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Verunreinigte Babynahrung ist Fall für Justiz

Im Milchpulver von Danone und Nestlé war das Bakteriengift Cereulid festgestellt worden. Foodwatch erstattete mit sieben betroffenen Familien Anzeige. Eine Mutter erzählt.
Ein Baby hält eine Milchflasche mit beiden Händen und trinkt daraus.

Die 30-jährige Oberösterreicherin erinnert sich noch sehr genau an die schlaflosen Nächte im vergangenen Dezember. „Meine Tochter hat nachts immer wieder heftige Magenkrämpfe bekommen. Ihr Bauch war ganz hart, sie hat fürchterlich geschrien.“

Ein Jahr war das kleine Mädchen alt. Gerade wollte die 30-Jährige damit anfangen, abzustillen. Statt Muttermilch sollte das Baby vermehrt Flascherl-Nahrung mit Milchpulver bekommen, auch kurz vor dem Schlafengehen.

Doch rasch zeigten sich erste Reaktionen beim Mädchen. Plötzlich litt es vermehrt an Blähungen. „Da denkt man sich noch nichts“, sagte sich die Frau. Doch als statt einem Flascherl auf zwei erhöht wurde, fingen die heftigen Krämpfe an. Die Kinderärztin vermutete eine Kuhmilch-Intoleranz. „Also haben wir auf pflanzliche Milch gewechselt. Und mit einem Schlag waren die Beschwerden weg.“

Erst danach erfuhr die Oberösterreicherin durch eine Freundin von den Rückruf-Aktionen der Babymilch-Hersteller. „Ich habe die Chargen-Nummern verglichen. Wir hatten genau eine dieser betroffenen Chargen erwischt.“

Wut bei den Eltern

Die Wut auf die Hersteller ist bei der Frau noch nicht verraucht. „Ein Wahnsinn ist das!“ Sie ist eine von insgesamt sieben betroffenen Elternteilen, die gemeinsam mit der Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch eine Anzeige gegen die Hersteller Nestlé und Danone eingebracht haben. Wie seit Kurzem bekannt ist, ermitteln die Staatsanwaltschaften Innsbruck (Danone) und Wien (Nestlé) in der Sache. Vorwurf: Die Produkte seien „trotz Kenntnis der Kontaminierung im Verkehr gehalten worden“.

Am 5. Jänner hatte es in Österreich den ersten Produkt-Rückruf von Nestlé für BEBA- und ALFAMINO-Säuglingsnahrungs-Produkte gegeben. Am 31. Jänner folgte die Firma Danone. Betroffen waren hier mehrere Chargen des Milchpulvers Aptamil und Milumil. Grund dafür war eine festgestellte Verunreinigung in einem enthaltenen Öl aus China mit dem Bakteriengift Cereulid. Dieses Gift kann Übelkeit und Erbrechen hervorrufen.

Der Rückruf sei laut Foodwatch viel zu spät erfolgt. Nestlé habe bereits Ende November 2025 über die Verunreinigung Kenntnis gehabt, als diese in einem niederländischen Werk festgestellt wurde, wirft die Organisation dem Konzern in der Anzeige, die dem KURIER vorliegt, vor. Am 16. Dezember wurde das Gift von österreichischen Behörden in zwei Proben festgestellt. Daraufhin habe es im Handel einen „stillen Rückruf“ über die Weihnachtsfeiertage gegeben. Die Öffentlichkeit erfuhr erst später davon.

Verunreinigtes Öl

Danone wiederum soll das Öl vom gleichen Hersteller beziehen, habe aber ebenfalls viel zu spät die Öffentlichkeit informiert. Als das Wiener Marktamt weitere Tests veranlasste, musste der Rückruf sogar ausgeweitet werden.

90 betroffene Familien aus Österreich haben sich bei Foodwatch gemeldet. In einem Fall musste ein Baby sogar in die Notaufnahme der Universitätsklinik Innsbruck. „Die Gespräche mit den betroffenen Eltern waren sehr emotional. Die Dunkelziffer der Betroffenen ist noch viel höher“, sagt Markus Linkeseder von Foodwatch. In Frankreich könnten sogar zwei Todesfälle in Zusammenhang mit Babynahrung stehen.

Hersteller bedauern

Die Hersteller verweisen auf KURIER-Anfragen auf das laufende Verfahren. Danone erklärt: „Wir bedauern, dass die Vorkommnisse Anfang des Jahres bei Familien zu Verunsicherung geführt haben. Wir möchten versichern, dass wir stets auf Basis der uns zum jeweiligen Zeitpunkt vorliegenden Informationen verantwortungsbewusst gehandelt haben.“

Bei Nestlé heißt es: „Die Sicherheit und Qualität unserer Produkte haben für uns oberste Priorität. Wir arbeiten mit den zuständigen Behörden zusammen. Es konnte bislang kein Zusammenhang zwischen der Säuglingsnahrung und den gemeldeten Symptomen festgestellt werden.“

In Dornbirn läuft unabhängig davon ein Zivilverfahren wegen verunreinigter Babynahrung gegen Nestlé. Eine betroffene Familie klagte, nachdem ihr Kleinkind nach dem Verzehr von BEBA-Produkten wochenlang unter schweren Symptomen wie Erbrechen, Atemnot und Gewichtsverlust litt. Die Familie fordert Schadenersatz.

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