Crowdinvesting: Hohe Zinsen, viele Ausfälle
Es klang einfach zu gut, um wahr zu sein. Jährliche Renditen von acht Prozent und mehr wurden versprochen bei einer Investitionsperiode von in der Regel nur zwei bis drei Jahren. Was sollte da schon schiefgehen?
Einiges, wie sich mittlerweile herausgestellt hat. Konkret ist die Rede von Crowdinvesting, im Speziellen für Immobilienprojekte. Die Probleme begannen, als 2022 die Nullzinsphase endete und die Zinsen abrupt nach oben schossen. Das bewirkte eine Krise am Immobilienmarkt, die auch von der Crowd, also einer Schwarmfinanzierung aus einer Menge an Kleinanlegern finanzierte Entwicklungen betraf.
Die Folge: Vor allem kleinere Betreiber konnten die Kosten (auch wegen der Inflation) nicht mehr stemmen. Zunächst blieben die Zinszahlungen an Investoren aus, später gingen die Gesellschaften pleite. Wie viele Crowdfinanzierer betroffen sind, lässt sich nicht beziffern. Aber je Projekt waren oft bis zu 1.000 private Geldgeber engagiert. In Summe dürften also zig Millionen Euro verloren sein. Denn beim Crowdinvesting handelt es sich um nachrangige Darlehen. Sprich: Diese werden als Letztes aus der (oft ohnehin nicht vorhandenen) Konkursmasse bedient.
Die Gelder wurden über entsprechende Internetplattformen eingesammelt. Eine davon, Rendity, schließt nun für immer ihre virtuellen Pforten. Investments wurden schon seit 2024 nicht mehr vermittelt.
„Dass nun ein so prägender Marktteilnehmer verschwindet, ist keine gute Nachricht für den österreichischen Crowdinvesting-Markt“, sagt Andreas Zederbauer, Vorstand des Mitbewerbers dagobertinvest.
Breitere Streuung
Dieser ist wie Rendity ausschließlich auf Immobilien konzentriert, unterscheidet sich aber laut Zederbauer dennoch maßgeblich. „Wir vergeben keine qualifizierten Nachrangdarlehen mehr. Neue Regularien ermöglichen auch besicherte Instrumente.“ Zudem sei Rendity stark auf Wien fokussiert gewesen und habe mit einzelnen großen Bauträgern, die jeweils mehrere Projekte parallel über die Plattform finanzierten, zusammengearbeitet. Dies habe zu einem Klumpenrisiko geführt. Bei dagobertinvest seien Risiken breiter gestreut.
Auch Anbieter Rockets musste in dem veränderten Umfeld das Angebot anpassen. „Rockets setzt bewusst auf mehrere Projektkategorien – neben Immobilien auch Wachstumsunternehmen, KMU sowie Projekte aus dem Nachhaltigkeits- und Zukunftsbereich. Diese Diversifikation ist ein zentraler Bestandteil unseres Modells“, sagt Sprecher Christoph Schoberl. Die Anteile hätten sich signifikant verschoben. Seien Immobilien früher der Haupttreiber gewesen, hätten sie 2025 nur noch rund 20 Prozent ausgemacht.
Keine Immobilien
Als eine der führenden Crowdinvesting-Plattformen im deutschsprachigen Raum gilt Conda. „Wir haben nie Immobilien finanziert“, sagt Co-Founder und Co-CEO Daniel Horak im KURIER-Gespräch. Sondern Start-ups und KMU im DACH-Raum. Bei Conda stünden Projekte in den Bereichen Tourismus, Gastronomie, PV-Anlagen, Wasserstoff, E-Mobilität sowie familiengeführte Unternehmen im Zentrum.
Das Aus von Rendity freut Horak naturgemäß nicht. „Jeder verlorene Euro ist einer zu viel, aber das gehört zum Leben dazu.“ Crowdfinanzierung sei ein Risikoinvestment und bezüglich Immobilien handle es sich um kein Betongold. Generell seien Immobilien eine herausfordernde Branche.
Dennoch sieht er für Crowdfunding noch immer eine Zukunft. „Heuer gibt es angebotsseitig eine unglaublich steigende Nachfrage“, so Horak und berichtet von rund 30 Prozent Zuwachs gegenüber 2025. Rund 4.500 Anfragen von unterschiedlichster Qualität gebe es jährlich, nur die wenigsten wären für Investments geeignet. Ab 250 Euro seien Kleinanleger dabei, im Durchschnitt seien es rund 5.000 Euro.
Die Immo-Anbieter haben jedenfalls aus der Krise dazugelernt. „2025 haben wir eine bewusst reduzierte, selektive Anzahl an Projekten umgesetzt. Der Fokus lag klar auf Qualität vor Quantität“, sagt Zederbauer und nennt 30 Projekte. Die Zinsen variieren aber noch immer je Projekt zwischen 8 und 13 Prozent im Jahr. Und auch die Anleger dürften gelernt haben. Die durchschnittliche Investition liegt bei unter 1.000 Euro je Projekt.
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