Coronakrise: Deutsche Banken verrechnen Sparern Negativzinsen

Symbolbild.
Während der Krise steigt die Zahl der Kreditinstitute, die Negativzinsen an Sparer weitergeben: Geld auf dem Taggeldkonto wird weniger.

In Österreich sind Spareinlagen durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs (OGH) seit 2009 vor Null- oder Negativzinsen geschützt.

In Deutschland ist das nicht der Fall: Dort hat sich der Trend zu Negativzinsen auf dem Tagesgeldkonto nach Einschätzung des Vergleichsportals Verivox in der Coronakrise beschleunigt.

Minuszinsen bei 80 Banken

Nach Daten des Portals haben aktuell 80 Geldhäuser Minuszinsen in ihren Preisaushängen veröffentlicht (Stichtag 8. April). Davon führten 23 Institute vom 9. März an Negativzinsen ein. Diese gelten zunächst nur für Neukunden. Die deutliche Mehrheit der Institute verschont ihre Privatkunden bisher aber davon.

"In der Coronakrise hat sich der Trend zu Negativzinsen noch einmal spürbar beschleunigt", sagte Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Da einige Institute individuelle Vereinbarungen mit vermögenden Kunden träfen, dürften insgesamt mehr als 80 Geldhäuser Negativzinsen verlangen, erläuterte Maier.

Auch Gebühren nehmen zu

Hinzu kämen sieben Finanzhäuser, bei denen das üblicherweise kostenfreie Tagesgeldkonto Gebühren koste. Dadurch entstünden faktisch Negativzinsen. Das Vergleichsportal wertete die im Internet veröffentlichten Preisaushänge von rund 800 Banken und Sparkassen aus. Im Fokus stehen dabei Tagesgeldkonten. Nach Daten der Deutschen Bundesbank gab es im vergangenen Jahr in Deutschland 1.717 Kreditinstitute.

Lange Zeit wurden Negativzinsen vor allem auf sehr hohe Guthaben ab 100.000 Euro und mehr erhoben. Inzwischen sind Verivox zufolge aber teilweise auch Sparer mit geringeren Anlagesummen betroffen. Demnach gewähren mindestens 15 Banken deutlich weniger als 100.000 Euro Freibetrag - drei davon erheben den Negativzins sogar ab dem ersten Euro.

Explizite Vereinbarung

Verbraucherschützern zufolge sind Negativzinsen in Deutschland bei Bestands- und Neukunden nur zulässig, wenn das Verwahrentgelt explizit mit den Kunden vereinbart wurde. Es reiche nicht, lediglich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu ändern.

Geldhäuser müssen derzeit 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Auch wenn es inzwischen höhere Freibeträge gibt, klagt die Branche über eine Milliardenbelastung. An Firmenkunden geben Banken und Sparkassen die Kosten schon länger weiter.

Debatte in Österreich

In Österreich entspann sich zuletzt im Februar eine Debatte, ob es eine gesetzliche Regelung braucht. Während nämlich Spareinlagen durch das erwähnte OGH-Urteil von 2009 vor Negativzinsen geschützt sind, ist die rechtliche Lage für das Girokonto, also dort, wo die Gehälter üblicherweise einlangen, nicht so klar. Arbeiterkammer, SPÖ und FPÖ forderten deshalb ein gesetzliches Verbot.

Die Bankensparte in der Wirtschaftskammer hingegen wiegelte ab: Solche Belastungen seien für die Branche aktuell kein Thema. Vereinzelt haben Banken aber das klassische Sparbuch komplett abgeschafft und bieten nur noch digitale Sparformen an.

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