Auto haben?

Für viele wird es Ausdruck von Freiheit, Alltagstauglichkeit und Unabhängigkeit bleiben, während jüngere Generationen stärker auf Nutzung statt Besitz schauen und Mobilität flexibler kombinieren werden. Aus unserer Sicht wird die Zukunft daher nicht „Auto, oder kein Auto?“ lauten, sondern eine vernetzte, nachhaltige und leistbare Mobilität abbilden – mit dem E-Auto als zentralem Baustein. 

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