Wirtschaft
22.11.2016

Der Roboter als Finanzberater

Der deutsche Robo-Advisor Ginmon will jetzt auch Kunden aus Österreich gewinnen.

Die einen verkaufen ihre Aktie zu spät, weil sie sich nicht eingestehen wollen, dass sie die Entwicklung falsch eingeschätzt haben. Die anderen steigen viel zu spät ein und machen nur noch einen Teil des Aufschwungs mit. Emotionen machen vielen Anlegern einen Strich durch die erhoffte Rendite. Für Lars Reiner, damals noch Mitarbeiter der Deutschen Bank, ein Grund, sich nach Alternativen umzusehen. Beim Arbeitgeber wurde er nicht fündig, daher machte er sich mit Freunden selbstständig und gründete 2014 Ginmon.

Diese Plattform ist ein sogenannter "Robo-Advisor", also eine Art voll automatisierte Anlageberatung. Je nach Risikoprofil des Anlegers stellt Ginmon automatisch ein Portfolio aus ETF (börsenotierte Investmentfonds) und Indexfonds zusammen. Der Robo-Advisor berücksichtigt dabei die Portfolio-Theorie von Eugene Fama, der 2013 – gemeinsam mit Robert Shiller – den Wirtschaftsnobelpreis bekommen hat. "Es lohnt sich nicht, den Markt infrage zu stellen und dagegen zu wetten", fasst Ginmon-Chef Reiner Famas Theorie zusammen. Ein eigens entwickelter Algorithmus sorgt dafür, dass der Anleger sein Rendite-Risiko-Profil jederzeit beibehält. Im Rückblick traut sich Reiner zu sagen: "Der Roboter schlägt die meisten aktiven Fondsmanager, auf lange Sicht so gut wie jeden." Das Anlegerrisiko soll auch dadurch reduziert werden, dass weltweit investiert wird. Über die verwendeten Portfolio-Bausteine gibt es Zugang zu rund 10.000 Einzeltiteln.

Depot bei DAB Bank

Rein praktisch müssen Kunden, die sich des Robo-Advisors bedienen wollen, ein Depot bei der DAB Bank in München eröffnen. "Alles online von der Couch aus", betont Reiner. Die Grundgebühr für Transaktionen und Depotführung macht 0,39 Prozent der Anlagesumme pro Jahr aus. Wirft das Portfolio Gewinne ab, gehören zehn Prozent davon Ginmon als Erfolgsbeteiligung. Die Portfolios gibt es auch als Sparplan.

Vor Verlusten können aber auch emotionslose Roboter nicht schützen. Hätte es Ginmon in der Finanzkrise schon gegeben, hätten die Portfolios, je nach Risiko, maximale Verluste von sieben bis 35 Prozent gebracht. "Die Wahrscheinlichkeit von Verlusten ist aber deutlich reduziert", betont Reiner.