Die EZB lässt ihre Maßnahmen unverändert

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
03/04/2021

Der Vormarsch der Negativzinsen

Banken geben wegen Niedrigzinspolitik der EZB Negativzinsen stärker an Firmenkunden weiter.

von Anita Kiefer

Das Niedrigzinsumfeld gepaart mit schlechten Managemententscheidungen hat der niederländischen ING offenbar ihr Privatkundengeschäft in Österreich gekostet. Am Dienstag wurde bekannt, dass die Bank ebendieses bis Ende 2021 auflässt. 550.000 Kunden müssen sich jetzt eine neue finanzielle Bleibe suchen. 430.000 Kunden hatten reine Sparkonten – und die sind aus Bankensicht nicht lukrativ. Der Grund: Jedes Bankinstitut ist verpflichtet, für bei der EZB geparkte Spareinlagen sowohl von privaten als auch institutionellen Kunden Negativzinsen zu zahlen.

Die EZB möchte aber, dass die Banken ihr Geld in Form von günstigen Krediten in die Wirtschaft bringen. Um die Konjunktur anzukurbeln, so die Idee. Deutsche Banken holen sich laut Medienberichten diese Negativzinsen immer öfter auch von ihren Privatkunden zurück. In Österreich sind Negativzinsen auf Spareinlagen kraft eines OGH-Urteils aus dem Jahr 2009 nicht erlaubt. Gemeint sind Geldeinlagen bei Kreditinstituten, die nicht dem Zahlungsverkehr dienen.

Weiterverrechnung an Firmenkunden

Bei Firmenkunden werden diese Negativzinsen aber auch in Österreich weiterverrechnet. Dazu haben sich die wichtigsten Banken schrittweise entschieden, wie ein Rundruf des KURIER zeigt. Eine der ersten, die das offiziell bestätigte, war im Vorjahr die Oberbank, die ab einer Einlage von 100.000 Euro 0,5 Prozent an Negativzinsen verrechnet.

Bedeckt gibt man sich dazu bei den Volksbanken. Negativzinsen würden vor allem große Kunden betreffen, die nur Einlagen hätten, so ein Sprecher. Die RBI gibt an, dass man versucht, alternative Lösungen zu erarbeiten, „was im derzeitigen Zinsumfeld schwierig ist.“ Die Bank Austria verrechnet eine „Verwahrgebühr für große Guthaben“. Genauere Angaben macht die Bank nicht.

"Täglicher Stresstest"

Systematisch beginnt aktuell die Erste Group mit der Einführung von Negativzinsen. Details zu Höhe der Zinsen oder des Betrags, ab dem eingehoben wird, werden nicht verraten. Nur so viel: Unter 100.000 Euro werde keine Gebühr verrechnet. Aktuell würden die Firmenkunden von ihren Beratern kontaktiert. Bei der Raiffeisen NÖ-Wien wird ab 1. März 2021 ab 100.001 Euro ein Verwahrentgelt in Höhe von 0,5 Prozent pro Jahr verrechnet. Alle Banken betonen, dass sie nach individuellen Lösungen mit ihren Kunden suchen.

„Die europäische Geldpolitik ist für Sparer, aber auch für Banken der tägliche Stresstest. Covid hat das verschärft“, erklärt Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Sparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Österreich, diese Entwicklung. Die Entscheidung, ob Negativzinsen eingehoben werden, liege bei jeder Bank.

Bei den Privaten sind Negativzinsen auf Sparkonten wie gesagt nicht möglich. Dass Negativzinsen hingegen auf Girokonten eingehoben werden könnten, will Bernd Lausecker vom VKI nicht ausschließen. Praktisch wird das aber nicht gemacht, wie Lausecker und auch einige Banken auf Rückfrage bestätigen. Was wohl schlicht faktische Gründe hat: Immerhin könnten hohe Einlagen auf Girokonten einfach auf ein Sparkonto transferiert werden.

Steigende Gebühren

Irgendwie müssen Banken aber auch bei den Privaten zu ihrem Geld kommen. Und das tun sie offenbar auch über Gebührenerhöhungen, wie eine Auswertung der Arbeiterkammer zeigt: Die Kosten für Normalnutzer bei Neuabschluss sind seit 2014 im Schnitt um gut 40 Prozent gestiegen. Lagen die Kosten 2014 bei rund 20 Wiener Banken im Schnitt noch bei 87,56 Euro, sind es heuer bereits 123,90 Euro pro Jahr.

VKI-Experte Lausecker kennt noch ein anderes Problem. Vereinzelt würden ihn Anfragen von Kunden erreichen, denen die Eröffnung eines reinen Sparkontos bei einer Bank verwehrt bleibt. Als Konsumentenschützer könne er hier wenig tun. „Es gibt kein Recht auf ein Sparbuch.“ Womit man wieder bei der ING wäre.

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