Zweite Pleite innerhalb von einem Jahr.

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Wirtschaft
04/06/2020

Corona-Krise: Stillstand sorgt bei Insolvenzen für Ruhe vor dem Sturm

KSV1870-Experte erwartet erst ab dem dritten Quartal eine Welle von Insolvenzen, die bis nach 2021 reichen dürfte.

Im ersten Quartal, in dessen später Phase die Coronakrise begonnen hat, gab es deutlich weniger Unternehmenspleiten und weniger Privatinsolvenzen als im Vorjahreszeitraum. Wie heftig sich die Krise schlussendlich auswirkt, ist offen: "Wie viele Insolvenzen es über das ganze Jahr geben wird, hängt davon ab, wie sich die nächsten drei Monate entwickeln", sagte KSV-Experte Hans-Georg Kantner zur APA.

Insgesamt wurden den ersten drei Monaten heuer 1.151 Unternehmen insolvent, was einen Rückgang von rund 9 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2019 zeigt. Eröffnet wurden 668 Insolvenzverfahren - ein Minus von fast 14 Prozent. Das Minus in den letzten beiden Märzwochen war noch viel höher und fällt in drei Monaten auch ins statistische Gewicht, sagt Kantner. In Salzburg etwa gab es in diesem kurzen Zeitraum einen Einbruch von über 80 Prozent, in anderen Bundesländern zwischen 60 und 70 Prozent.

Nun gilt vorerst, wie berichtet bis 30. Juni, auch ein neues Krisengesetz, das die Insolvenzantragspflicht bei einer Überschuldung für Kapitalgesellschaften, also Unternehmen bei denen niemand persönlich haftet, vorübergehend aussetzt. Insolvenzverfahren auf Gläubigerantrag sind im selben Zeitraum auch nicht zu eröffnen. Für Finanz und Gesundheitskassen ist eine Art Moratoriums auf Konkursanträge vorgesehen, so dass in näherer Zukunft diese Anträge ausbleiben werden.

"Das wird dazu führen, dass im zweiten Quartal die Eröffnungen noch tiefer sinken werden, als sie das schon seit Mitte März getan haben", sagt Kantner. "Und die mangels Vermögens nicht eröffneten Verfahren werden sich in etwa halbieren." In Summe rechnet der KSV1870 daher mit einem Insolvenzniveau im 2. Quartal 2020 auf dem Niveau von lediglich 40 bis 45 Prozent des Jahres 2019.

Ein Ausblick aufs gesamte Kalenderjahr sei nicht seriös möglich, sagt Kantner. Aber: "Zweifellos wird es noch heuer zu einem Aufholeffekt kommen und darüber hinaus zu einem Wachstum gegenüber 2019." Die Welle werde auch noch ins Jahr 2021 hineinreichen. Das Ausmaß sei noch offen. Dabei gehe es vor allem darum, wann die einschneidenden Maßnahmen - also der Stillstand seit Mitte März - zumindest Schritt für Schritt wieder endet.

Die gesamten Passiva bei den weniger gewordenen Firmeninsolvenzen haben sich im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Vorjahres übrigens trotzdem verdoppelt - auf 750 Millionen Euro. Mitverantwortlich ist hier die höchste Einzelsumme, die von der Anglo Austrian Bank (früher Meinl Bank) kommt und sich auf 285 Millionen Euro beläuft. Die Zahl der von Insolvenzen betroffenen Dienstnehmer betrug im ersten Quartal heuer 10.845 und lag damit  zwei Prozent unter dem Vergleichszeitraum.

Der "Shutdown" hat laut KSV auch bei den eröffneten Privatkonkurse für einen Rückgang von fast einem Viertel gesorgt. Lag der Rückgang im Februar noch bei rund drei Prozent, so hat ein weitgehender Stillstand der Justiz bzw. auch der Anträge der Schuldner seit etwa Mitte März diesen Rückgang substanziell verursacht. Daher sind die 1.896 eröffneten Privatkonkurse "keineswegs Spiegel der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung, sondern nahezu zur Gänze einem Ausnahmezustand geschuldet", sagt Kantner.

Der Rückgang der Passiva um 28 Prozent auf rund 327 Millionen Euro sei österreichweit nicht signifikant und bestätige den Trend, dass nunmehr wieder weniger Schuldner mit besonders hohen Verbindlichkeiten den Weg zum Konkursgericht suchen, als das nach einer Änderung der Privatkonkursordnung zuletzt noch der Fall gewesen war.

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