© Reinhard Vogel

Wirtschaft
07/15/2020

Coronakrise bremst Schienengüterverkehr aus

Das Branche erleidet Rückgänge von 25 Prozent und schickt jetzt einen Hilferuf an die Verkehrsministerin.

Die Corona-Krise hat den Schienengüterverkehr von Anfang an voll getroffen. Branchenvertreter schlagen jetzt Alarm. „Der Schienengüterverkehr hängt stark von der Industrie ab. Mit dem Shutdown sind viele Zweige weggefallen“, sagt Andreas Mandl, Sprecher des Ausschusses Schienengüterverkehr im Fachverband Schienenbahnen in der WKO.

Keine Unterstützung

Seien es Transporte für Möbelhäuser, für die Autoindustrie oder alltägliche Lieferungen wie Kerosin für den Flughafen und die Versorgung von Tankstellen. Die Umsatzrückgänge liegen laut Mandl bei mindestens 25 Prozent. Die Branche setzt rund 3,2 Milliarde Euro um und beschäftigt 10.000 Mitarbeiter. „Im besten Fall sind wir im vierten Quartal wieder auf Vor-Corona-Niveau.“ Im schlimmsten Fall könnte es auch zwei bis drei Jahre dauern, je nachdem wie sich die Pandemie entwickle.

Das Problem: Erst ab 40 Prozent Umsatzrückgang bekommen Unternehmen Unterstützung aus dem Covid-Hilfsfonds. In Österreich gibt es 35 private Schienengüterverkehrsunternehmen, davon sind ein Drittel staatlich oder staatsnahe. Für einige der Privaten könnte die aktuelle Situation das Aus bedeuten, da bei vielen die Eigenkapitaldecke dünn sei.

„Mit Rücken zur Wand“

Die Branche hat nun beim Verkehrsministerium um Hilfe angesucht. „Wenn man uns unterstützen will, muss die Infrastrukturbenutzungsgebühr gesenkt oder für 2020 ausgesetzt werden“, sagt Mandl. Außerdem müsste die Energieabgabe für Strom fallen, da Lastwägen von einer Mineralölabgabe befreit sein.

Und nicht zuletzt: „Wenn man die Klimaziele ernst nehmen will, dann muss man sich etwas überlegen“, so Mandl. Eine Möglichkeit wäre es, Anhänger von Sattelschleppern kranbar zu machen, damit sie rasch auf Züge verladen werden können. Zwei Briefe sind laut Mandl an Verkehrsministerin Leonore Gewessler ergangen, Antwort habe es bisher noch keine gegeben.

Kampf ums Personal

„Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, erzählt Friedrich Macher, Geschäftsführer des Schienenlogistikers Grampetcargo Austria, aus der Praxis. Er müsse darum kämpfen, das Personal zusammenzuhalten. „Sie sind der Schlüsselfaktor, die Ausbildung ist teuer.“ Zwar konnte er durch Kurzarbeit die Kosten unten halten, bei den Wagen und Loks fallen jedoch täglich hohe Fixkosten für Abschreibung, Miete, Versicherung und Instandhaltung an. Diese belaufen sich auf ein Viertel der Gesamtkosten.

Sollen die privaten Unternehmen weniger werden, könnte sich der Anteil der Schiene gegenüber der Straße verringern, erläutert Macher. „Wir Private sind zu kleinen kundennahen Lösungen fähig.“ Sie hätten etwa Nebenbahnen zu Lagerhäusern wiederbelebt. Solche systemtechnischen Vorteile könnten verloren gehen, wenn man Private im Stich lasse.

Sorgen

„Wir verstehen die Sorgen der Branche wohl am besten“, sagt ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä. Die ÖBB-Tochter Rail Cargo Group ist Marktführer in Österreich. „Corona und der Einbruch der Wirtschaft machen insbesondere den Einzelwagenverkehr in Österreich zum Drahtseilakt.“ Dieser sei wirtschaftlich kaum noch argumentierbar, aber unglaublich wichtig für die Industrie und die Umwelt.

Ohne den Einzelwagenverkehr wären zwei Millionen Lkw mehr auf den Straßen unterwegs. Die Schiene brauche einen fairen Wettbewerb mit der Straße.

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