Wirtschaft
06.06.2018

Click & weg: Internet-Einkäufe wandern verstärkt ins Ausland ab

Jeder zweite Euro fließt über die Grenze, bei der Bekleidung sind es sogar 60 Prozent. Heimische Händler sind alarmiert.

Der bequeme Einkauf von zu Hause aus breitet sich rasant aus. Binnen zehn Jahren hat sich in Österreich die Zahl der regelmäßigen Online-Shopper auf 4,1 Millionen bzw. 62 Prozent der 16- bis 74-Jährigen mehr als verdoppelt. Dies geht aus einer Studie der KMU Forschung Austria hervor. Die Top-Seller blieben weitgehend gleich: Gekauft werden vor allem Bekleidung/Textilien, Bücher und Elektrogeräte. Die größten Steigerungsraten gibt es bei Schuhen, Sportartikeln, Spielwaren und Kosmetik.

Die Jahresausgaben für Online-Shopping haben sich im Zehn-Jahres-Abstand auf 7 Mrd. Euro nahezu verfünffacht, wobei das rasante Wachstum zum Großteil auf das Konto ausländischer Anbieter geht. Jeder zweite Euro floss im Vorjahr über die Grenze zu Internet-Riesen wie Amazon, Zalando oder Otto Versand. Die Umsätze der österreichischen Web-Shops lagen zuletzt bei 3,2 Mrd. Euro und entwickelten sich in den vergangenen Jahren weniger dynamisch.

Kaufkraftabfluss

Was auffällt: In kaum einem anderen EU-Land ist der Kaufkraftabfluss im Internet-Handel so groß wie in Österreich. Nur in Luxemburg und in Malta kaufen die Konsumenten noch mehr online über der Grenze ein, während etwa in Deutschland drei Viertel bei deutschen Shops ordern. Alle großen Online-Händler hätten einen Sitz in Deutschland, nicht unbedingt aber in Österreich, begründet Studienautor Ernst Gittenberger die Unterschiede. Die Dominanz ausländischer, primär deutscher Konzerne findet sich in Österreich aber auch im stationären Einzelhandel wieder.

Die größte internationale Konkurrenz gibt es übrigens für die Schuhhändler. Der Kaufkraftabfluss im Online-Shopping liegt hier laut Studie bei 70 Prozent, bei der Bekleidung entfallen 60 Prozent auf ausländische Shops. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) klagt über einen zunehmend unfairen Wettbewerb gegenüber Web-Riesen wie Amazon oder Alibaba. Chinesische Händler würde durch ein uraltes Post-Privileg der Paketversand in die EU fast gar nichts kosten, kritisiert Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Sparte Handel in der WKÖ.

Der Handelsverband wiederum geht gegen Amazon vor und fordert eine verpflichtende Angabe der Verkaufspreise inklusive österreichischer Umsatzsteuer auf amazon.at. Derzeit werde mit den niedrigeren deutschen Preisen geworben und erst kurz vor der Bestellung der höhere Preis angezeigt. Wie schwierig der Kampf gegen die Riesen ist, zeigt der Versuch der Post, einen rein österreichischen Online-Marktplatz zu etablieren. Statt wie geplant 1000 Händler sind auf shöpping.at erst etwa 500 vertreten.