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Wirtschaft
04/30/2021

Corona: Woran betriebliche Impfstraßen (bisher) scheitern

500.000 Mitarbeiter sind bereits angemeldet. Je länger der Start dauert, desto uninteressanter wird er.

von Simone Hoepke

Die Corona-Impfung direkt beim Arbeitgeber abholen. Klingt einfach, ist es aber nicht, wie das Praxisbeispiel Spar Österreich zeigt.

Der Lebensmittelhändler möchte seinen 50.000 Mitarbeitern in Österreich eine betriebliche Corona-Impfung anbieten und ist mit diesem Ansinnen bereits seit Monaten mit der Impfkoordination der Bundesländer in Kontakt. Doch es gibt ein nicht unwesentliches Problem: Es fehlt der Impfstoff.

Solange nicht einmal klar ist, wann dieser kommt, steht auch die Planung für die 20 betrieblichen Impfstraßen still, die der Konzern zwischen Boden- und Neusiedler See aufbauen will, erläutert Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Das Thema ist komplex, auch weil es Ländersache ist.

Gesucht: Ärzte

In Vorarlberg solle Spar die bestehenden Impfstraßen mitbenutzen, in Oberösterreich eine eigene bei einer der Spar-Zentren aufbauen. Dazu braucht es freilich genügend Ärzte, die wiederum erst organisiert werden müssen. Berkmann: "Wir haben schließlich nicht so viele Betriebsärzte." Allerdings kann man Ärzte für diverse Standorte und Termine erst dann organisieren, wenn klar ist, wann welche Impfstraße in Betrieb gehen kann, sprich mit Impfstoff beliefert wird. Kurz: Noch gar nicht. Dazu kommen die Kosten, die in den Unternehmen anfallen. "Natürlich übernehmen wir diese gern, aber nur, wenn die Impfstraße Sinn macht, weil unsere Mitarbeiter so früher drankommen."

Wettlauf mit der Zeit

Anders formuliert: Je länger es dauert, bis betriebliche Impfstraßen an den Start gehen, desto geringer der Bedarf und das Interesse, den damit verbundenen Aufwand in Kauf zu nehmen. Nebenaspekt: Spar hat sich ausgerechnet, dass binnen drei Wochen alle Mitarbeiter die das wollen, die erste Impfung erhalten könnten. Wann die zweite folgt, hängt dann vom eingesetzten Impfstoff ab. Bei Astra Zeneca sollen zwischen den beiden Terminen vorzugsweise elf bis zwölf Wochen liegen. Was die Frage aufwirft, ob mit der betrieblichen Impfmöglichkeit wirklich schneller das Ziel erreicht wird.

"Es zählt jeder Tag, denn über die Betriebe können wir einen niederschwelligen Zugang zu Impfungen und damit eine hohe Durchimpfungsrate sicherstellen", sagt Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer (WKO). Laut seinen Erhebungen möchten die Firmen rund eine halbe Million Beschäftigte in den Betrieben impfen, inklusiver ihrer Angehörigen könnten eine Million Menschen auf diese Weise geimpft werden.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein hat nun in Aussicht gestellt, dass "im Mai" mit den betrieblichen Impfungen begonnen wird. Konkreter wurde er noch nicht. Dem Vernehmen nach sollen etwa Unternehmen mit Staatsbeteiligung und einige österreichweit tätige Großunternehmen – wie Porr, Post, ÖBB, OMV oder A1 Telekom Austria – direkt vom Bund Impfstoff erhalten. Laut Wirtschaftskammer bemühen sich – neben den Lebensmittelhandelsketten – auch der Flughafen Wien, Magna und die Erste Group um Impfstoff gegen Covid-19. Teils würden die Unternehmen die Impfinfrastruktur auch für andere, kleinere Firmen öffnen.

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