Lynk&Co Weltpremiere in Göteborg.

© Geely

Neue Konkurrenz
10/21/2016

Chinesische PS für Europas Straßen

Mit Lynk&Co startet der chinesische Geely-Konzern eine neue Automarke – auch für Europa

von Horst Bauer

Nach mehreren gescheiterten Versuchen chinesischer Autohersteller in Europa Fuß zu fassen, macht Geely jetzt ernst. Die Zhejiang Geely Holding ist Eigentümer von Volvo und London Taxi (baut die Londoner Taxis) sowie der Eigenmarke Geely und ist einer der größten Autohersteller Chinas. Mit der eigens dafür kreierten Marke Lynk&Co startet der Konzern den Angriff auf die Märkte in Europa und den USA. Geplant ist eine Palette von Modellen, die in den Konzern-Entwicklungszentren in Göteborg und Hangzhou gerade fertig entwickelt wird und auf eine "junge, urbane Kundschaft in Mega-Cities" zielt.

Für die angepeilte Markteroberung hat man sich routinierte europäische Manager eingekauft. So präsentierten gestern und vorgestern in Göteborg und Berlin Alain Visser (Ex-Opel-Verkaufsvorstand) als operativer Chef der Marke Lynk&Co und Designchef Peter Horbury (früher Ford und Volvo) das erste Modell, während mit dem Ex-BMW- und GM-Top-Manager Carl Peter Forster der "Chief Adviser for Geely" im Publikum saß.

Als Alleinstellungsmerkmale setzt man auf permanente Telematik-Verbindung und neue Vertriebswege ohne herkömmliche Händlerstruktur. Alain Visser (Bild) zum KURIER: "Konnektivität wird für Lynk&Co das sein, was Sicherheit für Volvo ist."

Microsoft

Dabei arbeitet man eng mit Microsoft und dem chinesischen Telematik-Riesen Alibaba zusammen und bietet eine Cloud-Lösung von Ericsson mit einer für Entwickler von Apps offenen Plattform. Alles soll über einen großen Touchscreen laufen.

Der jungen Kundschaft der Generation "Digital Natives" sollen Angebote vom klassischen Kauf bis zu Teilzeit-Eigentümerschaft und einem digitalen Autoschlüssel gemacht werden, der es erlaubt, das eigene Auto via App mit anderen zu teilen. Der Vertrieb soll ausschließlich via Internet und eigene Niederlassungen an strategischen Stellen erfolgen. Die Autos werden der Kundschaft zugestellt und fürs Service auch wieder abgeholt.

Das erste Lynk&Co-Modell ist ein mittelgroßes, 4,5 Meter langes SUV mit der schlichten Bezeichnung 01, das auf der neuen modularen technischen Architektur aufbaut, die auch die kommenden Kompaktmodelle von Volvo nutzen werden. Als Motorisierung stehen je ein 3- und 4-Zylinder-Benziner sowie ein Hybrid und Plug-in-Hybrid-Modell zur Wahl. Eine elektrische Version mit Batterie ist in Entwicklung. Preise stehen noch nicht fest.

Der Marktstart in China erfolgt Ende 2017, in Europa und den USA will man im Herbst 2018 losfahren. Wenig später folgt Modell 02 – das zu einem Gutteil von Magna Steyr mitentwickelt wird.

„Motorbezogene Steuer ist Unikum“

Das Ziel ist durchaus ambitioniert. Laut EU soll Österreich bis 2030 die Treibhausemissionen, sprich den Kohlendioxid-Ausstoß (), um 36 Prozent reduzieren. Um diese Latte zu erreichen, muss über eine ökologisch sinnvolle Besteuerung des Verkehrs nachgedacht werden.

„Wir sind sofort bereit mitzumachen. Ziel ist aber die stärkere Besteuerung der Nutzung von Fahrzeugen und weniger des Besitzes von Kfz“, sagte Günther Kerle, Sprecher der heimischen Automobilimporteure, am Donnerstag bei einer Tagung in der Industriellenvereinigung. „Wir befürworten eine solche Veränderung, die für Verbraucher und Finanzminister aufkommensneutral ist.“ Oder anders gesagt: Die Ökologisierung der Kfz-Besteuerung darf zu keiner Erhöhung führen. Autofahren ist in Österreich schon teuer genug. Im europaweiten Ranking liegt Österreich hinter Luxemburg auf Platz zwei. Mehr als acht Milliarden Euro zahlen Österreichs Autofahrer derzeit jährlich an Verkehrs- und Energiesteuern – die Mehrwertsteuer nicht eingerechnet.

„Die motorbezogene Versicherungssteuer bei Pkw ist höher als die Mineralölsteuer“, weiß Angela Köppl vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO). 2015 betrug sie 2,182 Milliarden Euro, das waren 160 Millionen mehr als die Mineralölsteuer. Die Versicherungssteuer fällt jährlich an, egal ob ein Auto gefahren wird oder nicht. „Diese Steuer ist ein Unikum in Europa“, kritisierte Kerle.

Kilometer-Steuer?

Eine Kritik, die auch andere Experten teilen. „Man muss über eine kilometerabhängige Bepreisung diskutieren“, sagte Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt. Um Pendler dabei nicht noch stärker zu belasten, sollten sie laut Schneider zu ihren Fahrzeiten weniger zahlen als zu anderen Zeiten.
Apropos Pendler. „Das Pendlerpauschale kommt den einkommensstärkeren Berufstätigen zugute“, stellte WIFO-Expertin Köppl fest. Diese Ungleichheit kritisierte auch die Autofahrer-Lobby.

ÖAMTC-Experte Oliver Schmerold warnte zugleich davor, die niedrigere Besteuerung von Diesel zu kippen. „Dieselfahrer haben sich aus ökologischen Gründen für ein Dieselfahrzeug entschieden“, sagt er. Eine einseitige Erhöhung würde den Vertrauensgrundsatz verletzen.
Einig sind sich die Experten in Sachen Elektro-Autos. Sie machen nur dann wirklich Sinn, wenn sie mit Strom aus erneuerbarer Energie betankt werden – und nicht mit Strom aus kalorischen Kraftwerken. In letzterem Fall würden E-Autos kaum einen Beitrag zu den Klimazielen leisten.Kid Möchel

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