WIFA- Geschäftsführer Günter Greiner.

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Wirtschaft BusinessOesterreich
02/15/2017

Wifa will die Kurve kratzen

Profis aus aller Welt schätzen seit jeher Eislaufschuhe aus Wien. Die Wittmann-Schuhfabrik, kurz Wifa, geriet trotzdem in die Krise. Die Show soll aber weitergehen.

von Patricia Haller

Das Äußere: Festes, 2,6 Millimeter starkes Leder aus Polen, extra gegerbt für den Schuh-Schaft, meist im vornehmen Weiß mit goldenem Aufdruck. Kufen aus gehärtetem, englischem Stahl, die Schuhbänder fein verwoben, um sie über stabile Stahl-Ösen schnüren zu können. Im Inneren fünf Schichten, eine rutschfeste Zunge, dünnes, doch festes Leder aus Italien für die Sohle; darunter und rundum thermoplastisches Material, sodass der Schuh durch Erwärmen dem Fuß angepasst werden kann. Sieben Weiten stehen Erwachsenen zur Verfügung, Kindern bis zu vier. Der Halt muss fest sein, schmerzhaft drücken dürfen die Schuhe nicht.

Doch die Wittmann Schuhfabrik mit Sitz in Wien Hernals gibt es schon lange nicht mehr. Produziert wird heute zum Teil in der Slowakei. Produktentwicklung, Endfertigung- und Montage der Kufen, Qualitätskontrolle, Verkauf und individuelle Anpassung werden aber weiterhin in Wien gemacht. Gefertigt wird – wie früher, als der Schuhfabrikant Franz Wittmann für seine Tochter Eislaufschuhe entwickeln ließ – in Handarbeit, das macht das Produkt aus. "Das Prinzip ist seit jeher unverändert", erklärt Firmeneigentümer Günter Greiner. "Die Läufer brauchen Flexibilität und Festigkeit. Das Leder und die Vestärkungsmaterialien sind das Um und Auf. Bei einem Dreifach- oder Vierfach-Sprung im Eiskunstlauf ist es so, als würde man mit dem Vorschlaghammer auf den Schuh schlagen. Diesem Druck muss der Schuh Stand halten."

Qualität

Das hat seinen Preis: Profis geben mehrere hundert Euro dafür aus, Hobby-Sportler zahlen zwischen 130 und 190 Euro – je nachdem, ob sie im Fachhandel oder direkt im Wifa-Outlet einkaufen. Im Outlet am Firmensitz in Wien Liesing gibt es Rabatte auf Auslaufmodelle oder Schuhe zweiter Wahl mit kleinen Makeln.

Dass der hohe Preis für ein Paar Eislaufschuhe viele Freizeitsportler vom Kauf abhält, versteht Greiner nicht ganz. "Viele kaufen billigere Modelle und hören nach zwei Monaten wieder auf, weil es ihnen keinen Spaß macht. Unser Lederschuh hält Jahrzehnte. Er passt sich dem Fuß laufend an und kann repariert werden. Ein Erwachsener kann mit einem Wifa ein Leben lang fahren. Für gute Joggingschuhe wird auch sehr viel Geld ausgegeben."

Spitzenläufer aus vielen Nationen haben über die Jahrzehnte in Schuhen von Wittmann bei internationalen Wettbewerben im Eiskunstlauf und dem Eistanzen Medaillen gewonnen. Darunter auch Österreicherinnen wie Ingrid Wendl oder später Claudia Kristovics-Binder. Aktuell wird Wifa bei "Holiday on Ice", dem Nachfolger der legendären Wiener Eisrevue, beworben. Mit dem Veranstalter gibt es eine Kooperation. Auch Christopher Dean, Choreograf der Show, errang auf Wifa Siege.

Wieder anknüpfen

Zu Österreichs Junioren im Eiskunstlauf hat Wifa über die Sportverbände den Kontakt zuletzt wieder ausgebaut. In Russland hat das Unternehmen beim Nachwuchs in Sportvereinen einen Marktanteil von 50 Prozent. Greiner: "Da kostet ein Paar für Kinder um die 200 Euro. Das ist für viele ein Viertel des Monatslohns." Doch bei aller Liebe der Russen zur Marke aus Österreich hat die Rubelkrise dem Unternehmen arg zugesetzt. "Die Preise für Importwaren aus dem Westen sind binnen zweier Jahre um 70 bis 80 Prozent gestiegen", sagt Greiner. Das habe zu Absatzproblemen geführt. Dazu kamen Liefer- und Produktionsverzögerungen. Fazit: Greiner musste knapp vor Weihnachten Insolvenz anmelden. Doch geht es nach ihm, wird das Unternehmen die Kurve kratzen. Er verhandelt mit Investoren – darunter einige aus Österreich. Greiner: "Die Firma wird sicher fortgeführt."